Stand: 22.09.2008 10:36 Uhr  | Archiv

Ist Musikkultur lenkbar?

von Christin Nax

Trotz der Trennung zwischen Ost- und Westdeutschland entwickelt sich ab den 60er-Jahren ein grenzübergreifender musikalischer Austausch zwischen den Ländern. Das Eindringen von "westlichem Gedankengut" empfindet die SED-Regierung als Gefahr. Bald tragen Jugendliche in der DDR lange Haare und hören die Beatles. Die Staatsmacht verliert zunehmend die Kontrolle über die musikalische Subkultur und es entstehen politische Widersprüche. Kurze Zeit später nutzt die SED-Führung westliche Musik als Propagandamittel.

Kulturpolitik der DDR

Die Staatsführung verlangt von Künstlern, dass sie sich an marxistisch-leninistischen Ideen orientieren. "Freie Kunst" ohne autoritäre Aufsicht ist aus der Perspektive der SED-Regierung eine Illusion. Westliche Musik sei ein Instrument, um imperialistisches Gedankengut in sozialistische Länder zu bringen. Dennoch erweist es sich als schwierig, eine solche Politik dauerhaft auf die künstlerischen Bereiche zu übertragen. Die DDR-Politik kann die Unterhaltungsmusik nicht vollständig von internationalen Trends absondern und nutzt schließlich die westliche Musik, um sie nach sozialistischen Normen zu verändern.

Beat- und Rockmusik vom Staat gelenkt

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Beatmusik wie die der Beatles ist auch in der DDR beliebt, doch die SED versucht das zu unterbinden.

Anfang der 60er-Jahre entwickelt sich die sogenannte Beatmusik, eine Variante der Rockmusik, welche der Staatschef Walter Ulbricht zunächst unterstützt. Am 15. September 1965 ändert sich seine Haltung nach einem Rolling Stones-Konzert auf der Westberliner Waldbühne. Fans aus der Bundesrepublik zerstören diese nach dem Auftritt. Daraufhin verbietet die SED-Regierung zahlreiche Beat-Gruppen in der DDR, da jene Musikrichtung anscheinend Aggressionen hervorrufe. Kurz darauf demonstrieren jugendliche Beat-Anhänger gegen die Sanktionen der SED-Führung in Leipzig. Die Volkspolizei beendet den Protest gewaltsam mit Schlagstöcken und Wasserwerfern. Die Beamten nehmen 267 Jugendliche fest und bringen 113 Demonstranten zur "Umerziehung" in einen Braunkohletagebau.

Am Ende der 60er-Jahre entwickelt sich in der DDR die Rockmusik. Vorbilder für ostdeutsche Bands sind englische Künstler, unter anderem "Uriah Heep", "Deep Purple" und "Led Zeppelin". Nach der Ära von Walter Ulbricht wird Erich Honecker 1971 Regierungschef der DDR. Er fördert die aufkommende Musikrichtung und kontrolliert sie gleichzeitig durch zahlreiche Institutionen, beispielsweise durch das Komitee für Unterhaltungskunst.

Politische Konzerte

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Petra Zieger 1987 bei "Rock für den Frieden".

Ab 1970 organisiert die FDJ unter dem Titel "Festival des politischen Liedes" große Veranstaltungen, um die Jugendbewegung politisch zu beeinflussen und zu kontrollieren. Ab 1982 singen jährlich Künstler auf dem Konzert "Rock für den Frieden" im Berliner "Palast der Republik". Die Regierung plant und prüft auch diese Veranstaltung. Und doch steigt innerhalb der Musikbranche der DDR die "Kapitalisierung". Es entstehen beispielsweise Privatstudios, die DDR-Rockmusik produzieren. Die SED-Führung verliert zunehmend an Einfluss auf die Musikszene.

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