Stand: 03.03.2009 12:00 Uhr

Otto Hahn - Entdecker der Uranspaltung

"Er verstand es, mit einfachsten Hilfsmitteln an die schwierigsten Probleme heranzugehen, geleitet von seiner ungewöhnlichen intuitiven Begabung und seinen ebenso ungewöhnlichen, vielseitigen chemischen Kenntnissen."
(Die Physikerin Lise Meitner in ihren Erinnerungen an Otto Hahn, mit dem sie viele Jahre lang zusammengearbeitet hat.)

Erste Experimente in der elterlichen Waschküche

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Otto Hahn, 1957.

Otto Hahn wird am 8. März 1879 als Sohn eines Geschäftsmannes in Frankfurt am Main geboren. Auch Kindheit und Jugend verbringt er dort. Auf Wunsch des Vaters soll er Architekt werden, doch er experimentiert schon als Kind in der Waschküche des elterlichen Hauses. "Der Unterricht in Chemie war zum 'Schlafen langweilig' und doch interessierte ich mich zunehmend gerade für dieses Fach. Schon in der Zeit der Untersekunda hatte ich mit einem meiner Kameraden in der Waschküche meiner Mutter Versuche durchgeführt", schreibt er 1969 seiner Autobiografie "Mein Leben".

1897 legt er sein Abitur ab. Sein Abschlusszeugnis "zeigt drei volle Einsen, aber nicht in Chemie, Mathematik oder Französisch, sondern in Turnen, Singen und Religion", so Hahn. Er entschließt sich dennoch, Chemie zu studieren und beginnt das Studium noch im gleichen Jahr in Marburg. Bereits im Sommer 1901 absolviert er sein Doktorexamen und geht 1901 als Einjährig-Freiwilliger zum 81. Infanterieregiment nach Frankfurt. Schon während dieser Zeit wird ihm eine Vorlesungsassistenz am Chemischen Institut in Marburg angeboten.

Von der organischen zur Radiochemie

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Arbeitstisch von Otto Hahn, an dem er 1938 die Kernspaltung entdeckte.

Gegen Ende seiner Zeit am Chemischen Institut in Marburg sucht der damalige Direktor der Chemischen Werke Kalle & Co in Biebrich einen Chemiker. Unter der Voraussetzung, dass er seine englischen Sprachkenntnisse verbessert, erhält Hahn die Zusage für die Stelle als Industriechemiker. So macht er sich 1904 auf nach London und beschäftigt sich dort am University College bei Sir William Ramsey mit der Radiochemie. Seine Entdeckung einer neuen radioaktiven Substanz, Radiothor, ist Anlass für seinen Wandel vom organischen Chemiker zum Kernchemiker.

Durchbruch in Kanada

Ein Aufenthalt in Montreal (Kanada) folgt 1905. Am Physikalischen Institut der Mc. Gill University entdeckt er das Radioactinium und macht gemeinsam mit Ernest Rutherford - dem damals besten Kenner und erfolgreichsten Forscher der Radioaktivität - Untersuchungen über Alphastrahlen von Radiothor und Radioactinium. Die entdeckten Elemente sind in der Lage, das teure Radium zu ersetzen und können in der Medizin verwendet werden. Von da an ist Hahns Weg in die Forschung endgültig vorgezeichnet.

1906 habilitiert er sich für das Fach Chemie und wird 1911 Mitglied der neu gegründeten Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft am Institut für Chemie in Berlin-Dahlem. 1913 heiratet Otto Hahn. Mit seiner Frau Edith bekommt er einen Sohn. Hanno bleibt das einzige Kind des Paares.

Zusammenarbeit mit Lise Meitner

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Lise Meitner und Otto Hahn im Labor des Kaiser-Wilhelm-Instituts in Berlin, 1925.

Dem Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie steht er zwischen 1928 und 1945 auch als Direktor vor. Hahn arbeitet dort 30 Jahre lang mit der österreichischen Wissenschaftlerin Lise Meitner zusammen, bis diese als Jüdin 1938 Deutschland verlassen muss. Zeitlebens bleiben Lise Meitner und Otto Hahn wissenschaftlich und freundschaftlich verbunden.

