CD-Cover: Nils Mönkemeyer - Vivaldi / Paganini / Tartini © Sony Classical

Nils Mönkemeyers musikalische Reise nach Italien

Stand: 12.03.2021 15:18 Uhr

Nils Mönkemeyer, der der Bratsche zu neuem Ruhm verholfen hat, hat eine neue CD herausgebracht. Auf ihr begibt er sich mit dem Barockensemble L‘arte del mondo auf eine musikalische Reise nach Italien .

von Chantal Nastasi

Als "die Altsängerin unter den Streichinstrumenten", so hat Nils Mönkemeyer sein Instrument kürzlich in einem Zeitunginterview beschrieben, und ihren Klang als einen lang gereiften Whiskey oder als den Klang, der zu einer Szene passt, in der man durch eine Allee geht und mit dem Herbstlaub raschelt.

Die Reise beginnt bei Antonio Vivaldi

Auf dem Coverfoto seiner neuen CD wandelt Mönkemeyer durch einen wilden Garten mit Bäumen und Sträuchern, die Bratsche trägt er dabei lässig in der rechten Hand. Freiheit, Neugier, der Weg, der vor und hinter einem liegt, spricht aus diesem Bild. Und auch aus dem, was der Bratscher mit den Barock erfahrenen Musikern von L‘arte del mondo aufgenommen hat. Ihre gemeinsame Reise beginnt bei Antonio Vivaldi.

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Diverse CD-Cover © NDR Online Foto: Christiane Irrgang

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Fast 500 Solokonzerte hat Vivaldi komponiert, viele für die Geige, ganze 37 für das damals eher vernachlässigte Fagott - aber die Bratsche hat er nicht bedacht. Und so muss sich Mönkemeyer bei den Fagotten und den Celli Konzerte ausleihen und überträgt sie auf die Viola. "Vivaldis Musik ist unglaublich frisch, lebendig und rhythmisch und lebt von der Kunst der Improvisation und vom Moment", erklärt Mönkemeyer. "Dieser Zugang, den man für Barockmusik braucht, ist ähnlich wie der des Jazz: Es gibt ein paar vorgegebene Noten und dann gibt es ganz vieles, was man frei improvisieren kann."

Ein neuer Blickwinkel auf Paganini

Und so frei geht Mönkemeyer nicht nur an Vivaldi heran, sondern auch an Paganinis "Sonata per la Grand‘ Viola", eines der Kernstücke der CD, im Original für die Bratsche komponiert und hochvirtuos. Paganini hat nicht nur Geige gespielt, was hinreichend bekannt ist, sondern hat auch die Bratsche sehr geschätzt. Die Interpretation auf Darmsaiten brachte Mönkemeyer einen neuen Blickwinkel auf Paganinis Stück, das er zuvor oft als etwas "zu süßlich" im Ton empfunden hat.

Paganinis "Sonata per la Grand‘ Viola" kennt Mönkemeyer noch aus Studienzeiten und unterrichtet jetzt darin seine eigenen Studenten. "Normalerweise bin ich dabei 1.000 Tode gestorben", erzählt der Bratscher. "Es ist ein Virtuosenstück, bei dem - wie im Zirkus - ganz viele Kunststückchen hintereinander passieren. Man tanzt quasi auf dem Seil und dreht sich dabei fünfmal um die eigene Achse."

Eine hörenswerte Neuentdeckung

Mitten in dieses Stück, das er zusammen mit dem Barockensemble zu einem Bratschenkonzert macht, hat Mönkemeyer ganz frei einen Ausschnitt aus einem 1975 komponierten Solowerk von Salvatore Sciarrino eingebaut. Ein kurzer Ausflug ins moderne Italien.

Dazu kommen Variationen von Guiseppe Tartini und zwei Weltersteinspielungen: Kurze Stücke von Paganinis Lehrer Alessandro Rolla - eine hörenswerte Neuentdeckung!

Nils Mönkemeyer zeigt sich nicht nur als Virtuose, sondern beherrscht auch die zarten Töne und das Sangliche, das spätere Belcanto. Werner Erhardt und das Ensemble L‘arte del mondo sind nicht nur aufmerksame, sondern auch hörbar inspirierende Begleiter. Eine abwechslungsreiche und vor Lebendigkeit sprühende Aufnahme - eine Italienreise für den CD-Spieler.

Vivaldi / Paganini / Tartini

Label:
Sony Classical

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 14.03.2021 | 15:20 Uhr

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