Stand: 23.01.2014 16:38 Uhr

Vom "Bleigewicht" zur Bildungshochburg: Uni Hamburg

von Carina Werner

"Als ich 1909 nach Hamburg kam, musste man in den meisten Kreisen sehr vorsichtig von einer Universität sprechen; sehr einflussreiche Leute sahen in ihr nicht nur etwas Überflüssiges, sondern ein Bleigewicht für die wirtschaftliche Stoßkraft Hamburgs, das alle seine Mittel dem Hafen zuwenden sollte", schreibt der Stadtplaner Fritz Schumacher in seinen Memoiren. Die Einrichtung einer Universität polarisiert im frühen 20. Jahrhundert ganz Hamburg. Doch schließlich können sich die Befürworter durchsetzen: Am 10. Mai 1919 wird die "Hamburgische Universität" gegründet.

Eine belebte Vorgeschichte

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Im Vergleich zu traditionsreichen Hochschulen wie in Rostock oder Göttingen ist die Hamburger Universität jung.

Die Hamburger Universität ist jung und alt zugleich: jung, weil sie erst 1919 offiziell gegründet wird - Jahrhunderte später als die altehrwürdigen Hochschulen in Heidelberg oder Rostock; alt, weil sie trotzdem auf eine lange und lebhafte Wissenschaftsgeschichte zurückblicken kann. Denn ihre Wurzeln reichen mindestens bis ins Jahr 1613 zurück. In diesem Jahr wird in Hamburg das "Akademische Gymnasium" gegründet. Es soll als Zwischenstufe zwischen Schule und Universität dienen. Dort können die Söhne der Hansestadt in zwei Semestern allgemeinbildende Vorlesungen besuchen, ehe sie an einer auswärtigen Universität ein Spezialstudium aufnehmen.

Doch das Akademische Gymnasium welkt mit der Zeit vor sich hin: 1883 wird es wieder geschlossen, aus Mangel an Besuchern. Das Zentrum der Wissenschaft hat sich in Hamburg ohnehin verlagert - auf das "Allgemeine Vorlesungswesen zur Weiterbildung und Verbreitung der Wissenschaft". Als Lehrkörper dienen die zahlreichen Gastdozenten und Direktoren der wissenschaftlichen Einrichtungen. Davon gibt es in der Hansestadt viele, etwa den Botanischen Garten, die Sternwarte oder das Chemische Staatslaboratorium. Das "Allgemeine Vorlesungswesen" bietet neben öffentlichen Vorlesungen für Laien auch Fortbildungsangebote für einzelne Berufsgruppen, etwa für Ärzte und Kaufleute. Der Kaufmann und Reeder Edmund Siemers stiftet das Vorlesungsgebäude, das 1911 eingeweiht wird. Heute dient das Gebäude als Sitz der Universitätsverwaltung.

Anfang des 20. Jahrhunderts kommen zwei weitere wichtige Institutionen hinzu: 1907 wird die Hamburgische Wissenschaftliche Stiftung gegründet, die sich um die Anwerbung von Gelehrten und um wissenschaftliche Publikationen kümmert. 1908 wird das Kolonialinstitut ins Leben gerufen, das der Ausbildung von Kolonialbeamten dient. Obwohl es in Hamburg keine einheitliche, zentral geleitete Hochschule gibt, übersteigen die Hamburger Forschungs- und Bildungseinrichtungen im frühen 20. Jahrhundert die Ausstattung sämtlicher preußischer Universitäten - mit Ausnahme von Berlin - sowohl im Differenzierungsgrad also auch im Finanzvolumen.

Heiße Debatten

Wie aber kommt es zur Gründung einer "richtigen" Universität? Bereits im 19. Jahrhundert werden in der Hamburger Bürgerschaft vereinzelt Stimmen laut, die die Gründung einer Universität fordern. Zu den lautesten Stimmen gehört die von Werner von Melle: zunächst Senatssyndikus, ist er ab 1900 Senator und ab 1915 der Erste Bürgermeister der Stadt. Hartnäckig verfolgt er das Ziel, die bestehenden wissenschaftlichen Institutionen zu einer Universität zu verschmelzen.

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1913 stimmt die Bürgerschaft noch gegen den Aufbau einer Universität.

Doch der Plan scheitert zunächst an der Hamburger Bürgerschaft. 1913 wird der Antrag für eine Universität mit 80 zu 73 Stimmen abgelehnt. Viele wollen Hamburg auf seine Rolle als Handelsmetropole beschränkt wissen. Ressentiments gegen eine Universität sind nicht nur in der Kaufmannschaft verbreitet, sondern auch unter Angehörigen des Bildungsbürgertums. Selbst einige Professoren der bestehenden wissenschaftlichen Einrichtungen lehnen die Gründungspläne ab. Auch die Sozialdemokraten äußern sich zunächst skeptisch. Sie wollen einer Universität nur zustimmen, wenn diese einer breiteren Schicht zugänglich wird und dort auch Volksschullehrer ausgebildet werden.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 27.04.2014 | 19:30 Uhr

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