CD-Cover: Victor Julien-Laferrière - Dvořák / Martinů: Cellokonzerte © Alpha

CD der Woche: Cellokonzerte von Dvořák und Martinů

Stand: 21.05.2021 16:23 Uhr

Die jüngste Veröffentlichung des Cellisten Victor Julien-Laferrière ist zusammen mit den Lütticher Philharmonikern und Gergely Madaras entstanden. Auf der CD sind das h-Moll-Cellokonzert von Antonín Dvořák und das erste Cellokonzert von Bohuslav Martinů zu hören.

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von Raliza Nikolov

Antonín Dvořák muss einen hintersinnigen Humor gehabt haben. Zum Cello sagte er einmal, es sei ein wunderbares Instrument, aber sein Platz sei im Orchester und in der Kammermusik. Als Soloinstrument eigne es sich weniger, das mittlere Register funktioniere gut, aber in der Höhe quieke es, und in der Tiefe? Brummen. Und jemand, der sowas sagt, komponiert ein solches Wunderwerk ausgerechnet für Cello?

Farbenreiches, intensives Spiel

Victor Julien-Laferrière zeigt, dass beileibe nicht nur das mittlere Register gut auf seinem Cello funktioniert. Sehr sanglich ist sein Ton, sein Vibrato schwingt weit aus, und wenn es auch nie hässlich quiekt oder brummt, so ist sein Spiel doch ungemein farbenreich und intensiv.

In diesem Konzert von Dvořák ist natürlich der Cellist der Protagonist, aber er tritt immer wieder in einen Dialog mit dem Orchester. Hier und da lässt Dvořák den Bläsern auch den Vortritt, das ist in dieser Aufnahme mit den Lütticher Philharmonikern und dem sensibel begleitenden Dirigenten Gergely Madaras so geschmeidig gelöst, dass man eine Gänsehaut bekommt.

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Diverse CD-Cover © NDR Online Foto: Christiane Irrgang

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Schöne Verbindung zwischen Dvořák und Martinů

Victor Julien-Laferrière singt nicht nur auf seinem Cello, er hat auch hörbar Freude an den virtuosen Passagen. Dvořák hat dem Cellisten allerdings keine Kadenz gegönnt. Bohuslav Martinů aber öffnet dem Solisten diese Bühne in seinem ersten Cellokonzert.                                 

Es gibt eine schöne Verbindung zwischen beiden Komponisten, über die tschechische Herkunft hinaus: Dvořák war der Lehrer von Josef Suk, und Josef Suk wiederum unterrichtete Martinů. Sein erstes Cellokonzert hat Bohuslav Martinů zwei Mal überarbeitet, er war unzufrieden mit der Balance zwischen Solo und Orchester. Mit der endgültigen Fassung von 1955 haben sich Victor Julien-Laferrière und die Lütticher Philharmoniker für die Version entschieden, mit der auch der Komponist sehr gut leben konnte.

Die Aufnahme musste im September 2020 unter komplizierten Bedingungen stattfinden - von Abstand-Halten ist aber im Ergebnis glücklicherweise nichts zu spüren. Viel mehr von der großen Freude aller, wieder im Philharmonischen Saal in Lüttich spielen zu dürfen.

Dvořák / Martinů: Cellokonzerte

Label:
Alpha Classics

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 23.05.2021 | 15:20 Uhr

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