Stand: 03.09.2018 10:44 Uhr

Porträt des prägenden MV-Politikers Ringstorff

Von der Werft in die Staatskanzlei - Harald Ringstorff
von Christoph Wunnicke
Vorgestellt von Axel Seitz

In der Geschichte des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern übte kein Politiker länger das Amt des Ministerpräsidenten aus als Harald Ringstorff. Zehn Jahre lang - von 1998 bis 2008 - war der Mecklenburger Regierungschef. Insgesamt prägte Harald Ringstorff wie kaum ein anderer die Politik im Nordosten - mehr als zwei Jahrzehnte. Jetzt ist ein Buch erschienen, das sich dem Menschen und Politiker Harald Ringstorff nähert und zugleich einen politischer Abriss der jüngeren Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns darstellt.

Machtpolitiker, Mecklenburger Sturkopf, Plattsnacker: Das alles war Harald Ringstorff in seiner Zeit als Politiker in MV. Er selbst beschrieb sich einmal so: "Wenn ein' von mi seggt, ick wier'n ollen Voss, ick würd mi nich grad doroewer argern" - auf Hochdeutsch: "Wenn einer von mir sagt, ich wäre ein alter Fuchs, ich würde mich nicht darüber ärgern."

Biografie von Harald Ringstorff vorgestellt.

Biografie über Harald Ringstorff vorgestellt

Nordmagazin -

Der Historiker Christoph Wunnicke hat Harald Ringstorff porträtiert. Zur Vorstellung seiner Biografie kam der frühere Ministerpräsident von MV persönlich ins Schweriner Schloss.

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Gemeinsame Autofahrt nach langem Gespräch

Auf diesen alten Fuchs traf Buchautor und Historiker Christoph Wunnicke das erste Mal persönlich 2014 bei einer Veranstaltung. Anschließend fuhren beide gemeinsam im Auto nach Hause: "Dort habe ich viel erlebt, was mir Zeitzeugen später in Interviews erzählten. Meine Frau musste einmal anhalten, weil er unbedingt einen Adlerhorst sehen wollte, von dem er wusste, dass er besetzt ist. Er wollte auf Eigenarten der Flora und Fauna ringsherum auf dem Weg hinweisen. In dieser einstündigen Autofahrt habe ich viel erlebt, was andere mir bestätigten, was sie über zehn, zwanzig Jahren mit Ringstorff erlebt haben."

Gut 15 Monate lang hat Christoph Wunnicke an seinem Buch geschrieben, sich mit mehr als 20 Wegbegleitern von Harald Ringstorff getroffen, vor allem mit SPD-Parteifreunden: "Ich hätte gern neue Züge entdeckt. Das waren nahezu einhellig positive Beschreibungen seiner Person, unabhängig von der Partei. Es war schwer, aus Leuten Kritisches über Ringstorff rauszukitzeln - was an seiner Person liegt. Es war wohl so, dass er überwiegend positive Erinnerungen an ihn zurückließ."

Mit Ringstorff selbst konnte Christoph Wunnicke allerdings nur bedingt sprechen: "Er ist krank, ich habe mit ihm gesprochen. Er war auch geistesgegenwärtig, aber eingehende Gespräche, die komplexe Fragestellungen beinhalten, waren nicht mehr möglich. Glücklicherweise war seine Frau, die sein politisches Leben immer begleitete, immer dabei und konnte da und dort einspringen, sodass ich insgesamt ein rundes Selbstbild von ihm generieren konnte."

Abriss der politischen Landesgeschichte

Ob Gründung der Sozialdemokratischen Partei in der DDR, die Wahl zum ersten Landtag von Mecklenburg-Vorpommern ohne Harald Ringstorff als Spitzenkandidat, Koalitionskrise innerhalb der CDU-SPD-Regierung 1996 oder der Wahlsieg 1998, verbunden mit der deutschlandweit ersten rot-roten Landesregierung: Dieses Buch ist auch ein Abriss der politischen Landesgeschichte aus Sicht der SPD. Dabei erfährt der Leser nicht viel Neues vom Menschen Harald Ringstorff: "Die Eigenart von Herrn Ringstorff ist, dass keiner der Interviewten, egal, wie lange und dicht er an ihm dran war, sagt: 'Ich kenne ihn gut.' Ich glaube, er ist so, dass er gern Sachen mit sich abmacht."

Sachliche Fehler, oberflächliche Details

Christoph Wunnicke versucht, mithilfe einiger Anekdoten neben den politischen Ereignissen auch Alltägliches zu vermitteln, was sich aber oft zu oberflächlich liest. Da ist von Kopfstandwettbewerben im Büro, vom gemeinsamen Weihnachts- und Arbeiterliedersingen oder vom widerwilligen Rosenverteilen im Wahlkampf die Rede. Leider stören auch einige inhaltliche Fehler. Beispielweise bei der Anzahl der Ministerien oder dem nicht genauen Dokumentieren von Prozenten und Prozentpunkten bei Wahlergebnissen.

Das Buch liest sich leicht weg, bietet einen allgemeinen Überblick über das politische Mecklenburg-Vorpommern der ersten 20 Jahre und würdigt einen Mann, der zweifellos Spuren hinterlässt. Harald Ringstorff wird am 25. September 79 Jahre alt. Dieser alte Fuchs legt Wert darauf, als Mecklenburger und Sozialdemokrat gesehen zu werden. Und das bleibt, auch mit diesem Buch von Christoph Wunnicke.

Von der Werft in die Staatskanzlei - Harald Ringstorff

von
Verlag:
Dietz-Verlag Bonn
Bestellnummer:
ISBN 978-3-8012-0526-3
Preis:
24,90 €

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 03.09.2018 | 19:00 Uhr