Stand: 09.10.2015 11:17 Uhr

Lessing - Dichter der Aufklärung

von Britta Probol
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Perfektionist, Querdenker, Theatererneuerer: Gotthold Ephraim Lessing ist für die literarische Welt unsterblich.

Kaum einer hat die Entwicklung von Literatur und Theater in Deutschland so nachhaltig beeinflusst wie Gotthold Ephraim Lessing (1729 bis 1781). Er schrieb hierzulande die ersten Literaturkritiken und kämpfte mit spitzer Feder für ein freies Theater, das nicht mehr das Leben bei Hofe, sondern den Alltag der Bürger thematisiert. Sein Eintreten für Freiheit und Toleranz - auch in Glaubensfragen - machten ihn zum führenden Vertreter der deutschen Aufklärung.

Als Kind schon ein Querdenker

Das Streben nach Wahrheit und Deutlichkeit war eines seiner Lebensthemen. Sein zweites war der stetige Kampf um ein Auskommen. Lessings Elternhaus war nicht wohlhabend, aber solide und bildungsbeflissen. Geboren am 22. Januar 1729 in Kamenz (Oberlausitz) wächst Lessing als drittes von zwölf Kindern einer evangelischen Pfarrersfamilie auf. Dem Vater gelingt es, ein Stipendium für die Fürstenschule St. Afra im 50 Kilometer entfernten Meißen zu erwirken, 1741 besteht Lessing dort mit Bravour die strenge Aufnahmeprüfung. Schon in dieser Lehranstalt fällt der Schüler auf: Er denkt quer, fragt nach, lässt sich nicht reinreden.

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In Leipzig studiert Lessing Theologie.

Den umfangreichen Stoff - darunter Religion, Latein, Griechisch, Französisch, Mathematik und Rhetorik - saugt er wie ein Schwamm auf. 1746 schreibt der Rektor an Lessings Vater: "Er ist ein Pferd, das doppeltes Futter haben muß. Die Lectiones, die andern zu schwer werden, sind ihm kinderleicht. Wir können ihn fast nicht mehr brauchen." Lessing bekommt ein halbes Schuljahr erlassen und beginnt in Leipzig auf Wunsch des Vaters ein Theologiestudium.

Student auf Abwegen

Doch zum Theologen fehlen ihm, wie sein Bruder es ausdrückte, "Sprache, Körper und Denkart". Statt im Hörsaal trifft man den 19-Jährigen oft in geselliger Runde mit Kommilitonen und Schauspielern. Für eine Schauspielcompagnie übersetzt er französische Stücke gegen Freikarten. Nebenbei verfasst er sein erstes Lustspiel "Der junge Gelehrte", das die Truppe 1748 aufführt.

Die Familie ist von seinem Lebenswandel entsetzt, sie beordert ihn zur Standpauke nach Hause. Lessing aber ist klar: Er hat seine Berufung gefunden.

Inspiriert von der Berliner Aufklärung

Mit einigen Pausen und Umwegen bringt er sein Studium zu Ende, verlässt die Alma Mater 1752 als Magister der Sieben Freien Künste. Da ist er auch schon als freier Schriftsteller etabliert. Denn weil er mit seinem Stipendium für einige mittellose Schauspieler gebürgt hatte, die sich aus dem Staub machten, musste er eine Arbeit annehmen. Er verdingt sich bei einer Berliner Zeitung als Feuilleton-Redakteur, sein witzig-ironischer Stil gefällt. Übersetzungsaufträge kommen hinzu.

Berlin ist Mitte des 18. Jahrhunderts dank der religiösen Toleranz von Preußenkönig Friedrich dem Großen ein Zentrum der Aufklärung. Lessing taucht ein in die philosophisch-literarischen Kreise, im "Montagsklub" debattiert er rege mit. Der jüdische Philosoph Moses Mendelssohn (1729 bis 1786) wird sein lebenslanger Freund und Diskussionspartner, etwas später komplettiert der Verleger und Kritiker Friedrich Nicolai (1733 bis 1811) das Kleeblatt.

Unerhört neuartige Kritiken

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Lessings Zeit in Breslau trägt maßgeblich zur Komödie "Minna von Barnhelm" bei.

Ab 1759 geben die drei wöchentlich die "Briefe, die neuste Litteratur betreffend" heraus - Rezensionen der aktuellen Belletristik-Veröffentlichungen. Sie sind geschrieben im Dialogstil an einen fiktiven verwundeten Offizier des Siebenjährigen Krieges. Die Kritiken stecken voll Scharfsinn und Spott. Mit ihrer treffsicheren Polemik regen sie zum Selbstdenken an.

Lessing ist mittlerweile 30 und muss feststellen, dass ein Literat sich einen annehmlichen Lebenswandel nur leisten kann, wenn er ein festes Grundeinkommen bezieht. Obwohl es ihm widerstrebt, sich "zum Sklaven zu machen", fängt er in Breslau als Sekretär beim preußischen Kriegsgeneral Tauentzien an - für ihn immerhin eine Gelegenheit, "mehr unter Menschen als unter Büchern zu leben". Aus den Breslauer Jahren gewinnt er den Stoff für "Minna von Barnhelm", die erste klassische deutsche Komödie.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 18.11.2014 | 19:05 Uhr

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