Stand: 13.09.2017 23:49 Uhr

Sturm tobt im Norden - Todesopfer in Hamburg

Das Sturmtief "Sebastian" hat den ganzen Norden am Mittwoch kräftig durcheinandergewirbelt und erhebliche Schäden angerichtet. In der Hamburger Innenstadt wurde ein Mann von herabstürzenden Gerüstteilen getroffen. Der 38-Jährige erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Fast den ganzen Tag lang galt eine Unwetterwarnung vom Deutschen Wetterdienst, die erst am späten Abend aufgehoben wurde. Böen etwa an der Nordsee kamen auf bis zu 140 Stundenkilometer - das ist Orkanstärke. Wegen des Sturms waren die Einsatzkräfte in Norddeutschland vielerorts im Dauereinsatz - vor allem wegen umgestürzter Bäume. Züge und Fähren fielen aus und auch der Verkehr auf den Autobahnen wurde behindert.

Sturmflut setzt Fischmarkt unter Wasser

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Der Hamburger Fischmarkt wurde am Mittwochabend überflutet.

Eine Sturmflut setzte am späten Mittwochabend den Fischmarkt im Hamburger Stadtteil St. Pauli unter Wasser. Das Wasser stand an einigen Stellen etwa knietief, wie Passanten berichteten. Es sei die erste Sturmflut in diesem Herbst, hatte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg zuvor mitgeteilt. Der Wind aus Westsüdwest mit einer Stärke von durchschnittlich 9, in Böen 10 Beaufort drücke das Wasser der Nordsee an der ostfriesischen Küste vorbei auf die nordfriesische Küste.

Zahlreiche Bahnverbindungen unterbrochen

Zahlreiche Bahnverbindungen im Norden fielen am Mittwoch aus, unter anderem waren die Regionalbahnen zwischen Hamburg und Flensburg, Kiel und Flensburg sowie Lübeck und Puttgarden nach Angaben der Bahn betroffen. Auch viele Verbindungen des Anbieters Metronom wurden gestrichen. Zudem fielen Fernverkehrsstrecken nördlich von Hamburg aus. Vielerorts lagen laut Bahn Gegenstände im Gleis. Auch in Hamburg sorgte "Sebastian" zeitweilig für Einschränkungen im U- und S-Bahnverkehr. Und der Sylt-Shuttle der Bahn und der Konkurrent von der RDC stellten ihre Fahrten nach Sylt am Nachmittag ein. Behinderungen gab es auch auf den Straßen. Beispielsweise wurde die Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal nach einem Lkw-Unfall stundenlang komplett gesperrt - und damit die A7 in beide Richtungen. Da zudem die Gefahr bestand, dass der Anhänger wegen des Sturmes von der Brücke geweht werden könnte, wurde zusätzlich der Schiffsverkehr im Nord-Ostsee-Kanal gesperrt.

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Fährverkehr nach Helgoland eingestellt

Der Sturm wirbelte auch die Fahrpläne der Fähren durcheinander. Die Schiffe zwischen dem Festland und den Inseln und Halligen im Wattenmeer fuhren zum Teil nicht. Auch die Hochseeinsel Helgoland war per Schiff nicht erreichbar. Die Fähren von Büsum, Cuxhaven und Bremerhaven fuhren wegen des Wetters nicht. Auch der Hochgeschwindigkeits-Katamaran "Halunder Jet" stellte die Verbindung von Hamburg nach Helgoland ein.

Hamburg: Rollstuhlfahrer stürzt in Elbe

Die Feuerwehr Hamburg wurde zeitweise im Minutentakt alarmiert. Zwischen 12 und 19 Uhr seien die Einsatzkräfte in der Hansestadt gut 350 Mal ausgerückt, sagte ein Sprecher. Am frühen Nachmittag stürzte ein Rollstuhlfahrer in Blankenese in die Elbe. Ein Sprecher der Hamburger Polizei sagte, der Sachverhalt werde untersucht. Auch ein Suizid des Rollstuhlfahrers sei "ausdrücklich nicht ausgeschlossen". Passanten hatten die Einsatzkräfte alarmiert und erklärt, der Mann sei von Böen ins Wasser geweht worden.

Föhr: 70-Jährige von Baum getroffen

Auch in Schleswig-Holstein waren die Einsatzkräfte im Dauereinsatz. In Wyk auf Föhr wurde eine 70-Jährige von einem umstürzenden Baum begraben und schwer verletzt. Die vier Regionalleitstellen im nördlichsten Bundesland meldeten am Mittwochabend mehr als 1.200 Einsätze.

In Flensburg schloss die Stadt wegen der Sturmwarnungen die städtischen Kindertagesstätten. Den Schulen wurde ebenfalls empfohlen, zu schließen. In Husum wurden am Mittag vier der fünf Messehallen bei der Windmesse geräumt. Die Besucher seien gebeten worden, die Hallen zu verlassen und sich in das Congresscenter beziehungsweise die feste fünfte Halle zu begeben, sagte ein Mitarbeiter der Messe.

Hunderte Einsätze in Ostfriesland

"Sebastian" brachte den ersten Herbststurm auch nach Niedersachsen. Vor allem der Norden des Landes war betroffen. Viele Schäden gab es durch umstürzende Bäume, herabfallende Äste oder umherfliegende Gegenstände. Allein in Ostfriesland musste die Feuerwehr zu mehr als 400 sturmbedingten Einsätzen ausrücken. In Friedrichsfehn (Landkreis Ammerland) stürzte ein Baum auf den Schulhof einer Grund- und Oberschule - glücklicherweise war die Pause gerade zu Ende und die Schüler in ihre Klassenräume zurückgekehrt.

Kein Fährverkehr zwischen Rostock und Gedser

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Am Nachmittag erreichte das Sturmtief auch Mecklenburg-Vorpommern. Besonders im Westen des Landes wurden einige Bäume umgerissen. Betroffen waren nach Polizeiangaben unter anderem die Bundesstraße 5 bei Pritzier und eine Straße nahe Parchim. Menschen wurden dabei nicht verletzt. Die Fährrederei Scandlines sagte ihre Fahrten zwischen Rostock und Gedser bis Donnerstagfrüh ab. Auch auf Rügen blieben einige Anbieter von Schiffs-Ausflugstouren und Fähren in den Häfen, so etwa zwischen Lauterbach und Baabe sowie Breege und Hiddensee.

Sturmtief "Sebastian" fegt über den Norden

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NDR Info | Aktuell | 13.09.2017 | 23:00 Uhr

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