Cover von Daniela Kriens "Der Brand". © Diogenes

"Der Brand": Daniela Krien über eine erloschene Liebe

Stand: 09.08.2021 10:37 Uhr

Vor zwei Jahren nahm ihre Schriftstellerkarriere richtig Fahrt auf: Daniela Krien stand mit "Die Liebe im Ernstfall" monatelang auf allen Bestsellerlisten. Jetzt erscheint ihr neuer Roman "Der Brand".

Cover von Daniela Kriens "Der Brand". © Diogenes
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von Anke Jahns

In Beziehungen eintauchen - das kann Daniela Krien wie kaum eine Zweite. In ihrem neuen Roman "Der Brand" geht es um Rahel und ihren Mann Peter. Nach 30 Jahren Ehe sind sie sich fremd geworden. Als die Psychotherapeutin und der Literaturprofessor wegen Corona den Urlaub nicht im Ausland, sondern in den bayrischen Bergen verbringen wollen, brennt das gemietete Ferienhaus ab. Zeitgleich bekommt ein guter alter Freund nach einem Schlaganfall eine Reha in Ahrenshoop. Rahel und Peter hüten also in ihrem Urlaub sein Haus und den Hof in der Uckermark.

"Der Brand" - brennende Häuser und zerrüttete Ehen

Der Titel "Der Brand" ist doppeldeutig. Es ist nicht nur das Ferienhaus in Bayern, das nicht mehr existiert - auch ihre Liebe ist fast erloschen. 

Rahel ist von ihrem Mann genervt. Sie fühlt sich nicht mehr begehrt von Peter. Er schläft nicht mehr mit ihr. Peter hat sich nach einem Eklat an der Uni aus dem Leben zurückgezogen. Der Literaturprofessor hatte seine Studentin Olivia als Frau angesprochen, obwohl sie sich als nichtbinärer Mensch verstanden wissen wollte. Peter fühlt sich nach dem großen Eklat noch immer unverstanden - auch von seiner Frau.

Daniela Krien reißt in der Figur von Peter viele gesellschaftliche Themen an: gendergerechte Sprache, moralischen Rigorismus, Medienkritik. Sie zeichnet ein Bild der Widerspüche unserer Zeit. In die Tiefe geht sie dabei nicht.

Daniela Krien über Einsamkeit, Sprachlosigkeit und Ignoranz

Was sie allerdings mit enormem Tiefgang auslotet, ist die Sprachlosigkeit in der Beziehung und die Einsamkeit von Rahel und Peter. Er verbringt auf dem Hof die meiste Zeit mit den Tieren und nimmt überhaupt nicht wahr, dass sie gerade erkannt hat, dass der kranke Freund Victor, der Bildhauer, wahrscheinlich ihr Vater ist.

Das Buch ist aus Rahels Sicht geschrieben. Und gerade, wenn man sich von dem verstockten, eigenbrödlerischen Peter distanziert, taut er wieder auf und Rahel wird zur verstockten, dominanten Frau, die über alles die Kontrolle haben und ihn verbiegen will. Haben die beiden eine Chance, ihre Ehe und ihre Liebe zu retten?

Daniela Krien bietet kein Happy End an, nur Möglichkeiten, die Beziehung anhand der veränderten Bedürfnisse neu zu definieren.

Familiendynamik zum Nachempfinden

Sie schreibt klar und schnörkellos. Ihre Sprache ist dabei nie banal, sondern immer kunstvoll literarisch. Es wird nie viel gesagt, es teilt sich aber intensiv mit und entfaltet einen Sog. Dabei geht es auch um die Beziehung zur Tochter, die als Drama Queen ständig um Aufmerksamkeit buhlt, während der Sohn komplett in seiner Ausbildung zum Gebirgsjäger aufgeht. Familiendynamik, die viele beim Lesen nachempfinden können.

Der Roman liest sich leicht. Die Geschichte ist auf drei Urlaubswochen konzentriert - jeder Tag ein eigenes Kapitel - mit wenig Aktion, aber emotionaler Dramatik.

Der Brand

von Daniela Krien
Seitenzahl:
272 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Diogenes
Veröffentlichungsdatum:
28. Juli 2021
Bestellnummer:
978-3-257-07048
Preis:
22,00 €

Dieses Thema im Programm:

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