Stand: 27.07.2020 10:42 Uhr

Sabine Rasper rettet kostbare Buchschätze

von Jan Wiedemann

Sabine Rasper ist Buchbindemeisterin. In ihrer kleinen Werkstatt auf einem früheren Bauernhof im Kreis Diepholz in Niedersachsen geht sie dem traditionellen Handwerk nach: Sie gestaltet individuelle Einbände für neue Bücher und restauriert jahrhundertealte Schätze.

Allein die Werkbank von Sabine Rasper könnte wohl Bücher füllen - mit den Geschichten, die sich im Laufe der Jahrzehnte auf ihr ereignet haben: Die massiven Holzbohlen sind mit unzähligen Farbklecksen und Kleberresten übersät. Daneben stapeln sich Pappen und Papiere und bunte Rollen mit Gewebe-Materialien für Einbände. "Das ist einfach ein unglaublicher Fundus, den jemand, der eine neue Werkstatt aufmacht, erst mal gar nicht haben kann", sagt Sabine Rasper. "Das stellt natürlich an sich schon einen Wert dar, aber teilweise sind die Materialien auch sehr alt. Die kriegen Sie heute gar nicht mehr. Es ist wunderbar bei Reparaturen oder Restaurierungen, wenn Sie altes passendes Material haben."

Gelernt beim Buchbinder Heinz Petersen

Einen Großteil davon hat Sabine Rasper von ihrem Lehrmeister übernommen, dem Düsseldorfer Heinz Petersen, der sie nach ihrem Abitur ausbildete, als er selbst schon über 70 war: "Ich würde sagen, er war einer der bekanntesten Buchbinder des letzten Jahrhunderts. Heinz Petersen hat mir nicht nur dieses wunderbare Handwerk beigebracht, sondern mir einfach einen neuen Horizont eröffnet. Das war natürlich ein großes Glück für mich", sagt Rasper.

Nach seinem Tod 1991 übernimmt Sabine Rasper den Betrieb und zieht schließlich nach Niedersachsen: Gemeinsam mit der Keramikerin Sabine Kratzer kauft sie einen alten Bauernhof und macht daraus den Atelierhof "Scholen 53". Hier entstehen individuelle Einbände für private Chroniken und eigene Drucke, aber es landen auch immer wieder alte Bücher auf der Werkbank.

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Buchbinderin Sabine Rasper © NDR Foto: Jan Wiedemann

Sabine Rasper rettet alte Buchschätze

Im idyllischen Atelierhof Scholen in Niedersachsen betreibt Sabine Rasper eine Buchbindewerkstatt. Hier können alte Bücher gerettet oder Lieblingsbücher gebunden werden. mehr

Restaurierung von Hieronymus Bocks Kräuterbuch von 1522

Sabiner Rasper repariert und restauriert Omas altes Kochbuch mit den vielen persönlichen Notizen und Erinnerungen ebenso wie echte Schätze von Bibliotheken oder Sammlern. Dazu zählt etwa Hieronymus Bocks dickes Kräuterbuch aus dem 16. Jahrhundert - mit Holzdeckeln, Ledereinband, metallenen Buchschließen und vor allem mit vielen Herausforderungen. "Es waren viele Seiten eingerissen, es gab Fehlstellen in den Seiten. Der Einband ist in Schweinsleder gewesen, und dementsprechend habe ich alle Ergänzungen auch in Schweinsleder gemacht", sagt Rasper. "Bei der Restaurierung ist es so: Es soll ruhig erkennbar sein, was neu und was alt ist."

Keine Angst vor der Digitalisierung

Bücher erzählen weit mehr Geschichten, als die, die darin stehen, meint Sabine Rasper: Zum Beispiel, ob es in ihrer Gegenwart mal einen Brand oder ein Hochwasser gegeben hat. Manchmal tragen sie sogar Geheimnisse in sich. Zum Beispiel dann, wenn die ursprünglichen Buchbinder Materialien recycelt haben, etwa versteckt unter dem Deckel: "Ich hatte in einer Koblenzer Bibliothek einmal einen so genannten Einblattdruck gefunden. Der war letztlich wertvoller als das Buch."

Dass die zunehmende Digitalisierung ihre alte Handwerkskunst mehr und mehr verdrängen könnte, glaubt Sabine Rasper nicht: "Jetzt bin ich über 35 Jahre schon Buchbinderin und habe überhaupt nicht den Eindruck, dass das Interesse am Buch weniger wird. Ich glaube sogar, dass die Wertschätzung des schönen Buches steigt. Ich mach mir da keine Sorgen." So wird die alte Werkbank wohl noch um einige Farbkleckse, Kleberreste und Geschichten reicher werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | NDR Kultur à la carte | 27.07.2020 | 13:00 Uhr

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