Stand: 01.09.2020 14:25 Uhr

Leichte Entspannung auf dem Arbeitsmarkt im Norden

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind auch auf dem Arbeitsmarkt weiterhin nicht zu übersehen: Nach den heute veröffentlichten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit waren in Deutschland im August 2,95 Millionen Menschen arbeitslos. Das sind knapp 640.000 mehr als vor einem Jahr und 45.000 mehr als vor einem Monat. Die Arbeitslosenquote liegt bundesweit - nach 6,3 Prozent im Juli - nun bei 6,4 Prozent.

Dennoch ist laut Arbeitsagentur eine gewisse Stabilisierung bemerkbar, da es wie bereits im Vormonat keinen von der Krise ausgelösten Anstieg mehr gegeben habe. Bemerkbar macht sich das bereits in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg, wo die Arbeitslosenzahlen im Vergleich zu Ende Juli jeweils leicht zurückgingen. In Niedersachsen gibt es dagegen etwas mehr Arbeitslose.

Ein Hauptgrund für die im Vorjahresvergleich noch immer sehr hohen Zahlen sind den Experten zufolge die Folgen der Corona-Pandemie, denn die starken Umsatzrückgänge in der Krise zwingen viele Unternehmen zu Entlassungen. Hinzu kommt, dass im Sommer vor allem junge Leute nach dem Ende des Schul- oder Ausbildungsjahres nach einer Stelle suchen.

Die Zahl der Corona-bedingt in Kurzarbeit Beschäftigten ist zwar weiter hoch, hat aber eine sinkende Tendenz: Im Juni betraf das in Deutschland 5,36 Millionen Menschen, im Mai waren es noch 5,82 Millionen gewesen.

Niedersachsen: Besonders viele junge Arbeitslose

In Niedersachsen waren im August 276.400 Menschen ohne Job gemeldet. Das sind 23,4 Prozent mehr als im August vor einem Jahr - und 2,5 Prozent mehr als im Juli. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent.

Auffällig ist den Angaben der Behörde zufolge die deutlich gestiegene Zahl von Arbeitslosen unter 25 Jahren. Gut 35.200 junge Leute seien ohne Job, fast 30 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Anstieg sei vor allem zurückzuführen auf Arbeitslosmeldungen von Schulabgängern und von Auszubildenden, die nach ihren Prüfungen nicht übernommen wurden, heißt es. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) reagierte besorgt auf die hohe Jugendarbeitslosigkeit: "Wer gerade seine Ausbildung abgeschlossen hat, braucht dringend eine berufliche Perspektive. Die Politik muss den Unternehmen durch deutlich höhere öffentliche Investitionen Planungssicherheit bieten, damit diese alle jungen Fachkräfte übernehmen können. Schulabgängerinnen und -abgänger brauchen mehr Ausbildungsangebote", sagte Mehrdad Payandeh, DGB-Vorsitzender in Niedersachsen.

Insgesamt sind Experten für den Arbeitsmarkt im Land optimistisch, da nun Fachkräfte wieder mehr Beschäftigungschancen hätten: "Der Arbeitsmarkt stabilisiert sich nach dem Corona-Schock", erklärte Dirk Strangfeld, Arbeitsagentur-Geschäftsführer der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen. Knapp 14.000 freie Stellen seien im August von Unternehmen gemeldet worden - unter anderem im Gastgewerbe, dem Sozialwesen und bei der Arbeitnehmerüberlassung. Das seien Anzeichen für eine Verbesserung des Arbeitsmarktes.

In Niedersachsen haben seit März 82.037 Unternehmen für bis zu 1.167.259 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Darunter sind 780 Betriebe, die im August für bis zu 14.816 Personen Kurzarbeit neu anmeldeten. Wie viel Kurzarbeit am Ende tatsächlich genutzt und abgerechnet wird, lässt sich immer erst nach mehreren Monaten ermitteln. Bisheriger Höhepunkt war in dieser Hinsicht der April, als rund 527.000 Personen aus 55.700 Betrieben in Niedersachen in Kurzarbeit waren.

Schleswig-Holstein: Weniger Arbeitslose als im Juli

In Schleswig-Holstein ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Juli um 1,2 Prozent auf jetzt 97.600 gesunken. Auch hier ist aber der Vorjahresvergleich vor dem Hintergrund der Corona-Krise entscheidender: Im August 2019 gab es 23,1 Prozent weniger Arbeitslose als jetzt. Die Arbeitslosenquote ging im nördlichsten Bundesland binnen eines Monats um 0,1 Punkte zurück auf jetzt 6,2 Prozent.

"In Schleswig-Holstein hat sich im August die Lage am Arbeitsmarkt aufgehellt", sagte die Arbeitsagentur-Regionaldirektorin Margit Haupt-Koopmann. "Ein positiver Impuls war dabei, dass viele Betriebe auch in diesem Jahr trotz der Corona-Pandemie ihre geplanten Personaleinstellungen nach dem Ende der Sommerferien umgesetzt haben."

Seit Beginn der Corona-Krise haben in Schleswig-Holstein insgesamt 30.000 Betriebe für 348.200 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Das sind 37,6 Prozent aller Betriebe mit mindestens einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Im Mai sind laut Arbeitsagentur 144.300 Beschäftigte tatsächlich in Kurzarbeit gewesen - das war jeder siebte Arbeitnehmer im Land. 310 Millionen Euro hat Schleswig-Holstein bisher für Kurzarbeit in der Corona-Zeit aufgebracht.

