Stand: 17.05.2019 17:03 Uhr

Christian Thielemanns magische Ideen

Schumann Symphonies
von Christian Thielemann / Staatskapelle Dresden 
Vorgestellt von Marcus Stäbler

Im vergangenen Herbst war die Staatskapelle Dresden in Japan zu Gast. Auf der umjubelten Tournee hat das traditionsreiche Orchester unter Leitung seines Chefs Christian Thielemann auch die vier Sinfonien von Robert Schumann gespielt. Kurz nach dem 60. Geburtstag von Thielemann ist jetzt eine Konzertaufnahme dieser Sinfonien aus der Suntory Hall in Tokyo als Doppel-CD erschienen.

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Seit 2012 ist Christian Thielemann Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden.
Majestätische Pracht

Die Musik fließt ganz natürlich, als würde die Melodie von alleine strömen. Im zweiten Satz der Rheinischen Sinfonie von Robert Schumann glaubt man fast, den Rhein selbst mit seinen wogenden Wellenbewegungen vor sich zu sehen. Dieser sanfte Schwung und der warme Ton grundieren die ganze Konzertaufnahme der Schumann-Sinfonien von Christian Thielemann. Der Dirigent formt mit der Staatskapelle Dresden einen dunklen Klang, der die einzelnen Farben des Orchesters zu einer homogenen Einheit verschmilzt. Er verzichtet weitgehend auf schroffe Kontraste und setzt oft auf ein maßvolles Grundtempo. Das wirkt manchmal eine Spur schwerfällig, etwa in der Frühlingssinfonie.

Aber es wäre zu einfach, Thielemanns Schumann-Sicht auf solche braven Charaktere zu reduzieren. Denn aus der Ruhe saugt er eine große Kraft für Steigerungen und Höhepunkte. Dort entfaltet er mit der Staatskapelle eine majestätische Pracht.

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Ein wunderbarer Herzstillstand

Thielemann nimmt sich Zeit und manchmal auch erstaunliche Freiheiten, um besondere Momente auszukosten. Am überzeugendsten gelingt ihm das in den langsamen Sätzen, wenn er die herkömmlichen Grenzen des Metrums hinter sich lässt, wie im Adagio aus der zweiten Sinfonie. Mit weichen Akzenten hebt er da die Schmerzenstöne der Streicher hervor und genießt die Reibungen von Schumanns Harmonik.

Wenig später scheint der Pulsschlag der Musik für eine Millisekunde auszusetzen, weil Thielemann einen Tonwechsel der Klarinette minimal verzögert und den Hörer damit ganz kurz im Unklaren lässt, ob es weitergeht. Ein wunderbarer Herzstillstand.

Solche magischen Ideen hat Thielemann oft in Pianissimo-Passagen. Auch wenn seine Spontaneität manchmal dazu führt, dass das Orchester nicht ganz so perfekt wie sonst zusammenkommt: Gerade diese Einfälle machen die Handschrift des Dirigenten und den besonderen Reiz der Konzertaufnahme aus.

Podcast NDR Kultur Neue CDs © ©Rob | Fotolia | Stock.Adobe

Christian Thielemann dirigiert Schumann-Sinfonien

NDR Kultur - Neue CDs -

Auf ihrer Japan-Tournee hat die Staatskapelle Dresden unter Christian Thielemann auch die vier Sinfonien von Robert Schumann gespielt. Jetzt ist eine Konzertaufnahme dieser Sinfonien erschienen.

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Schumann Symphonies

Label:
Sony Classical

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 20.05.2019 | 06:40 Uhr

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