Stand: 12.09.2017 15:29 Uhr

Hildesheimer Pflege-Azubi kritisiert Merkel im TV

Alexander Jorde ist Krankenpfleger - und seit Montagabend wahrscheinlich einer der bekanntesten. In der ARD-Sendung "Wahlarena" meldete er sich zu Wort und kritisierte vor laufender Kamera Kanzlerin Angela Merkel (CDU) für ihre Pflegepolitik und das Wahlprogramm ihrer Partei.

"Würde tagtäglich verletzt"

"Guten Abend, Frau Merkel, mein Name ist Alexander Jorde. Ich mache eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Und in Artikel 1 des Grundgesetzes steht: 'Die Würde des Menschen ist unantastbar'." Ohne Spickzettel in der Hand schilderte der 21-jährige Hildesheimer in der Live-Sendung seine Erfahrungen aus dem Pflegealltag. Diese Würde werde in Deutschland tagtäglich verletzt, sagte er. Das sei ein Zustand, der nicht haltbar ist. Er fand deutliche Worte: "Die Pflege ist überlastet. Sie sind seit zwölf Jahren an der Regierung und haben in meinen Augen nicht viel für die Pflege getan." Im CDU-Wahlprogramm stehe, dass sich niemand um die Pflege Sorgen machen müsse, aber das sei absolut nicht so. In einem Land wie Deutschland müsse es möglich sein, mehr Geld in die Pflege zu stecken. Auch die Antworten der Kanzlerin ließ er nicht einfach so durchgehen, hakte nach und widersprach der Kanzlerin. "Wie wollen sie es denn schaffen, dass in zwei Jahren mehr Pflegekräfte da sind? Die fallen nicht vom Himmel."

Nicht zufrieden mit Antworten

Auch am Tag nach seinem TV-Auftritt hat sich das Thema Pflegepolitik für Alexander Jorde noch nicht erledigt. Der Fachkräftemangel in der Branche sei für ihn ein zu kleines Thema im Wahlkampf, sagte er. Die Antworten der Kanzlerin hätten ihn nicht zufriedengestellt.

Trotzdem toller Job

Der 21-jährige Azubi war einem Aufruf der Sendungsmacher im Internet gefolgt und hatte seine Frage eingeschickt - er wurde eingeladen. So eine Gelegenheit wie am Montag gebe es ja nur einmal, sagte er. Er fordert von der Politik außerdem, mehr für den Beruf zu werben: "Wenn's keiner macht, dann wird's brenzlig." Für den 21-Jährigen ist es trotz der Anstrengungen und der nicht allzu guten Bezahlung ein toller Beruf. Es gebe keinen Job, der so vielfältig sei. Pfleger begleiteten Menschen jeden Alters und auch jeder sozialen Schicht in extremen Lebenssituationen - von der Geburt bis zum Tod.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 12.09.2017 | 19:30 Uhr

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