Stand: 21.01.2019 10:10 Uhr

Verschollen im Ewigen Eis

Amundsens letzte Reise
von Monica Kristensen, aus dem Norwegischen von Christel Hildebrandt
Vorgestellt von Annemarie Stoltenberg
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Mehr Krimi als Biografie ist "Amundsens letzte Reise".

Die Norwegerin Monica Kristensen ist eine ungewöhnliche Autorin mit vielen Begabungen. Sie gehört zu den bekanntesten norwegischen Polarforscherinnen und hat etliche Expeditionen in arktische und antarktische Gebiete unternommen. Aber sie ist nicht nur Glaziologin, sondern hat auch mehrere Kriminalromane verfasst. In ihrem neuen Buch "Amundsens letzte Reise" beschäftigt sie sich mit dem norwegischen Nationalhelden Roald Amundsen und seiner Zeit.

Amundsen will den verschollenen Forscher Nobile finden

1926 sind Roald Amundsen und der italienische Polarforscher Umberto Nobile mit einem Luftschiff in einer aufsehenerregenden Forschungsreise zum Nordpol geflogen. Zwei Jahr später stürzt Nobile dann bei einer weiteren Arktis-Expedition, diesmal ohne Amundsen, ab. Monica Kristensen beschreibt, wie daraufhin etliche internationale Suchtrupps aufbrechen, um Nobile und seine Mannschaft zu retten. Ein Wettlauf gegen die Zeit.

Die Übersetzerin aus dem Norwegischen, Christel Hildebrandt hat sich in die Fachwelt der Polarforschung begeben. Sie sagt: "Hier, in diesem Buch, geht es um die Rettungsaktion des Luftschiffes von dem General Nobile 1928, der über den Nordpol fliegen wollte, es auch geschafft und dort ein Kreuz abgeworfen hat, das vom Vatikan gesegnet war. Aber auf dem Rückweg hat er Schiffbruch erlitten. Er ist auf Eisschollen gestrandet, und es geht um diese Rettungsaktion."

Eine dramatische Suche beginnt

Unter anderem der damals größte Eisbrecher der Welt, die "Krassin", startet von Spitzbergen aus, um Überlebende zu bergen, die in einem Zeltlager auf einer Eisscholle ausharren.

"Nobile hatte einen Tschechen und einen Schweden in seiner Mannschaft. Es gab russische Expeditionsschiffe, die auf die Suche gingen, es gab französische - es war also eine internationale Aktion, um diese Männer zu finden", erklärt die Übersetzerin. "Amundsen, der damals schon ein älterer Herr war, ging davon aus, dass er natürlich gefragt wird, ob er bei der Suche mitmacht, dass er logischerweise sogar der erste wäre, der gefragt wird. Aber er wurde nicht gefragt."

Amundsen kehrt von der Suche nicht zurück

Amundsen, der Jubel und begeisterte Menschenmengen gewohnt war, wenn er von seinen Expeditionen zurückkehrte, fühlte sich schwer gedemütigt und stürzte sich in den Kampf, derjenige zu sein, der das Luftschiff "Italia" finden und Nobile retten würde. Christel Hildebrandt fasst das so zusammen: "Ziemlich zum Schluss, mit Unterstützung eines norwegischen Botschafters, bekam er die Möglichkeit, mit einem französischen Flugzeug zu starten, um sich an der Suche zu beteiligen."

Nobile wird gerettet, aber nicht von Amundsen. Amundsen kehrte von dieser Suche mit dem zur Verfügung gestellten Flugboot nicht zurück. Monica Kristensen beschreibt, was man inzwischen zusammengetragen hat, über diese letzte Reise eines doch als besonnen und gründlich geltenden Helden. Man hat später ein verlassenes Lager gefunden, wo Amundsen und seine Crew noch gewesen sind. Sie hatten italienischen Proviant und eine Kochmöglichkeit, Streichhölzer, Metalldosen, Treibholz. Aber dieses Lager müssen sie verlassen haben. Man hat ihre Leichen nie gefunden.

Die Autorin ist eine akribisch arbeitende Wissenschaftlerin

"Monica Kristensen ist eine Wissenschaftlerin und eine sehr akribisch arbeitende", sagt Übersetzerin Hildebrandt. "Sie hat also englische, norwegische und russische Quellen bearbeitet und zeichnet eben nicht nur ein Bild von Amundsen und von seinem Flug, sondern überhaupt von der ganzen Entwicklung damals. Welche Schiffe wo waren, wie sie unterstützt wurden, was die geladen haben oder dass mit Schiffen diese Flugzeuge dann nach Spitzbergen transportiert wurden. Es kommen ganz viele Einzelinformationen vor. Und das Tolle: Sie sind dabei noch unglaublich spannend beschrieben", begeistert sich die Übersetzerin.

Technisch und historisch interessierte Krimileser werden das Buch mit angehaltenem Atem verschlingen. Mit einem echten Cliffhanger zum Schluss. Man wünscht sich eigentlich eine Fortsetzung.

Amundsens letzte Reise

von
Seitenzahl:
464 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
btb
Bestellnummer:
978-3-442-75782-4
Preis:
22,00 €

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