CD-Cover: Raphaela Gromes - Romantische Cellokonzerte © Sony Classical

CD der Woche: Raphaela Gromes spielt romantische Cellokonzerte

Stand: 09.10.2020 16:22 Uhr

Auf ihrer neuen CD verbindet die Cellistin Raphaela Gromes die Ersteinspielung des dritten Cellokonzerts von Julius Klengel mit dem berühmten Cellokonzert von Robert Schumann und mit einigen Kammermusik-Preziosen, die sie mit ihrem Duo-Partner Julian Riem aufgenommen hat.

von Raliza Nikolov

Julius Klengel ist bisher vor allem Cellisten ein Begriff, sagt Raphaela Gromes. Als Professor in Leipzig hat er viele Lehrwerke für den Unterricht verfasst. Sein "Hymnus" für zwölf Celli ist ein Beispiel, seine berührenden Cellokonzerte ebenfalls - für Gromes eine wunderbare Ergänzung zum berühmten Cellokonzert von Robert Schumann, das sie schon häufig gespielt hat: "Ich finde, dass Julius Klengel eine Sprache hat, die sehr gut zu Schumann passt. Das dritte Cellokonzert ist einfach große spätromantische Sinfonik, hat schwelgerische, weit gespannte Melodien und erinnert von den Harmonien teilweise an Wagner. Aber es hat virtuose Passagen von Mendelssohnscher Leichtigkeit, und letztlich findet Klengel immer seine eigene Sprache. Das finde ich lohnens- und hörenswert und wollte dieses Konzert unbedingt einem großen Publikum präsentieren, weil es so viel Gefühl und Freude transportiert."

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Die Cellistin Raphaela Gromes im Porträt. © imago images / Lumma Foto

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Zwischen Schwermut und Heiterkeit

Klengel geht Raphaela Gromes schwelgerisch an, das hört man schon nach wenigen Takten. Schumann spielt sie vor dem Hintergrund seiner Biographie viel zurückgenommener. Gerade dieser Vergleich ist sehr auffallend und lässt einen nachdenklich zurück, im besten Sinne. In ihrer Schumann-Interpretation spiegelt sich die große Zerrissenheit zwischen Schwermut und gelösten, heiteren Passagen. "Schumann war kein Mensch, der nach außen gebrüllt hat, sondern er war jemand, der sehr viel mit sich gerungen hat, sehr tief empfunden hat", erzählt Gromes. "Und um diesem Stück gerecht zu werden, muss man jede Passage innerlich mitsingen und mitfühlen, aber versuchen, dass man nichts übertreibt."

Diese sehr empfehlenswerte CD wird erst rund mit dem Ausflug in die Kammermusik mit ihrem langjährigen Duo-Partner Julian Riem. Zur Romantik gehört für Raphaela Gromes die Intimität, das Poetische, genauso aber auch die Sehnsucht und die Liebe. Und da fügt sich als feiner Rausschmeißer der Ungarische Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms herrlich ein.

Romantische Cellokonzerte

Label:
Sony Classical

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 11.10.2020 | 15:20 Uhr

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