Stand: 02.06.2017 16:41 Uhr

Mendelssohn und Manacorda: Eine glückliche Verbindung

Mendelssohn: Sinfonien Nr. 3 & 5
von Antonello Manacorda und der Kammerakademie Potsdam 
Vorgestellt von Raliza Nikolov
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Seit 2010 ist Antonello Manacorda Chefdirigent der Kammerakademie Potsdam.

Der Dirigent Antonello Manacorda hat vor wenigen Wochen in Hamburg gleich mehrfach für Furore gesorgt - in kurzer Folge war er in der Elbphilharmonie zu Gast, zuerst mit "seiner" Kammerakademie, dann, kurzfristig, als Einspringer, mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester. Er liebt diesen Saal sagt er, weil man so leise spielen kann.

Seit 2010 ist Antonello Manacorda Chefdirigent der Kammerakademie Potsdam, eine Erfolgsgeschichte. Nach einem preisgekrönten Schubert-Zyklus erscheinen nun nach und nach die Sinfonien Felix Mendelssohn Bartholdys, darunter die "Schottische" und die "Reformations"-Sinfonie.

Genauigkeit und Liebe zum Detail

Kann man das alles vorbesprechen, erklären, proben? Diesen Zug in jeder Phrase, innerhalb jedes Satzes, innerhalb jeder Sinfonie. Diese Differenzierung in der Dynamik, die so extrem ist, dass schon Vogelgezwitscher bei geöffnetem Fenster störend wirken kann. Die Genauigkeit, die Liebe zum Detail, einzelne Stimmen hervorzuheben zum Beispiel, die einem - obwohl man diese Werke doch gut zu kennen meint - noch nicht aufgefallen waren. Ich behaupte kühn: Nein, das kann man nicht alles vorher ausmachen und dann umsetzen. Da muss schon noch etwas dazu kommen. War es das, was Herbert von Karajan meinte, als er so kraftvoll wie unvergesslich feststellte, den Klang eines Orchesters mache der Dirigent?

Der erste Satz der "Schottischen" dauert eigentlich 16 Minuten - die Sinfonie insgesamt fast vierzig Minuten - und die Kammerakademie Potsdam mit Antonello Manacorda schafft es, einen Sog zu entfalten, der uns herausträgt aus dem Raum, aus dieser gefügten Zeit. Weil alles aufeinander aufgebaut ist und miteinander in Beziehung gesetzt. Weil hier alle alles daran setzen, uns die Großartigkeit dieser Musik noch einmal neu nahe zu bringen, so nahe, dass einem die Tränen kommen können, wenn man ein Gefühl hat für Mendelssohn, für diesen genialischen, zugleich so akribischen Forscher, der alles dauernd umarbeitete und neu anschaute bis er endlich zufrieden war.

Antonello Manacorda ist der richtige für diese Musik, vor allem in der dritten, der a-moll-Sinfonie, der "Schottischen". Das verhangene wie das verhalten Lustvolle, meißelt Manacorda förmlich aus der Partitur heraus, und die Musiker - seit 2010 innig mit ihm verbunden -, so scheint es, verstehen genau, was er will.

Mendelssohn: Sinfonien Nr. 3 & 5

Label:
Sony Classical

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 05.06.2017 | 15:20 Uhr

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