Stand: 10.12.2019 14:47 Uhr  - NDR 90,3

Fotos von Hamburg zwischen 1860 und 1880

Hamburg in frühen Fotografien
von Jan Zimmermann (Hg.)
Vorgestellt von Ruth Asseyer

"Hamburg in frühen Fotografien" heißt ein dicker Bildband, der jetzt im Junius-Verlag erschienen ist. 270 Schwarz-Weiß-Fotos zeigen die Stadt in den Jahren von 1860 bis 1880: Auf den Straßen standen Gaslaternen, denn Hamburg hatte noch keinen Strom, der Rathausplatz hieß schon so, war aber nur eine leere Fläche ohne Rathaus, die St. Nicolai-Kirche war im Bau, die Herren trugen Hut und Zylinder, die Frauen Schürzen, Hauben und lange weite Röcke. Der Foto-Historiker Jan Zimmermann hat dieses außergewöhnliche historische Stadt-Porträt herausgegeben.

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Hamburg in den Jahren von 1860 bis 1880: Der Bildband zeigt die Hansestadt auf 270 Schwarz-Weiß-Fotos.

Beim Durchblättern dieses reichhaltigen Fotobuchs lohnt es sich, eine Lupe zur Hand zu nehmen, wie etwa bei einem sehr frühen Foto von der Baustelle des Altonaer Bahnhofs, einer Daguerreotypie von 1844. "Dann entdeckt man ein wunderbares Detail: eine Bierflasche auf dem Dach, vermutlich stehen gelassen von einem Arbeiter", sagt Jan Zimmermann. Er hat Unmengen historischer Aufnahmen gesichtet, um das alte Hamburg wiederauferstehen zu lassen.

Fotos aus dem Bildband "Hamburg in frühen Fotografien"

Fotos stammen vor allem aus privaten Sammlungen

"Die Fotos kommen aus mehreren privaten Sammlungen begeisterter Fotosammler, die seit Jahrzehnten über den Flohmarkt oder durchs Internet streifen", erklärt Zimmermann. Was fehlte, ergänzte der Foto-Historiker aus den Sammlungen der Museen. Denn er zeigt das gesamte heutige Hamburger Stadtgebiet, wie es vor etwa 170 Jahren aussah, sorgfältig geordnet in Kapitel über die einzelnen Stadtteile. "Man könnte mit dem schweren Buch um die Binnenalster wandern und genau die einzelnen Standorte wiederfinden", sagt er.

Alsterpavillon von 1835, in dem Heinrich Heine saß

Der Jungfernstieg war schon damals eine vielbefahrene Straße mit breiter Promenade und mit prächtigen Hotels, auf denen Hamburg-Flaggen wehten. "Dazu gehören auch die Fuhrwerke, die Frauen mit den Krinolinen, die Männer mit den Zylindern, die Kinder, Hunde, der Milchmann, das Dienstmädchen - es war eine sehr belebte Straße", erläutert Zimmermann.

Man sieht den schlichten ersten Alsterpavillon von 1835, in dem noch der Dichter Heinrich Heine saß und den Mädchen nachschaute. Oder das ländliche St. Georg: Am Steindamm standen neben den ersten mehrgeschossigen Gründerzeitbauten noch kleine Bauern- und Handwerkerhäuser. "Beide Fotos entstanden ganz kurz hintereinander am Steindamm", sagt der Foto-Historiker. "Aber das eine Bild zeigt bereits die große Stadt, das andere noch den Rest vom Dorf."

Umbau zur Handelsmetropole

Von 1860 bis 1880 begann Hamburgs Umbau von der engen mittelalterlichen Stadt zur großzügigen Handelsmetropole - und die Fotografie wurde Massenmedium. Einheimische und auswärtige Fotografen lichteten Hamburgs Straßen und Häuser ab. Sie verkauften diese Stadtansichten als Postkarte, als sogenannte "carte de visite". Oder sie machten Stereo-Fotos, die man sich durch einen sogenannten Stereo-Betrachter anguckte und dann eine Szene räumlich sah: 3-D-Fotografie nennen wir das heute. "Man findet Anzeigen zu den Stereo-Fotos. Reisende Händler schlugen ihr Zelt auf und man konnte sich gegen Eintritt diese Stereo-Fotos angucken. Das war eine Art frühes Fernsehen", so Zimmermann.

Der Hafen war schon damals ein beliebtes Motiv

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Segelmasten wohin das Auge blickt: So sah es um 1870 im Hamburger Niederhafen aus.

Natürlich war auch der Hamburger Hafen ein beliebtes Motiv, der Mastenwald der Segelschiffe. Ab und an kommt ein Schornstein ins Bild. "Hier sehen wir einen Segeldampfer, also ein Segelschiff mit zusätzlicher Dampfkraft und einem Schornstein", erklärt Zimmermann. "Was wir auch sehen, ist eine historische Landmarke: auf Steinwerder ein großer, großer Schornstein, der zum dortigen ersten Kupferwerk gehörte."

Hamburg war im Umbruch. Doch was damals Neues entstand, erscheint uns heute alt und vertraut. Die spitzen Fachwerkhäuser, die Windmühlen, die Kähne auf den Fleeten, die Segelmasten: verschwunden. In diesem Buch ist das alles auf großartigen Fotos wieder zu entdecken.

Hamburg in frühen Fotografien

von
Seitenzahl:
240 Seiten
Genre:
Bildband
Zusatzinfo:
Hardcover mit ca. 250 Duoton-Abbildungen
Verlag:
Junius Verlag
Bestellnummer:
978-3-96060-517-1
Preis:
49,90 €

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 10.12.2019 | 19:00 Uhr

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