Eine Frau spielt Cello © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild Foto: Hendrik Schmidt

"Jugend musiziert": Bundesfinale startet in Oldenburg

Stand: 01.06.2022 11:36 Uhr

In Oldenburg werden vom 2. bis zum 9. Juni die Preisträger des 59. Bundeswettbewerbs "Jugend musiziert" gekürt. Nach zwei Pandemie-Jahren finden alle Wertungsspiele und Konzerte wieder live statt.

von Helgard Füchsel

Nach der Absage 2020 und einem größtenteils als Videowettbewerb ausgetragenen Finale 2021 findet das Bundesfinale von "Jugend musiziert" nun wieder live statt. Die jungen Musizierenden freuen sich auf ihre Auftritte. So wie Niran Acar: Die 17-Jährige schaut konzentriert auf ihre Noten im Proberaum in der Oldenburger Musikschule. Sie spielt Cembalo im Alte-Musik-Ensemble. Das Quartett hat es bereits durch den Regionalwettbewerb und den Landeswettbewerb geschafft, freut sie sich. "Man ist schon stolz auf sich. Ich bin zum ersten Mal beim Bundeswettbewerb. Man hat das Gefühl, dass man mit der Gruppe ganz viel erreicht hat. Natürlich bin ich aufgeregt."

2.300 Musizierende beim Bundesfinale von "Jugend musiziert"

Mert Yalniz und Sara Göbel im Kleinen Sendesaal des NDR in Hannover © NDR / Stephan Sturm
Ein Spitzen-Duo: Der Pianist Mert Yalniz und die Geigerin Sara Göbel aus Niedersachsen erhielten beim Bundeswettbewerb 2021 "Jugend musiziert" die Höchstpunktzahl.

Insgesamt nehmen 2.300 junge Musikerinnen und Musiker am Bundeswettbewerb teil. Sie präsentieren ihr Können in rund 1.500 öffentlichen Kurzauftritten von jeweils ca. 20 Minuten. Die gibt es in ganz unterschiedlichen Kategorien wie Solo, Popgesang, Klavier-Ensemble, Solo, Streichinstrumente oder sogar Ensembles mit Hackbrett oder dem türkischen Instrument Baglama. Zusätzlich gibt es fünf große Konzerte.

Es werden in der ganzen Stadt viele Kinder und Jugendliche mit Instrumentenkoffern zu sehen sein, erwartet der Leiter der Oldenburger Musikschule, Holger Denkmann. "Wir sind natürlich stolz darauf, dass wir es geschafft haben, die Politik zu überzeugen, den Wettbewerb hierher zu holen. Für unsere Schülerinnen und Schüler ist es eine Riesenchance, hochklassige Musik zu erleben, und zwar von anderen Kindern und Jugendlichen, die im gleichen Alter sind und auf höchstem Niveau musizieren. Das ist ein tolles Vorbild und eine tolle Gelegenheit, über den eigenen Tellerrand hinauszugucken", findet Denkmann.

Drei Bühnen in der Oldenburger Innenstadt

In der Stadt wird niemand an der Musik vorbeikommen, sagt Holger Denkmann. Er hat drei Bühnen für Straßenmusik in der Oldenburger Innenstadt eingerichtet. Dort können Teilnehmende des Wettbewerbs eine Zeit buchen und das präsentieren, was sie wollen. Ein Fest ist der Wettbewerb auch für die Organisatorin Ulrike Lehmann aus Bonn. Sie freut sich vor allem, dass sie nach zwei Jahren Pandemie endlich wieder den jungen Menschen begegnen kann, für die sie das alles auf die Beine stellt.

Eine Jury von "Jugend musiziert" schaut auf einem Bildschirm einen Beitrag in der Kategorie "Musical" an. © picture alliance/dpa | Sina Schuldt
2021 konnten viele Wertungskonzerte aufgrund der Corona-Pandemie nur per Videoschalte stattfinden.

Lehmann möchte alle Musikinteressierten erreichen: "'Jugend musiziert' ist gerade auf Regionalebene eine Breitenförderung, die alle einlädt, teilzunehmen. Beim Bundeswettbewerb ist es natürlich vor allem die Spitzenförderung, weil man vorher zwei Ebenen geschafft hat. Durch die Pandemie ist es tatsächlich so, dass uns die Breite zumindest im letzten Jahr und in diesem Jahr ein wenig verloren gegangen ist, während die Spitze des Bundeswettbewerbs keinen teilnehmenden Rückgang zu verzeichnen hat. Das ist die Herausforderung: in den kommenden Jahren dafür zu sorgen, dass die Breite stabil bleibt und weiter breit bleibt, dass sich wirklich jede und jeder angesprochen fühlt, bei 'Jugend musiziert' mitzumachen", so Ulrike Lehmann.

Corona-Pandemie schwierig für Ensemble-Spiel

Das Ensemble-Spiel habe unter der Corona-Zwangspause gelitten, genauso wie der Anfängerunterricht. Wer aber vorher schon begeistert musiziert habe, sei auch dabei geblieben, so Lehmann. Jakob Freist aus Oldenburg hat sich im Lockdown mit Klavierspielen abgelenkt. "Es hat mir tatsächlich geholfen, einfach weil ich viel Zeit dafür hatte." Der 15-Jährige hat es mit einem Trio zum Bundeswettbewerb geschafft. Dass der jetzt in Oldenburg stattfindet, findet er gut. "Es ist viel entspannter, auch andere Ensembles und andere Beiträge zu hören. Und man hat natürlich auch Freunde und Familie da, die zuhören können."

Er möchte Gleichgesinnte treffen, viel Musik kennenlernen und, wie vermutlich alle Teilnehmenden, einen Preis bekommen. Aber selbst wer ohne Preis aus dem Wettbewerb geht, gewinnt, sagt die 17-jährige Marike. Sie performt in einem Alte-Musik-Ensemble. "Wenn man so einen Wettbewerb hat, auf dem man sich vorbereitet, ist man intensiver dabei und fokussiert sich darauf. Auch danach hat man meistens Beratungsgespräche mit den Jurymitgliedern. Da gibt es viele Rückmeldungen, was man noch verbessern könnte. Das bringt einen auf jeden Fall weiter und hilft einem."

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Eine Jury von "Jugend musiziert" schaut auf einem Bildschirm einen Beitrag in der Kategorie "Musical" an. © picture alliance/dpa | Sina Schuldt

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 01.06.2022 | 06:20 Uhr

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