Stand: 08.12.2019 10:33 Uhr

Bauern im Norden entfachen Mahnfeuer

Landauf, landab haben Landwirte am Samstagabend erneut Zeichen gegen ihrer Ansicht nach überzogene Umweltauflagen der Bundesregierung gesetzt. In diesem Fall waren es Leuchtzeichen, denn die Initiative "Land schafft Verbindung" hatte bundesweit dazu aufgerufen, Mahnfeuer zu entzünden.

Viele Feuer in Niedersachsen und Schleswig-Holstein

Auch in den norddeutschen Agrarregionen beteiligten sich Bauern an der Aktion. Alleine in Niedersachsen seien es rund 250 Feuer gewesen, schätzte Initiativen-Sprecherin Henriette Struß aus Barsinghausen im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Sie seien ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Landwirte bei der Neugestaltung der Agrarpolitik mehr als bisher beteiligt werden wollten.

In Schleswig-Holstein brannten nach Informationen des NDR 56 Feuer, vorzugsweise in der Nähe von Straßen und Autobahnen, damit sie von vielen Menschen gesehen werden sollten.

Landwirte: Schutzmaßnahmen müssen bezahlbar bleiben

Rinderhalter Henning Thiele nahm am Feuer in Barsbüttel (Kreis Stormarn) teil und erklärte seine Motivation: "Wir wollen aufmerksam darauf machen, dass wir da sind und das Gespräch mit den Leuten suchen." Am Feuer harrten überwiegend Landwirte und ihre Nachbarn aus, doch auch von der A1 war das Feuer gut zu erkennen.

"Wir sind nicht gegen Tierwohl und wir sind nicht gegen den Bienenschutz oder Wasserschutz", sagte Thiele. Denn die Landwirte lebten von gesunden und guten Tieren und Pflanzen, das müsse man gegenüber den Verbrauchern kommunizieren. Doch die Schutzmaßnahmen müssten für die Bauern bezahlbar bleiben, schränkte Thiele ein. Das, was bisher geplant sei, "schadet dem Leben auf dem Land", betonte auch Henriette Struß von der Initiative in Niedersachsen.

Landwirte kämpfen um "Spielraum für individuelle Maßnahmen"

Die Aktion ist Teil einer seit Wochen andauernden Protestwelle der Bauern, die unter anderem mit Trecker-Sternfahrten gegen das Agrarpaket des Bundes demonstrieren.

Ein Landwirt bringt Gülle als Dünger auf einem Feld aus. © dpa picture alliance Foto: Philipp Schulze
Die Landwirte kritisieren unter anderem die Verschärfung von Düngeregeln.

Vorrangiges Ziel der Bauern ist es den Organisatoren zufolge, deutlich zu machen, dass die moderne Landwirtschaft auch einen Beitrag zur Pflanzenvielfalt und zum Klimaschutz leisten könne. Auf der anderen Seite bräuchten die einzelnen Höfe aber Spielraum für individuelle Maßnahmen und dürften nicht "in einer irrsinnigen Auflagenflut" untergehen, hieß es. Außerdem betonen die Landwirte mit dem Protest in der Adventszeit, dass ein Weihnachtsfest ohne landwirtschaftliche Produkte nicht vorstellbar sei.

Düngeregeln erst 2017 verschärft

Das Agrarpaket der Bundesregierung sieht Verschärfungen vor allem beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und beim Ausbringen von Gülle auf den Feldern vor. Nach einer Niederlage vor dem Europäischen Gerichtshof ist Deutschland verpflichtet, Maßnahmen gegen zu hohe Nitratwerte im Grundwasser zu ergreifen. Die Bauern kritisieren unter anderem, dass die Düngemittelverordnung erst 2017 geändert worden war und nun erneut verschärft werden soll.

Weitere Informationen
Auf einem Acker steht ein grünes Holzkreuz © NDR Foto: NDR

Agrarpolitik - Stiller Protest auf den Feldern

Maßnahmen der Bundesregierung für mehr Umwelt- und Tierschutz sorgen für Unmut bei Bauern. Sie fürchten finanzielle Einbußen und protestieren. Mehr bei tagesschau.de. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Schleswig-Holstein Magazin | 07.12.2019 | 19:30 Uhr

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