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Vom Krankenhaus zum Medizinviertel: Das UKE

Stand: 14.09.2021 09:40 Uhr

Am 17. Mai 1889 wird das Krankenhaus Hamburg-Eppendorf auf einem Parkgelände am Stadtrand feierlich eingeweiht, zwei Tage später nimmt die Klinik ihren Betrieb auf. Heute ist die Uniklinik ein hoch spezialisiertes Großunternehmen.

von Janine Kühl

Nicht einfach nur ein Krankenhaus, sondern fast ein eigenständiger kleiner Stadtteil: Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) besteht aus mehr als 80 Kliniken und Instituten. Immer wieder kommen neue hinzu, wie etwa das Universitäre Herzzentrum (UHZ), die Kopfschmerzambulanz oder das Centrum für seltene Erkrankungen. Von einer solchen Spezialisierung ist man Mitte des 19. Jahrhunderts weit entfernt. Ein einziges Krankenhaus gibt es damals in Hamburg: das Allgemeine Krankenhaus St. Georg. Ab den 1870er-Jahren ist es aufgrund des Bevölkerungswachstums und grassierender Seuchen hoffnungslos überfüllt. Heinrich Curschmann, vom Senat berufener ärztlicher Direktor der Hansestadt, setzt sich für den Bau eines neuen Krankenhauses ein.

UKE: Krankenhaus-Neubau im Pavillonstil

Nach Curschmanns Vorstellungen wird das neue Krankenhaus im so genannten Pavillonstil gebaut - auf dem vom Senat günstig erworbenen Areal am Stadtrand in Eppendorf. Hier errichtet man 55 Pavillons auf dem parkähnlichen Gelände. Die räumliche Trennung der Kranken soll verhindern, dass Krankheiten durch die Luft übertragen werden. Die bauliche Anlage des Eppendorfer Krankenhauses wirkt weltweit als Vorbild für Neubauten. Am 19. Mai 1889 ist es soweit: Das Neue Allgemeine Krankenhaus mit 1.340 Betten nimmt den Betrieb auf.

VIDEO: Hamburg damals: 125 Jahre UKE (4 Min)

Pflege: Vom Wärter zur Schwester

Während der Choleraepidemie von 1892 zeigt sich, dass gelerntes Personal die Pflege deutlich besser gewährleisten kann als die bislang eingesetzten angelernten Wärter. Um die Jahrhundertwende eröffnet die Schwesternschule auf dem Gelände des UKE. In diese Zeit fällt auch die Entstehung erster Spezialabteilungen, wie die für Entbindungen und Frauenheilkunde, für Hautkranke sowie für Hals-Nasen-Ohren-Kranke.

Röntgenstrahlung bringt den Durchblick

Einen Meilenstein der Medizingeschichte stellt die Nutzung der Röntgenstrahlung dar, die UKE-Ärzte 1896 erstmals nutzen. Auch auf dem Gebiet der Hygiene und Wasserversorgung setzt das Eppendorfer Krankenhaus neue Maßstäbe. Nach den Erfahrungen mit der großen Choleraepidemie verbessern ein Sielgrubenhaus und eine Desinfektionsanstalt die Sauberkeit des Wassers. Ab 1908 versorgt ein eigener Tiefbrunnen das Krankenhaus mit Trinkwasser.

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Blick auf die Backsteinfassade des alten Verwaltungsgebäudes des UKE. © UKE

Das UKE gestern und heute

Medizinischer und technischer Fortschritt, bauliche Veränderungen und neueste Erkenntnisse in Lehre und Forschung: Seit 1889 ist das UKE ständig in Bewegung. Bildergalerie

Von der drohenden Schließung zur Uniklinik

Schnell konzentrieren sich die Eppendorfer Direktoren neben der Patientenversorgung auf die Forschung. Als 1919 die Universität Hamburg gegründet wird, werden zahlreiche Ärzte des UKE als Professoren berufen. Doch auf den Titel Universitäts-Krankenhaus muss die Klinik bis 1934 warten. Mitte der 1920er-Jahre droht sogar die Schließung zugunsten eines Neubaus in Hamm/Horn. Schließlich wird das bestehende Krankenhaus aber erweitert und modernisiert sowie mit einem Hörsaal ausgestattet.

NS-Zeit: Rassenideologie und Zerstörung

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 zieht tiefgreifende Veränderungen für das UKE mit sich. Aus politischen und rassistischen Gründen muss das Krankenhaus Lehrende und Mitarbeiter entlassen, jüdische Patienten dürfen nicht mehr aufgenommen werden, jüdische Studenten werden von den Lehrveranstaltungen ausgeschlossen. Außerdem beteiligen sich Eppendorfer Ärzte aktiv an der Umsetzung der nationalsozialistischen Ideologie. Zwangssterilisationen gehören zum Klinikalltag, psychisch Kranke werden in der neu gegründeten Psychiatrischen- und Nervenklinik untergebracht. Diejenigen, die als nicht behandlungsfähig eingestuft werden, leitet das UKE an die Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn weiter. Ein Weg, der oft weiter in Konzentrationslager und in den Tod führt.

Zerstörung und Wiederaufbau

Im Zweiten Weltkrieg ist auch das UKE Ziel der Bombenangriffe. Dank zahlreicher Bunker auf dem Gelände bleibt die Zahl der Opfer gering, doch ein Drittel der Gebäude fallen den Bomben zum Opfer. Daher müssen bis nach Kriegsende Patienten auch in Bunkern und Kellern untergebracht werden. Wasser und Strom sind ebenso Mangelware wie Personal. Es erfolgt der Wieder- und Neuaufbau. Der Pavillonstil ist Geschichte, zentrale, miteinander verbundene Gebäude ermöglichen kurze Wege und eine bessere Zusammenarbeit der Abteilungen.

Das UKE heute: Großunternehmen mit Medizin, Forschung und Lehre

Blick in einen Raum der Intensivstation der neuen Kinderklinik des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). © picture-alliance/dpa Foto: Christian Charisius
Seit 2017 hat das UKE eine eigene Kinderklinik, in der alle Disziplinen der Kindermedizin unter einem Dach gebündelt sind.

Heute ist das UKE ein riesiges Unternehmen mit diversen Spezialkliniken, das rund 14.100 Mitarbeitende beschäftigt. Das 2008 fertiggestellte Neue Klinikum bietet auf einer Fläche von zwölf Fußballfeldern modernste Operationssäle, Ambulanzen, verschiedenste Stationen und eine der größten Notaufnahmen Norddeutschlands. 2017 wurde nach drei Jahren Bauzeit und 70 Millionen Euro Investition die neue Kinderklinik des UKE eröffnet. Alle Disziplinen der Kindermedizin finden sich laut UKE nun unter einem Dach. Modernste medizinische Technik sei gepaart mit liebevoll gestalteten Räumen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Hamburger Kliniken ist das UKE eine öffentliche Einrichtung. Das Kuratorium ist dafür verantwortlich, die staatlichen Zuweisungen des Hamburger Senats sinnvoll einzusetzen und rund 450.000 Patienten wie im Jahr 2020 optimal zu versorgen.

Weitere Fördergelder für das Universitätsklinikum mit rund 3.400 Studierenden kommen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), von der EU sowie von privaten Spendern. Einige UKE-Kliniken wie die Martini-Klinik für Prostatabehandlungen oder das Herzzentrum sind hingegen privatwirtschaftlich organisiert.

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