Stand: 30.10.2017 12:11 Uhr

Fritz Schumacher - Hamburgs moderner Stadtplaner

Viele Neubauten und ein Park fürs Volk

Bauten wie das Tropeninstitut, das Johanneum, die Hochschule für Bildende Künste und das Hamburg Museum stammen aus dieser Zeit. Anfangs kommt es immer wieder zu Kompetenzgerangel mit dem Leiter des Ingenieurwesens, Fritz Sperber. Denn für Städtebau, Infrastruktur und Grünanlagen ist Sperber zuständig, der Neuling Schumacher hingegen verantwortet die Staatsbauten.

Park-Geschichte

1914: Hamburg bekommt einen Park fürs Volk

Nach jahrelangen Querelen eröffnet am 1. Juli 1914 der Hamburger Stadtpark. mehr

Dennoch setzen Schumacher und Sperber ab 1910 ihren gemeinsamen Entwurf für den Hamburger Stadtpark um, der am 1. Juli 1914 als moderner Volkspark eröffnet wird. Als Schumacher die Leitung der neu gegründeten Abteilung für Städtebau übernimmt, will er sein Konzept einer menschenfreundlichen Stadt verwirklichen. Doch im selben Jahr bricht der Erste Weltkrieg aus, der Architekt muss seinen Wehrdienst in der obersten Heeresleitung in Belgien, Rumänien und Polen absolvieren.

Zwischenspiel in Köln

Nach dem Krieg gewinnt Fritz Schumacher 1919 einen städtebaulichen Wettbewerb der Stadt Köln und geht 1920 auf Drängen des Oberbürgermeisters Konrad Adenauer für drei Jahre in die Rheinmetropole. Dort entwickelt er als "Technischer Bürgermeister" einen Generalsiedlungsplan, in dem er langfristige Wachstumsperspektiven für die Stadt aufzeigt.

Schumacher-Bauten - Tradition und Moderne

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Im Hamburg Museum vermischte Schumacher moderne und traditionelle Formensprache - diese Mischung ist typisch für seine Entwürfe.

1924 kehrt Schumacher als Oberbaudirektor nach Hamburg zurück und entwirft zahlreiche bekannte Bauten, die bis heute das Stadtbild prägen, darunter das Finanzgebäude am Gänsemarkt, die Krugkoppelbrücke und etliche Schulen. Typisch für Schumachers Bauten ist die Verbindung von Tradition und Moderne. Weil ihm der Lokalbezug in der Architektur wichtig ist, führt er die in der Hansestadt traditionsreiche Backsteinbauweise fort. Zusätzlich bezieht er farbige Keramik, Ziegelformsteine, Bildhauer- sowie Malereiarbeiten mit ein. So entstehen Bauten eines ganz eigenen Stils und mit einem großen Wiedererkennungswert, die teils an Entwürfe des Neuen Bauens erinnern, zugleich aber auch Elemente der traditionellen Formensprache aufgreifen.

Gartenstädte und Arbeitersiedlungen - neue Wohnformen für Städter

Doch Schumacher entwirft nicht nur einzelne Gebäude, sondern betätigt sich vor allem als Stadtplaner. Er entwickelt ein Konzept zur Alsterkanalisierung und leitet die Planungen für den Bau der Arbeitersiedlungen in der Jarrestadt und in Dulsberg, um der Wohnungsnot entgegenzuwirken. In Langenhorn baut er eine Siedlung als Gartenstadt mit einfachen Reihenhäusern und Gartenflächen für Kleinbürger.

Blick durch Rotklinker-Torbögen

100 Jahre Fritz Schumacher auf dem Dulsberg

Hamburg Journal -

Nach dem Ersten Weltkrieg ließ Oberbaudirektor Fritz Schumacher Siedlungen auf dem Dulsberg bauen, um die Wohnungsnot zu lindern. In Rundgängen kann man das Viertel heute erkunden.

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Von den Nazis entlassen, nach dem Krieg rehabilitiert

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Das Krematoirum auf dem Ohlsdorfer Friedhof - heute Fritz-Schumacher-Halle - ist der letzte Bau, den der Architekt für Hamburg entwirft.

Am 3. Mai 1933, kurz nachdem mit dem Krematorium auf dem Ohlsdorfer Friedhof sein letztes Bauwerk eröffnet worden ist, zwangspensionieren die Nationalsozialisten den erfolgreichen Stadtplaner. Was zu seiner Entlassung führte, ist bis heute nicht einwandfrei geklärt. In einem Brief an seinen Bruder Hermann schildert er, dass man ihn "heillos behandelt" und dazu habe bringen wollen, selbst zu kündigen. Seinen Amtsnachfolger, den Stadtbaurat Karl Koester, setzt Schumacher jedoch noch persönlich durch.

Von nun an reist Schumacher viel und widmet sich der Schriftstellerei. In dieser Zeit erscheinen die meisten seiner Bücher. Viele sind architekturtheoretischen Inhalts, aber auch kulturelle und literarische Themen greift Schumacher, der bereits in jungen Jahren auch Theaterstücke schrieb und inszenierte, auf.

Die massive Zerstörung Hamburgs durch die Bombenangriffe im Sommer 1943 , der auch viele seiner Bauten zum Opfer fallen, trifft Schumacher bis ins Mark. In einer leidenschaftlichen Rede im Hamburger Rathaus setzt er sich 1945 vehement für den Wiederaufbau der Hansestadt ein und fungiert danach als Ratgeber. Immer wieder suchen auch Planer aus anderen Städten den Rat des Backsteinmeisters von der Elbe. Er stirbt am 5. November 1947.

Schumachers städteplanerische Überzeugungen sind bis heute aktuell, das belegt auch ein Zitat aus seinem 1947 erschienenen "Lesebuch für Baumeister": "Nur wenn wir lernen, die Stadt als Gemeingut zu betrachten und zu behandeln, können wir künstlerisch und sozial die Probleme zu lösen beginnen, die sie uns stellt."

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

Rund um den Michel | 15.06.2014 | 18:00 Uhr

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