Stand: 22.10.2018 13:16 Uhr

Was griechische Götter uns heute sagen

Mythos
von Stephen Fry, aus dem Englischen von Matthias Frings
Vorgestellt von Annemarie Stoltenberg
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In Stephen Frys humorvoller Nacherzählung erwachen die alten Sagen zu neuem Leben.

Der britische Schriftsteller, Schauspieler und Komiker Stephen Fry hat sich in die mythischen Landschaften des alten Griechenlands begeben und erzählt uns die griechischen Göttersagen noch einmal neu. Natürlich tut er das absolut unwiderstehlich komisch, schwelgt geradezu in den Mord- und Rachegeschichten, entbrennt mit den Helden in leidenschaftlicher Liebe, zügelloser Lebenslust und wüster Verzweiflung. So ist ein umfangreicher Band mit nacherzählten Sagen entstanden: "Mythos".

Klassische Werke werden entstaubt

Sagen wir, wie es ist: Die Briten haben es besser als wir. Sie haben Autoren, die klassische Bildungsgüter so resolut entstauben, sie aus dem Betonsockel der Heldenverehrung befreien können, dass es eine reine Freude ist. Zum Glück gibt es Matthias Frings, der den - am legendären, urkomischen Autor  P.G. Wodehouse geschulten - Stil kongenial ins Deutsche übertragen hat. Stephen Fry erzählt also die griechischen Sagen neu.

"Als ich noch ein kleiner Junge war, hatte ich das Glück; dass mir das Buch "Tales from Ancient Greece" in die Hände fiel. Es war Liebe auf den ersten Blick... Ihr Humor, ihre Energie, ganz besonders ihre Leidenschaft und die glaubhaften Elemente ihrer Welt haben mich von Anfang an gefesselt", so erzählt Stephen Fry also von Zeus Liebesabenteuern, verfolgt Kronos Racheakte oder geht auf Jagd mit der schönen Artemis. Es ist inszeniert, als sei man mit einem Übertragungswagen dabei und hätte einen brillanten Livereporter vor Ort. Etwa, wenn er sich um Eros und Psyche kümmert.

Sie und ich können ohne weiteres eine kleine Verbrennung von einer Öllampe wegstecken, aber für Eros, unsterblich oder nicht, war es die Frau, die er liebte, die ihm diese Wunde zugefügt hatte. Solche Wunden brauchen lange, bis sie heilen, falls sie das je tun. Leseprobe

Alte Mythen erklären menschliches Verhalten

Man muss keinerlei Vorwissen mitbringen, um diese Geschichten zu verstehen, aber hinterher weiß man eine Menge über die alten Griechen und vielleicht, warum diese Figuren so unsterblich zum Repertoire gehören, wenn es darum geht, rätselhaftes menschliches Verhalten zu erklären.

Wir haben gesehen, wie die Götter aus Mitleid, Eifersucht oder als Strafe Männer und Frauen in Tiere verwandelten. Doch wo Sterbliche stolz und kleinkariert waren, erwiesen sich die Götter als Getriebene der Begierde. Leseprobe

So geschehen mit Skylla, der schönen Tochter des Königs Nisos, die sich in einen Feind ihres Vaters verliebte. Die Geschichte konnte nicht gut enden:

So überwältigend war ihre Leidenschaft, dass Skylla sogar jetzt noch den Mann, den sie liebte, nicht aufgeben konnte. Sie schwamm Minos hinterher und jammerte erbärmlich. Sie miaute und kreischte so klagend, dass man sie in eine Möwe verwandelte. Es entsprach ganz dem Humor der Götter, dass ihr Vater Nisos zur gleichen Zeit in einen Seeadler verwandelt wurde. Leseprobe

Mitreißende Neuinterpretation

Große Stoffe! Stephen Fry lässt immer durchscheinen, dass es sich um erfundene Geschichten handelt, die allerdings schon viele Denker und Dramatiker beflügelt haben. Von Shakespeare und Michelangelo bis zu Walt Disney.

Mythen, um es schlicht und einfach zu sagen, schlagen sich mit Göttern und Menschen herum, die man weder beobachten noch dingfest machen kann.... Die meisten, die diese Geschichten wieder und wieder erzählt haben, waren sich, glaube ich, einigermaßen im Klaren darüber, dass sie ausgedachte Geschichten erzählten. Vielleicht haben sie gedacht, dass die Welt einmal mit Nymphen und Monstern belebt war, aber sie konnten ziemlich sicher sein, dass diese nicht mehr existierten. Leseprobe

Gleichwohl möchte man diese Geschichten, besonders wenn sie so packend und mitreißend erzählt werden wie hier, unbedingt immer weiter hören. Suchtstoff. Als Buch in Weiß und Gold, also passend wie ein kostbarer Goldbarren präsentiert. Die Hörbuchfassung, gelesen von Hans Jürgen Stockerl ist mindestens ebenso empfehlenswert wie das Buch.

Mythos

von
Seitenzahl:
448 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Aufbau
Bestellnummer:
978-3-351-03731-4
Preis:
24,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 23.10.2018 | 12:40 Uhr

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