Norddeutsche Philharmonie Rostock © Norddeutsche Philharmonie Rostock Foto: Thomas Häntzschel

Jubiläumskonzert: 125 Jahre Norddeutsche Philharmonie Rostock

Stand: 30.10.2022 10:09 Uhr

Die Norddeutsche Philharmonie Rostock feiert ihr 125-jähriges Bestehen. Die Aufzeichnung des Jubiläumskonzertes hat NDR Kultur am Sonntag gesendet.

von Christiane Irrgang

1,50 Mark kosteten die Eintrittskarten für das "Eröffnungs-Sinfonie-Concert" des neu gegründeten "Stadt Theater-Orchesters" Rostock am 22. September 1897. Das Publikum im Apollo-Saal saß "bei Bier und an kleinen Tischen", das Rauchen war "nur während des dritten uns letzten Theils zulässig". Genau 125 Jahre später - ohne Bier und Zigarren - hat der Nachfolger, die Norddeutsche Philharmonie Rostock, ein Jubiläumskonzert in der ehemaligen Schiffbauhalle der Neptun-Werft im Stadthafen gegeben.

Es begann, 2022 wie 1897, mit der Konzertouvertüre "Im Frühling" von Karl Goldmark. Der Wiener, ein Freund von Brahms, gehört zu den vielen Komponisten, die trotz großer Erfolge zu Lebzeiten später aus dem Rampenlicht verschwanden und erst langsam wiederentdeckt werden.

Generalmusikdirektor Marcus Bosch - ein "Münchner Kindl“ in Rostock

Dirigent Marcus Bosch im Porträt © Cristopher Civitillo
Dirigent Marcus Bosch: Ein "Münchner Kindl" in Rostock

Als nächstes hätte Generalmusikdirektor Marcus Bosch eigentlich Partituren von Robert Volkmann, Franz Liszt und Ludwig van Beethoven auflegen müssen - wenn es seine Absicht gewesen wäre, das Gründungskonzert 1:1 nachzuspielen. Doch Bosch wählte einige Orchesterlieder und die sinfonische Dichtung "Ein Heldenleben“ von Richard Strauss. Nicht nur wegen der Strauss’schen Anklänge in Goldmarks Musik, sondern auch weil der Komponist selbst in Rostock als Gastdirigent aufgetreten sei. Und: "Ich darf als Münchner Kindl vielleicht den Strauss hierher mitbringen. Und ein bisschen Münchner Sonnenluft tut ganz gut", so Bosch.

Sopranistin Bernhard: "Bei Strauss da passt einfach alles!" 

"Münchner Sonnenluft" brachte auch die Sopranistin Susanne Bernhard aus ihrer Heimatstadt mit. Dabei ist sie seit ihrem ersten Festengagement an der Kieler Oper bekennender Norddeutschland-Fan: "Ja, ich liebe den Norden, ich weiß nicht, warum, schon von Kind an. Wir waren irgendwann mal im Urlaub in Kopenhagen und ich habe mich so in dieses Licht und in die Weite verliebt! Ich würde auch jederzeit wieder in den Norden gehen.“ Nun hat sie es immerhin für drei Konzerte getan und dabei eine Auswahl aus Richard Strauss‘ rund 200 Liedern vorgestellt, die ihr sehr am Herzen liegen: "Ich finde bei Strauss die Instrumentierung so toll, das ist so farbenreich, und das geht so mit dem Text zusammen, das bildet mit dem Text so eine Einheit. Und außerdem hat er die Stimme auch so gut eingebettet in den Orchesterklang. Da passt einfach alles."

. © NDR Foto: Christiane Irrgang
Die Norddeutsche Philharmonie Rostock wurde vor 125 Jahren eröffnet.
Musikalische Liebeserklärung für Strauss´ liebste Sopranistin Maria Jeritza

Sogar eine Uraufführung gab es beim Festkonzert, dank Oliver Gruhn, dem stellvertretenden Soloposaunisten der Norddeutschen Philharmonie Rostock. Er hat die Klavierstimme des mutmaßlich allerletzten Strauss-Liedes "Malven" orchestriert - ganz im musikalischen Gestus des Komponisten, natürlich. Und mit diesem Lied ist auch eine schöne Geschichte verbunden: "Strauss hat es für seine liebste Sopranistin Maria Jeritza geschrieben, als musikalische Liebeserklärung, und hat die Noten an sie geschickt. Die verschwanden dort in einer Schublade und sind erst 1982 uraufgeführt worden, nachdem Maria Jeritza gestorben war."

125 Jahre Norddeutsche Phiharmonie – ein Heldenleben

Viele historische Bezüge also in diesem Geburtstagskonzert. Und Chefdirigent Marcus Bosch sorgte auch noch für einen Blick in die Zukunft und eine Botschaft an die Politik, indem er das "Heldenleben" aufs Programm setzte: "125 Jahre Orchester sind irgendwie immer ein Heldenleben. Und ich wollte auch zeigen, wo kommt eigentlich das Orchester her? Wir waren mal bei 90 Stellen, sind auf 60 abgeschmolzen, und als das Orchester in seiner Blüte stand, konnte es dieses Werk in Gänze selber besetzen. Das muss natürlich auch der Wunschtraum und das Ziel sein, wieder dahin zu kommen."

Weitere Informationen
Norddeutsche Philharmonie Rostock © Norddeutsche Philharmonie Rostock Foto: Thomas Häntzschel

Jubiläum: 125 Jahre Norddeutsche Philharmonie Rostock

Beim Festkonzert mit der Sopranistin Susanne Bernhard standen Werke von Goldmark und Strauss auf dem Programm. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Das Sonntagskonzert | 30.10.2022 | 11:00 Uhr

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