Mecklenburg-Vorpommern: 65.100 Menschen auf Jobsuche

Die Zahl der Erwerbslosen in Mecklenburg-Vorpommern ist im August im Vergleich zum Juli leicht um 1,1 Prozent auf 65.100 gesunken. Das sind aber immer noch rund 10.000 mehr als im August 2019, wie die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit in Kiel mitteilte. Die Arbeitslosenquote liegt um 0,1 Punkte niedriger als vor einem Monat bei jetzt 7,9 Prozent - vor einem Jahr lag sie bei 6,7 Prozent.

Im Nordosten Deutschlands haben seit Beginn der Corona-Krise insgesamt 19.100 Betriebe für 185.000 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Die Schwerpunkte liegen den Angaben zufolge im Einzelhandel, der Gastronomie und im Gesundheitswesen.

Hamburg: Noch fast 3.000 offene Lehrstellen

In Hamburg waren Ende August 89.800 Hamburgerinnen und Hamburger arbeitslos gemeldet - das sind laut Arbeitsagentur 1,5 Prozent weniger als im Juli. Trotz der leichten Verbesserung binnen eines Monats werden die Folgen der Corona-Krise im Jahresvergleich deutlich: Im August 2019 waren in der Hansestadt gut 23.100 Menschen weniger von Arbeitslosigkeit betroffen - das entspricht fast 35 Prozent. Die Arbeitslosenquote ging im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Punkte auf 8,4 Prozent zurück.

Besonders betroffen von Arbeitslosigkeit sind nach Angaben der Arbeitsagentur jüngere Hamburgerinnen und Hamburger bis 25 Jahre. Sie sind demnach im Verhältnis in den vergangenen Monaten öfter entlassen worden als ältere Arbeitnehmer. Wie NDR 90,3 berichtet, halten aber offenbar gleichzeitig in der Krise an ihren Azubis fest: Im Vergleich zum Vorjahresmonat haben sich im August weniger Menschen nach ihrer Ausbildung arbeitssuchend gemeldet. In der Hansestadt gibt es noch mehr als 2.700 offene Lehrstellen.

Die in Anspruch genommene Kurzarbeit ging in Hamburg zuletzt wieder zurück: Im Mai haben demnach 16.302 Betriebe Kurzarbeitergeld für knapp 172.000 Beschäftigte bezogen. Im April waren es noch 17.374 Betriebe mit insgesamt 190.393 Beschäftigten gewesen.

 

Weitere Informationen
Verschiedene Schutzmasken hängen vor dem Logo der Agentur für Arbeit. © picture alliance, COLOURBOX Foto: imageBROKER, Jürgen Brochmann

Arbeitsmarkt im Juli weiter belastet

Der Arbeitsmarkt im Norden hat sich nach dem Corona-Einbruch stabilisiert, die Arbeitslosenzahl stieg im Juli leicht wegen saisonüblicher Effekte. Vor allem in Hamburg bleibt die Lage aber angespannt. mehr

Themenbild Arbeitsmarkt © dpa

FAQ: Erklärungen zu Arbeitsmarkt-Begriffen

Monatlich veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit Zahlen zur Beschäftigungssituation auch im Norden. Hier erklären wir die wichtigsten Begriffe, die darin auftauchen. mehr

Hinter Abrissmarken warten im Arbeitsamt Menschen auf ihren Aufruf. © picture-alliance/ dpa/dpaweb Foto: Uwe Zucchi

Was die offizielle Arbeitslosen-Statistik verbirgt

Jeden Monat veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit die Arbeitslosenstatistik. Doch wer gilt als arbeitslos? Und wer fehlt in den Daten? Tagesschau.de gibt Antworten. extern

Schulsenator Ties Rabe möchte den Schulunterricht nicht einschränken. © imago images Foto: Hanno Bode

Corona-Ticker: Maskenpflicht ab 5. Klasse in Niedersachsen

Die Regelung gilt in allen Corona-Hotspots des Landes. Auch in Hamburg muss an weiterführenden Schulen Maske getragen werden. Mehr News im Live-Ticker. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 01.09.2020 | 10:00 Uhr

Mehr Nachrichten

Schulsenator Ties Rabe möchte den Schulunterricht nicht einschränken. © imago images Foto: Hanno Bode

Corona-Ticker: Maskenpflicht ab 5. Klasse in Niedersachsen

Die Regelung gilt in allen Corona-Hotspots des Landes. Auch in Hamburg muss an weiterführenden Schulen Maske getragen werden. Mehr News im Live-Ticker. mehr

Ein winddicht angezogenes Paar geht am Strand spazieren. © dpa Picture Alliance Foto: Carsten Rehder

Touristen müssen Schleswig-Holstein verlassen

Urlauber auf dem Festland müssen bis 2. November abreisen, auf den Inseln gilt eine Frist bis 5. November. mehr

Der Hamburger Senat stellt Beschlüsse zu Corona-Maßnahmen vor. © picture alliance/dpa Foto: Christian Charisius

Hamburger Senat beschließt Teil-"Lockdown" wegen Corona

Die von Bund und Ländern ausgehandelten Corona-Maßnahmen sollen auch in Hamburg gelten. An Schulen gibt es eine erweiterte Maskenpflicht. mehr

Eine Schauspielerin steht auf einer Bühne.
5 Min

Corona-"Lockdown": Kulturschaffende befürchten schwere Folgen

Theater, Kinos und andere Kulturstätten müssen wieder schließen. Viele finden dies ungerecht - zum Beispiel in Hamburg. 5 Min