CD-Cover: Teodor Currentzis & MusicAeterna - Beethoven: Sinfonie Nr. 7 © Sony Classical

CD der Woche: Teodor Currentzis dirigiert Beethovens Siebte

Stand: 23.04.2021 13:08 Uhr

Der Dirigent Teodor Currentzis polarisiert mit seinen sehr dynamischen und gleichzeitig überaus genauen Interpretationen. Im vergangenen Jahr erschien Beethovens Fünfte, interpretiert mit dem von Currentzis gegründeten Ensemble MusicAeterna. Nun folgt Beethovens Siebte.

CD-Cover: Teodor Currentzis & MusicAeterna - Beethoven: Sinfonie Nr. 7 © Sony Classical
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von Chantal Nastasi

Präzision und Detailfreude sprechen schon aus dem ersten Akkord und den nachfolgenden Takten. Ein Weckruf - keine Klangfindung, sondern vielmehr: ein Nagel, der in die Wand geschlagen wird. In seiner Kompromisslosigkeit gleicht Currentzis' Statement am ehesten dem seines russischen Landsmannes Pletnev und dem von Bernard Haitink.

Eine mitreißende Aufnahme

Das auf Originalinstrumenten musizierende, in Sibirien ansässige Ensemble MusicAeterna spielt einen Viertelton tiefer und mit einer beeindruckenden Dichte im Klang. Das bei dieser Aufnahme 57-köpfige Ensemble hat beinahe Sinfonieorchestergröße. Wie man es nicht anders von diesem Ensemble und seinem Leiter Teodor Currentzis kennt, lebt die Interpretation von den großen dynamischen Kontrasten. Und das steht Beethoven natürlich gut.

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Diese dynamischen Brüche klingen nicht inszeniert, sondern dem natürlichen Fluss der Musik entsprungen. Mitreißend, aufregend, man fühlt sich mittendrin im Geschehen, auch dank der ausdifferenzierten Aufnahmetechnik, die das präzise Gestalten und genaue Phrasieren des Ensembles unterstreicht.

Jeder einzelne Ton trage "zum absoluten Ebenmaß bei", sagt Currentzis im Booklet. Das sei in keiner Beethoven-Sinfonie so gut nachzuempfinden, denn die Siebte sei von höchster "Vollkommenheit", wie ein antiker Tempel, so Currentzis. Der Dirigent geht daher bis an die Grenze des Leistbaren. Es ist beeindruckend, wie warm und intensiv die tiefen Streicher das Allegretto des Zweiten Satzes gestalten und das so leise, dass nur absolute Stille und gute Lautsprecher diesen Genuss offenbaren.

Nur knapp 40 Minuten Spieldauer

Klangkategorien, die Currentzis im Elegischen wie im Furiosen fein ausgestaltet, ja fast exemplarisch nebeneinanderstellt, Klarheit und ein festes Rhythmusgefüge prägen diese Interpretation der Siebten. Einziger Wermutstropfen ist, dass nur knapp 40 Minuten Spieldauer mit dieser Einspielung erreicht sind. Die Aufnahme entstand nach Currentzis' grandiosem Erfolg bei den Salzburger Festspielen 2018, wo er und sein Ensemble MusicAeterna sämtliche Beethoven-Sinfonien aufgeführt hatten. Die Fünfte und die Siebte wurden anschließend innerhalb einer Woche eingespielt, jedoch nicht auf einer CD gemeinsam veröffentlicht - diese beiden Sinfonien nicht jede für sich stehen zu lassen, hätte wohl nicht Currentzis' Sicht auf diese einzigartige Musik entsprochen.

Beethoven: Sinfonie Nr. 7

Label:
Sony Classical

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 25.04.2021 | 15:20 Uhr

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