PEN Berlin Verband gegründet, Julian Assange wird Ehrenmitglied
In Berlin hat sich ein Ableger des Autorenverbands PEN gegründet. Deniz Yücel und Eva Menasse wurden als Spitze gewählt. Ehrenmitglied wird Wikileaks-Gründer Julian Assange.
Bei der Versammlung am Freitag in Berlin sowie einer Online-Schalte wählten rund 150 Mitglieder den Journalisten Deniz Yücel und die Schriftstellerin Eva Menasse an die Spitze des neuen Verbandes PEN Berlin. Yücel war zuvor einige Monate lang Präsident des PEN-Zentrums Deutschland. Dort war er nach heftigen Querelen zwar im Mai bestätigt worden, hatte das Amt aber anschließend niedergelegt.
Bei der Wahl erhielt Menasse 143 von 143 Stimmen, Yücel erhielt 136 Stimmen bei acht Gegenstimmen. Neun Mitglieder wurden für das Board des neuen Vereins bestimmt. Der in Großbritannien inhaftierte Wikileaksgründer Julian Assange wurde Ehrenmitglied. Dies sei ihm angetragen worden, er habe es am Vormittag angenommen. Auch im alten PEN-Verband ist Assange Ehrenmitglied.
Thea Dorn, Daniel Kehlmann, Christian Kracht im PEN Berlin
Rund 230 Autorinnen und Autoren werden dem PEN Berlin erstmal angehören, darunter viele namhafte Schriftsteller*innen wie Thea Dorn, Daniel Kehlmann, Eva Menasse, Christian Kracht oder Mithu M. Sanyal.
Abgezeichnet hatte sich diese Neugründung nach der PEN-Tagung in Gotha vor knapp vier Wochen, als Präsident Deniz Yücel unter Protest gegen die von ihm so bezeichnete "Bratwurstbude" sein Amt niedergelegt hatte. Der PEN sei grundsätzlich eine "wichtige Veranstaltung" und eine "gute Idee" sagte Eva Menasse bei Deutschlandfunk Kultur: "Schreibende und Intellektuelle, die anderen Schreibenden und Intellektuellen helfen, die in Not sind, daran ist nichts falsch." Die Frage sei nur, ob man diese Idee mit der gewachsenen Struktur gut weiterführen könne, meint die Schriftstellerin. Und daran zweifele sie und viele ihrer Mitstreiterinnen und Mitstreiter.
PEN Berlin-Unterzeichnende: Who's who der Literaturszene
NDR Kulturredakteur Jürgen Deppe bezeichnet das als eine Offensive des Deniz Yücel-Flügels. Für ihn sieht es so aus, "als wäre man organisatorisch sehr gut aufgestellt. Es gibt 232 Erstunterzeichner dieser Gründung - und das ist wirklich ein absolutes Who's who", so Deppe im Kollegengespräch auf NDR Kultur.
Mitunterzeichnerin Simone Buchholz: PEN Berlin "will mehr Integration"
Zu den Unterstützern des neuen PEN gehört Simone Buchholz. Die Hamburger Krimiautorin erläuterte gegenüber NDR Kultur, was die neue Vereinigung auszeichnen soll: "Es geht um den Ansatz, dass wir ein bisschen inklusiver arbeiten, dass wir wirklich alle willkommen heißen, die auf Deutsch schreiben und/oder in Deutschland leben", so Buchholz. Außerdem solle der PEN Berlin dafür sorgen, "dass wir auch den Exilautor*innen, die hier sind, ein Angebot machen können, dass wir versuchen, alle in die literarische Community in Deutschland zu integrieren - und zwar möglichst leicht und durchlässig."
An dem neuen Projekt wurde seit Mitte Mai gearbeitet. Heftig debattiert worden sei die Frage, ob eine Reform des alten PEN lohne. Eine Mehrheit sei dann für eine Neugründung gewesen. Die Vereinigung soll heute im Berliner Literaturhaus gegründet werden.
Flachere Hierarchien beim PEN Berlin?
In Bezug auf die Organisation will der PEN Berlin auf flache Hierarchien setzen. Statt eines Präsidiums soll es ein Board mit elf Mitgliedern geben - als Sprecher und Sprecherin sind Deniz Yücel und Eva Menasse vorgesehen. Genau das war einer der Streitpunkte in der alten Schriftstellervereinigung gewesen. Viele hatten Yücel einen autoritären Führungsstil vorgeworfen.
Kaum Austritte beim PEN
Die Nachricht von der Gründung eines alternativen PEN nahm man in Darmstadt zunächst gelassen auf. "Wir sehen das als Bereicherung der Arbeit des PEN in dem Bemühen, uns neu aufzustellen", sagte die Generalsekretärin des deutschen PEN-Zentrums mit Sitz in Darmstadt, Claudia Guderian, am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse Agentur. Man wolle den Kontakt suchen. Es habe nur wenige Austritte gegeben, die meisten der Autorinnen und Autoren, die dem PEN Berlin beigetreten seien, blieben weiterhin Mitglieder des PEN Deutschland.
PEN-Mitglied Gregor Sander heute zu Gast bei NDR Kultur
Im Journal ab 16 Uhr spricht NDR Kultur unter anderem mit dem Autor und PEN-Mitglied Gregor Sander.
