Stand: 28.04.2020 15:37 Uhr  - NDR Kultur

Ralf König postet Corona-Comics auf Facebook

Ralf Königs hat mit seinen Bänden "Der bewegte Mann" und "Das Kondom des Grauens" in den 80er- und den 90er-Jahren sozusagen homosexuelle Kulturgeschichte geschrieben - derb, überdreht, liebenswert und urkomisch. Und gerade jetzt, in Corona-Zeiten, lässt der Kölner Zeichner jeden Tag eine kleine Salve seines Humor los: auf Facebook. Konrad und Paul, seine wohl berühmtesten Helden, sind in der Corona-Krise angekommen. Peter Helling hat mit dem Comiczeichner telefoniert.

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Ralf König: Fast 60 Jahre und kein bisschen leise.

Ralf König kommt gerade vom Supermarkt um die Ecke. Er klingt etwas abgehetzt: "Ich war einkaufen, Entschuldigung, hab die Zeit vergessen." Was insofern sehr witzig ist, als der blendend aussehende Filialleiter des Ladens eine wichtige Rolle in seinen täglichen Comicstrips bei Facebook spielt, aber dazu später.

Tägliche Comics zur Corona-Situation

Die Idee zu den täglichen Geschichten zur Corona-Krise, dier er auf Facebook postet, kam ungeplant, erzählt der Zeichner: "Ich hatte ein Buch fertig und wollte gerade mit dem anderen anfangen, hatte den Stift in der Hand, und da passierte punktgenau der Shutdown. Ab da war alles in Frage gestellt." Er fing an zu zeichnen. Kleine Geschichten seiner Kultfiguren Konrad und Paul - dieses liebenswerten und schrägen schwulen Paars.

Posterboys des schwulen Lebens in Deutschland

Seine knollennasigen Kerle mit den ganz menschlichen Bedürfnissen sind gerade jetzt hoch im Kurs: "Ich hab dann spontan Ideen auf Facebook gepostet, das kam bombig an, weil wir ja alle in einem Boot sitzen und sich sehr viele Leute mit dieser Problematik identifizieren." Konrad und Paul, das sind der Intellektuelle mit Lesebrille und der sexuell ausgehungerte Ledertyp. Beide sind so was wie die Posterboys des schwulen Lebens in Deutschland.

Vertraute Figuren lassen Dialoge aufs Papier plumpsen

Inzwischen zeichnet König täglich einen Comicstrip, und bei Facebook überschlagen sie sich: "Ja, das sind einfach wunderbare Charaktere, die ich schon seit 20 Jahren bediene, und die Leute, die meine Bücher kennen, die kennen die auch. Die wissen, dass Konrad ne Freundin hat, die Brigitte heißt, und Paul nennt die immer Igitte. Die Beziehung der Geschwister Edeltraud und Paul ist auch sehr schwierig. Vielen Leuten sind diese Figuren vertraut. Und das ist das Schöne beim Comiczeichnen, wenn man Charaktere hat, dann plumpsen die Dialoge von alleine aufs Papier."

Aktuelle Situation mit urkomischen Figuren

Egal ob Pauls Schwester Edeltraut diesem anbietet, ihm aus den Unterhosen ihres "rattenscharfen" Mannes eine Atemschutzmaske zu nähen, oder ob Paul in diesem Prachtfrühling auf gut "Ralf-König-Deutsch" "untervögelt" ist, oder ob Konrad in der Videokonferenz versauert, die Situationen sind hochaktuell und die beiden Figuren saukomisch: "Das ist ein wundervolles Vergnügen zu zeichnen, bin sehr froh gerade, diese Aufgabe zu haben, so viele Leute wissen gerade nicht, was sie machen sollen."

Erdbeerkuchen mit Abstandswahrung

Und dann gesteht der bald 60-jährige Ralf König: "Ich will nicht altersmilde werden oder langweilig. Ich werde lieber alterspeinlich. Ich glaub das ist lustiger." Grauer Bart, Bauch, ungewaschenes T-Shirt: Während sich Paul die Verwahrlosung oder Verwandlung in einen muffelnden Urkerl gönnt, backt Konrad beflissen Erdbeerkuchen und lädt die beste Freundin Brigitte ein, natürlich unter Abstandswahrung.

Gag gelungen - Job erfüllt

Verdienen kann der Zeichner aus Köln an den Strips auf Facebook nichts. Aber ein Lohn ist es schon, was für eine Begeisterung Konrad und Paul auslösen: "Wenn ich es einmal am Tag schaffe, dass die Leute da draufgehen und einmal herzlich lachen, wenn mir der Gag gelungen ist, dann hab ich meinen Job erfüllt. Ich bin Comiczeichner und will, dass was lustig ist."

Versprochen: Strips werden zu Comicbuch

So hangelt sich Ralf König durch diese Katastrohe und gibt ihr einen menschlichen, einen wundervoll trashigen Anstrich. Konrad und Paul, die beiden schwulen Allerweltsmenschen - irgendwie sind sie wie wir alle. Voller Frühlingsgefühle, voller Sorgen, urromantisch und bekloppt, kleinlich und herrlich aufbrausend - und unnachahmlich ins Leben verknallt.

Irgendwann nach der Krise, verspricht Ralf König, werden die Strips als neues Comicbuch bei Rowohlt erscheinen. Wann genau, ist wie vieles noch ziemlich ungewiss.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 28.04.2020 | 07:20 Uhr

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