Stand: 11.10.2018 11:49 Uhr

Dudenhöffer: CO2-Vorgaben als Chance sehen

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Ferdinand Dudenhöffer sieht in den geplanten EU-Vorgaben ein Beschleunigungsprogramm für die deutschen Autobauer.

Volkswagen-Chef Herbert Diess hat vor Arbeitsplatzverlusten durch die geplanten CO2-Vorgaben für die Autoindustrie in der Europäischen Union gewarnt. Sollte sich das EU-Parlament mit seiner Forderung nach einer Senkung des CO2-Ausstoßes für Autos um 40 Prozent durchsetzen, müsse im Jahr 2030 bereits die Hälfte der Fahrzeuge rein elektrisch fahren, sagte Diess der "Süddeutschen Zeitung". In dieser Geschwindigkeit sei der Umbau der Flotte aber kaum zu managen; es drohe der Verlust von etwa 100.000 Stellen.

Der Automobil-Experte und Wirtschaftsprofessor Ferdinand Dudenhöffer widersprach Diess auf NDR Info: Er bezeichnete die Pläne des Europa-Parlaments als großes Innovationsprogramm für die Elektromobilität. Er glaube, das Gegenteil werde der Fall sein: Es sei ein Beschleunigungsprogramm für die deutsche Automobilindustrie. Man gehe jetzt endlich mit diesen neuen Vorgaben schneller in die Elektromobilität.

Der Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer sitzt in einer Fernseh-Talkshow im Studio. © dpa picture alliance Foto: Horst Galuschka

Dudenhöffer: Gas geben für Elektromobilität

NDR Info - Aktuell -

VW-Chef Diess rechnet mit Jobverlusten, sollte die EU ihre ehrgeizigen CO2-Ziele verabschieden. Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer widersprach dem auf NDR Info.

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"Wir sollten unsere Stärke nutzen"

Wenn die Vorgaben zu lasch wären, hätte man aus Dudenhöffers Sicht eher das Risiko, dass 200.000 Jobs wegfallen könnten. Es sei schade, dass immer dann, wenn sich die deutsche Automobilindustrie mit ihrer Innovationsstärke profilieren könne, gleich mit dem Verlust von Arbeitsplätzen gedroht werde. "Deutschland ist ein Innovationsland. Wir sollten unsere Stärke nutzen und nicht mit Angstschreien durch die Gegend laufen", sagte Dudenhöffer.

"Uns läuft die Zeit davon"

Gerade der VW-Konzern investiere massiv in Elektromobilität, sagte der Automobil-Experte auf NDR Info. Deshalb habe VW ein ganz großes Programm in China aufgelegt und dieses Programm greife natürlich auch für Europa. Ein Beispiel aus dem Konzern: Porsche habe sich als Ziel gesetzt, schon im Jahr 2025 75 Prozent seiner Neuwagen als rein elektrische Autos zu verkaufen.

Wenn Porsche das schaffe, als kleinerer Teil vom Unternehmen, dann müsse das doch ein Großer auch schaffen. Die Franzosen würden es schaffen mit Renault, die Japaner mit Nissan, außerdem die Chinesen und Koreaner. Man müsse Gas geben, sonst werde Deutschland abgehängt. Das Argument, wir brauchen noch mehr Zeit, ziehe laut Dudenhöffer nicht. "Da läuft uns wirklich die Zeit weg. Dann überholt uns der Wettbewerb."

"Wenn wir uns verstecken, werden wir die Verlierer sein"

Es sei immer die Industrie in Deutschland, die versuche, Standards auszuhebeln, Standards sanfter zu machen, so Dudenhöffer auf NDR Info. Wenn Deutschland von Beginn an richtige Standards gehabt hätte, "dann hätten wir jetzt nicht diese Probleme in unseren Großstädten".

Man müsse umrüsten, aber wenn Deutschland sich verstecke, werde es der ganz große Verlierer sein. Die Autoindustrie habe natürlich Angst, weil man heute Gewinne mache, auch gute Gewinne mit den alten Autos. Das sei aber nach Ansicht von Dudenhöffer falsch: "Dann verliert man in der Zukunft die Gewinne."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 11.10.2018 | 06:50 Uhr

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