Cover des Buches "Vincent und das großartigste Hotel der Welt" © dtv

Poetisches Märchen über Familie und Freundschaft

Stand: 04.11.2021 17:00 Uhr

Die australische Kinderbuchautorin Lisa Nicol ist noch ein Geheimtipp. Sie hat erst zwei Romane für Kinder geschrieben. Nun ist der zweite auf Deutsch erschienen: "Vincent und das Großartigste Hotel der Welt".

von Katharina Mahrenholtz

Der elfjährige Vincent ist das älteste von drei Kindern. Seine Familie ist arm und seine Zukunftsaussichten nicht eben rosig. Aber dann wird er von Florence als Schuhputzer für das Hotel "The Grand" angeheuert. Es gehört eigentlich Florence' Eltern, aber die sind ständig auf Reisen.

Deshalb kümmert sich Florence um alles, obwohl sie auch erst elf Jahre ist. Sie ist ein sehr bemerkenswertes Mädchen. Und auch das Hotel ist alles andere als gewöhnlich, wie Vincent schon beim Betreten der Lobby merkt.

Smaragdgrüne Samtsofas gruppierten sich unter Rundbögen, von denen Ranken wie Regen herabrauschten. Hunde dösten vor brennenden Kaminfeuern. Kronleuchter aus Elchgeweihen und Buntglas funkelten wie Galaxien. Im ganzen Raum trotteten Ponys – nicht größer als mittelgroße Hunde – mit spektakulären türkisfarbenen Federbüschen und Regenbogenschweifen herum. Buchzitat

"Vincent und das großartigste Hotel der Welt": Poppig, bunt und surreal

Lisa Nicols entwirft eine surreale Welt, poppig-bunt und überbordend. Im Hotel gibt es magische Räume: ein Schwebezimmer, ein Kicherzimmer, ein Glimmerzimmer mit einem Bad voller Glitzerkosmetik, ein Hüpfburgzimmer mit aufblasbaren Möbeln für Familien mit hyperaktiven Kindern und ein Weißt-du-noch-Zimmer, in dem man sich an alles erinnern kann, was seit der Geburt passiert ist.

Im The Grand sollen die Besucherinnen und Besucher sich nicht einfach nur erholen, sondern ihren Träumen und Wünschen begegnen, ihre Probleme vergessen und Kraft tanken. Rupert, der Empfangschef, weiß immer, welcher Gast welches Zimmer braucht - und er stattet auch alle mit einem persönlichen Taschenhund aus.

Der Servierwagen trug einen Weidenkorb voll klitzekleiner Hunde, deren Vorderpfoten und Schnauzen gerade so über den Rand ragten. Vincent stand mit gefalteten Händen an der Seite und wartete aufgeregt, bis die anderen Gäste ihre Wahl getroffen hatten. Sein Blick war auf einen zotteligen schwarz-weißen Welpen gerichtet, der genau in der Mitte des Korbes saß. Kaum größer als eine Teetasse war er der niedlichste Hund, den er jemals gesehen hatte. Buchzitat

Wunderbar fantastische Beschreibungen

Ganz klar: Das Buch lebt von diesen wunderbar-fantastischen Beschreibungen - man lässt sich ganz reinfallen in diese Welt voller Ponys und Taschenhunde. Aber es gibt auch Schatten im Paradies. Vincent würde so gern wissen, wie das Leben für ihn und seine Familie weitergehen wird, dass er sich ins Spiegel-der-Zukunft-Zimmer schleicht, was natürlich streng verboten ist.

Er vergewisserte sich nochmal, dass niemand da war, dann drehte er den Knauf langsam nach rechts. Unerwartet fuhr der Schnapper aus dem Schloss und die Tür schwang nach innen auf. Na sowas! Es ist fast, als wollte sie von mir geöffnet werden. Das redete er sich zumindest ein. Buchzitat

Kurzfristig scheint es sogar, als sei das eine gute Idee gewesen, aber dann kommt Vincent in ziemliche Schwierigkeiten.

Dieser Roman erinnert in seiner Skurrilität oft an die Kinderbücher von Roald Dahl, aber Lisa Nicol geht viel warmherziger mit ihren Charakteren um - im "The Grand" möchte jeder sofort einen Kurzurlaub buchen. "Vincent und das großartigste Hotel der Welt" ist ein philosophisch-poetisches Märchen über Familie und Freundschaft für Kinder ab 10 Jahren.

Vincent und das großartigste Hotel der Welt

von Lisa Nicol
Seitenzahl:
240 Seiten
Genre:
Roman
Zusatzinfo:
ab 10 Jahre
Verlag:
dtv
Bestellnummer:
978-3-423-64082-4
Preis:
14,95 Euro €

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 06.11.2021 | 08:55 Uhr

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