Auf dem Weg zur Atombombe

Im Dezember 1938 gelingt Hahn zusammen mit Fritz Straßmann die Spaltung des Urankerns durch Neutronen. Bei dem Versuch werden bis dahin nicht vorstellbare Mengen von Energie freigesetzt. Überall in der Welt werden Versuche angestellt, die die gefundenen Ergebnisse bestätigten.

Hintergrund

Die Entdeckung der Kernspaltung

1939 erschien in der Zeitschrift "Naturwissenschaft" der Bericht von Otto Hahn und Fritz Straßmann über die erste erfolgreiche Kernspaltung. Der Beginn des Atomzeitalters. mehr

In Deutschland wird die Entdeckung jedoch nicht, wie man besonders in den USA annimmt, für die Entwicklung neuartiger Waffensysteme benutzt. In einem englischen Internierungslager erfährt Otto Hahn 1945 vom Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki und ist tief bestürzt, hat er doch mit seiner Forschung die Voraussetzungen für diese Katastrophe geschaffen.

Im Internierungslager erfährt Otto Hahn auch, dass ihm der Chemie-Nobelpreis 1944 verliehen wurde. Erst 1946 kann er die Auszeichnung entgegennehmen.

Präsident der neu gegründeten Max-Planck-Gesellschaft

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Otto Hahn (Mitte re.) und der niedersächsische Kultusminister Adolf Grimme (Mitte li.) bei der Gründung der Max-Planck-Gesellschaft 1948.

Noch in England erreicht den Wissenschaftler die Bitte des damals 88-jährigen Max Planck, die Präsidentschaft der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zu übernehmen und die verbliebenen Reste der Wissenschafts-Gesellschaft neu zu organisieren. So entsteht im Februar 1948 unter der Präsidentschaft von Otto Hahn die Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften.

"Ehrfurcht vor dem Menschenleben"

Hahn warnt immer wieder vor den Gefahren der Atombombe, setzt sich dafür ein, dass Wissenschaft und Forschung dem Wohle der Menschheit dienen und nicht gegen sie verwendet werden sollen: "Wir müssen wieder Ehrfurcht vor dem Menschenleben haben! Es kann nicht der Sinn einer Weltordnung sein, das, was eine jahrtausendelange Entwicklung dem Menschen in die Hand gegeben hat, dazu zu verwenden, den Menschen selbst zu vernichten".

Als Bundeskanzler Adenauer 1957 Atomwaffen als eine "Weiterentwicklung der Artillerie" bezeichnet und sich damit für eine atomare Aufrüstung der Bundesrepublik ausspricht, ruft das die Wissenschaftler auf den Plan. Zusammen mit 17 Kollegen - darunter Werner Heisenberg und Carl Friedrich von Weizsäcker - formuliert Hahn eine Erklärung, die als "Göttinger Appell" in die Geschichte eingeht. Darin weisen sie deutlich auf die Gefahren von Atomwaffen hin und lehnem es ab, sich an ihrer Herstellung und Erprobung zu beteiligen.

Otto Hahn stirbt am 28. Juli 1968 in Göttingen.

Weitere Informationen
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NDR Info

Lise Meitner: Pionierin der Atomphysik

27.10.2013 19:05 Uhr
NDR Info

Am 27. Oktober 1968 starb die Physikerin Lise Meitner. Zusammen mit Otto Hahn hatte sie an der Erforschung der Kernspaltung gearbeitet, bis sie 1938 flüchten musste. Audio (15:01 min)

"Kampf dem Atomtod!"

Mit dem "Göttinger Appell" protestieren Wissenschaftler 1957 gegen Adenauers Pläne zur atomaren Bewaffnung. Ihr Manifest wird zur Grundlage für die Kampagne "Kampf dem Atomtod". mehr

Der kurze Traum vom Atomschiff

In Geesthacht geht 1958 der größte deutsche Atomreaktor in Betrieb. Er soll in ein Schiff eingebaut werden. Doch die Hoffnung, die Schifffahrt zu revolutionieren, erfüllt sich nicht. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | ZeitZeichen | 27.10.2013 | 19:05 Uhr

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