Stand: 10.12.2018 11:07 Uhr

"Brahms/Balanchine" feiert in der Hamburger Staatsoper Premiere

von Annette Matz

In der Hamburgischen Staatsoper hat am Sonntag der Ballettabend "Brahms -Balanchine" Premiere gefeiert. Diesmal präsentierte das Hamburg Ballett zum ersten Mal zwei selten getanzte Choreografien von George Balanchine, dem Gründer des New York City Ballet. Bis zu seinem Tod 1983 hat er das New York City Ballet geleitet und es zu Weltruhm geführt. Mit diesem Abend verbindet Ballettchef John Neumeier die Brahms-Stadt Hamburg mit der Tradition von Balanchine-Aufführungen an der Staatsoper. Schon in den 60er-Jahren gab es die regelmäßig dort zu sehen.

Diesmal hat Ballettintendant John Neumeier nicht selbst Hand angelegt. Nicht er ließ sich auf der Bühne feiern, sondern er überbrachte denjenigen selbst Blumen, die die beiden Stücke des Abends mit dem Hamburg Ballett erarbeitet hatten: Das sind ehemalige Startänzer des New York City Ballet, die autorisiert sind, weltweit die geschützten Balanchine-Choreografien einzustudieren.

Der erste Teil war dem "Liebeslieder-Walzer" gewidmet, 1960 in New York uraufgeführt. Es ist ein intimes Klavierstück, schwungvoll von vier Paaren getanzt, die sich immer wieder im Walzertakt verlieren. Gut zu erkennen in diesem Teil: die Balanchine-Methode, die extreme Schnelligkeit und unkonventionelle Arm- und Handpositionen verlangt. Herausragend und besonders: Silvia Azzoni und ihr Mann Alexandre Riabko, die zu den ältesten Tänzern des Ensembles gehören und ihre Reife charismatisch nutzen. Trotzdem war das nicht für jeden im Publikum ein gelungener Einstieg. In der Pause raunten sich manche zu, das hätte kürzer sein können.

Reiner Tanz ohne Geschichte

Ja, es war schön anzusehen, aber ohne interessante Spannungen. Zu oft wiederholten sich die Bewegungen, führte das eine Paar seine komplizierten Drehungen vor, dann das nächste. Balanchine ist kein Geschichtenerzähler, er liefert reinen Tanz. Darauf muss man sich einlassen.

"Brahms/Balanchine" im Hamburg Ballett John Neumeier

Welche Compagnien ein Balanchine-Ballett tanzen dürfen, bestimmt der George-Balanchine-Trust. Unverfälscht sollen seine Stücke der Tanzwelt erhalten bleiben. Das gilt auch für die Bühnenbilder und Kostüme. Weltstar Balanchine hatte eine der berühmtesten Kostümbildnerinnen des Landes engagiert: "Karinska" war ihr Künstlername. Balanchine adelte sie mit dem Satz: "Es gibt Shakespeare für die Literatur und Madame Karinska für Kostüme."

Meilenstein der Ballettgeschichte

Der zweite Teil schaffte es, wohl für alle, dem Abend eine Wendung zu geben: Mit dem "Brahms-Schönberg Quartett", 1966 entstanden, sprang der Funke über. Auch hier gab es zwar keine erzählte Geschichte, sondern ausschließlich exzellenten Tanz. Aber vor allem die unglaublich exakt und schmissig präsentierten ungarischen Tänze am Schluss versöhnten.

Herausragend waren die Solisten und Ausnahmetänzer Madoka Sugai und Karen Azatyan. Für John Neumeier ist Balanchine einer "der wichtigsten Erneuerer des Tanzes", der der strengen klassischen Ballettform moderne Ausdrucksformen erlaubte. Seine Stücke sind Meilensteine in der Ballettgeschichte. Sie zu bewahren und in das tänzerische Repertoire des Hamburg Ballett aufzunehmen, ist ein Anliegen ihres Chefs. Und das ist auch gut so.

"Brahms/Balanchine" feiert in der Hamburger Staatsoper Premiere

In der Hamburgischen Staatsoper feierte "Brahms/Balanchine" Premiere. Der Ballettabend zeigt zwei Choreografien von George Balanchine, der einst das New York City Ballet gründete.

Art:
Bühne
Datum:
Ort:
Hamburgische Staatsoper
Große Theaterstraße 25
20354  Hamburg
Telefon:
Kartentelefon: (040) 35 68 68
Preis:
6 Euro bis 109 Euro
Hinweis:
Mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg
Pianisten: Marian Popova / Burkhard Kehring
Musikalische Leitung: Markus Lehtinen
Mit: Johanna Winkel (Sopran), Sophie Harmsen (Alt), Sebastian Kohlheep (Tenor), Bejamin Appl (Bass)
Tanz: Siliva Azzone, Sara Ezzell, Edvin Revazov, Alexandr Trusch (u.a.)
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 10.12.2018 | 16:20 Uhr

"Brahms/Balanchine" feiert in der Hamburger Staatsoper Premiere

09.12.2018 19:30 Uhr und weitere Termine
Hamburgische Staatsoper

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