Stand: 17.07.2014 14:23 Uhr  | Archiv

Gescheiterter Tyrannenmord - der 20. Juli 1944

von Bert Lingnau

Das Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 gilt als der bedeutendste Versuch, das Nazi-Regime zu stürzen. Bei der Vorbereitung und Durchführung waren auch vier Männer aus Mecklenburg beteiligt: Hans-Ulrich von Oertzen, Ulrich-Wilhelm Graf von Schwerin von Schwanenfeld, Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg und Adolf Friedrich Graf von Schack. So unterschiedlich ihre Biografien und ihre Motive waren, in einem Punkt stimmten sie überein: Sie wollten Hitlers Tod.

Werdegänge und Beweggründe

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Ulrich-Wilhelm Graf von Schwerin von Schwanenfeld wurde am 8. September 1944 hingerichtet.

Ulrich-Wilhelm Graf von Schwerin von Schwanenfeld wird 1902 als Diplomatenkind geboren. Er verbringt einen Großteil seiner Kindheit im Ausland, lernt mehrere Sprachen. "Ich würde sagen, dass es eine ausgesprochen christliche und international ausgerichtete Erziehung war", erzählt sein Sohn Wilhelm. "Und diese internationalen Erlebnisse haben ihn in seinem späteren Leben beeinflusst." 1926 erbt Schwerin von Schwanenfeld die landwirtschaftlichen Güter in Göhren bei Woldegk. Er wird Mitglied der NSDAP, allerdings aus rein pragmatischen Gründen. Die Skrupellosigkeit des Nationalsozialismus erkennt er schon früh.

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Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg brach nach dem Russland-Feldzug mit dem NS-Regime.

Im Hause der Schulenburgs in Tressow bei Wismar dagegen dominiert eine deutschnationale, konservative Geisteshaltung. Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg, 1902 geboren, studiert Jura in Göttingen und Marburg. 1932 tritt er begeistert in die NSDAP ein. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs ist Schulenburg als Regierungspräsident in Breslau an Deportationen von Polen und Juden beteiligt. Erst nach dem Russland-Feldzug 1941, wo er Massaker der SS mit ansieht, bricht er mit dem NS-Regime. Fortan fungiert er als Vermittler zwischen verschiedenen Kreisen des Widerstands. "Er bewegte sich in der konservativen, adligen Umgebung, hatte aber auch Zugang zu Menschen, die bei den Sozialdemokraten oder im linken Spektrum angesiedelt waren", weiß sein Enkel Robert von Steinau-Steinrück.

Auch Adolf Friedrich Graf von Schack, Jahrgang 1888, wird konservativ erzogen. Er nimmt am Ersten Weltkrieg teil und bewirtschaftet ab 1923 das Familiengut in Zülow südwestlich von Schwerin. Schacks Werte orientieren sich an Monarchie, Adel und Militär. 1936 tritt er in die NSDAP ein. Dennoch lehnt er den aufkommenden Nationalsozialismus ab, erinnert sich sein Sohn Adolf Friedrich: "Mein Vater hat uns zwar zum Jungvolk geschickt, weil das üblich war. Aber sonst ... wir hatten eher den Eindruck, dass zu Hause über gewisse Leute aus der Führung der NSDAP kritisch geredet wurde, und dass man sie belächelte."

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Hans-Ulrich von Oertzen war an der Ausarbeitung des Umsturzplanes "Walküre" beteiligt.

Die Familie von Hans-Ulrich von Oertzen besitzt ein Gut im mecklenburgischen Rattey östlich von Neubrandenburg. Von Oertzen, 1944 gerade 29 Jahre alt, arbeitet zusammen mit Stauffenberg den Umsturzplan "Walküre" aus. Seine Frau Ingrid weiß lediglich, dass ihr Mann "irgendetwas gegen die Regierung machte" - doch Näheres erfährt sie nicht. Zum Glück: "Nachher bei den Verhören war das natürlich sehr nützlich", sagt sie.

Auch die Kinder von Adolf Friedrich Graf von Schack erfahren nichts von der Tätigkeit ihres Vaters, ebenso wenig der Sohn von Ulrich-Wilhelm Graf von Schwerin von Schwanenfeld. Wilhelm ist 1944 fünfzehn Jahre alt. Die Familie wird damals bereits mit Wanzen überwacht. "Im Arbeitszimmer meines Vaters durften wir uns nie unterhalten, wenn nicht die Kaffeemütze über dem Telefon war", erzählt er.

Die Frau von Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg ist in die Pläne ihres Mannes eingeweiht. Am 20. Juli hat sie Geburtstag und feiert in großer Runde. "Sie durfte sich die ganze Zeit natürlich nichts anmerken lassen", weiß ihr Enkel Robert von Steinau-Steinrück aus Erzählungen. "Am späten Nachmittag lief eine Angestellte in die Geburtstagsgesellschaft und rief, es habe ein Attentat auf den Führer gegeben. Und meine Großmutter musste nach außen natürlich so tun, als ob sie bestürzt darüber sei."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.07.2004 | 20:15 Uhr

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