Stand: 10.10.2019 14:06 Uhr

Literaturnobelpreise für Tokarczuk und Handke

2018 wurde kein Nobelpreis für Literatur vergeben - nun gibt es dafür gleich zwei Medaillen: Der Literaturnobelpreisträger 2019 heißt Peter Handke. Der österreichische Schriftsteller warf bereits mit seinem Roman "Die Hornissen" aus dem Jahr 1966 die Frage auf, wie sich überhaupt ein Roman schreiben ließe. Theaterstücke wie "Publikumsbeschimpfung" und "Kaspar" erzählten keine Geschichten, sondern spielten mit Versatzstücken der Sprache. Durch seine Freundschaften mit Wim Wenders und Claus Peymann kamen seine Stoffe auch ins Kino und ins Theater.

Die Literaturnobelpreise der vergangenen Jahre

Peter Handke: Schreiben als "Ein-Mann-Expedition"

Sein angeblich letztes Epos heißt "Die Obstdiebin". Viele Protagonisten aus früheren Büchern treten darin wieder auf, vor allem natürlich die Sprache: "Im Schreiben muss die Suchbewegung drin sein. Es ist eine Ein-Mann-Expedition in unbekanntes Land. Jedes Mal", sagte Handke einmal im Interview. Nun erhält der 76-Jährige, der 1973 mit 30 Jahren zum jüngsten Büchner-Preisträger aller Zeiten gekürt wurde, den Literaturnobelpreis.

Literaturnobelpreis 2018 für Olga Tokarczuk

Bild vergrößern
Die Schriftstellerin Olga Tokarczuk aus Polen wird rückwirkend für den Literaturnobelpreis 2018 ausgezeichnet.

Die Nobelpreisträgerin für Literatur 2018 ist die polnische Autorin Olga Tokarczuk. Ihr Romandebüt "Die Reise der Buchmenschen" aus dem Jahr 1993 wurde von der Gesellschaft der polnischen Buchverlage als bestes Prosadebüt ausgezeichnet. 2012 erhielt sie den Usedomer Literaturpreis für "die literarische und intellektuelle Manifestierung der Region Niederschlesien in der europäischen Geschichtserfahrung und in der polnischen Sprache". Vom schwedischen Nobelpreiskomitee wurde Tokarczuk für ihre "erzählerische Vorstellungskraft, die mit enzyklopädischer Leidenschaft das Überschreiten von Grenzen als Lebensform" vertritt, gelobt.

Nobelpreis: Wichtigste Auszeichnung im Literaturbetrieb

Der Nobelpreis für Literatur gilt als die begehrteste und wichtigste literarische Auszeichnung der Welt. Der Preis ist mit neun Millionen Schwedischen Kronen (rund 870.000 Euro) dotiert und wird seit 1901 fast jährlich vergeben. Nach dem Willen des Unternehmers und Stifters Alfred Nobel (1833-1896), der selber Gedichte und Dramen verfasste, soll das ausgezeichnete Werk von hohem literarischen Rang sein und dem Wohle der Menschheit dienen. Überreicht wird der Literaturnobelpreis am 10. Dezember, Nobels Todestag.

 

Ulrich Kühn © NDR Foto: Christian Spielmann

Kommentar zu den Literaturnobelpreisen 2018/19

NDR Kultur -

Die Erwartungen waren gewaltig und wie die Entscheidung auch ausfallen würde, sie konnte fast nur falsch sein. Ein Kommentar zur Vergabe der Literaturnobelpreise 2018/19.

4,64 bei 11 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

 

Weitere Informationen

NDR Kultur exklusiv: Olga Tokarczuk im Gespräch

Nach der Bekanntgabe war Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk exklusiv im Gespräch bei NDR Kultur. Wie ist es der Polin ergangen, seit sie den Anruf der Akademie erhielt? mehr

Literaturnobelpreis-Komitee mit Leseschwäche

Zwei Literaturnobelpreise sind in diesem Jahr verliehen worden. So weit, so schlecht. Bei der Preisträger-Auswahl wurde nämlich eine große Chance vertan, meint Jan Ehlert in seiner Glosse. mehr

Literaturnobelpreis: Alter Glanz durch neues Verfahren?

Heute werden gleich zwei Literaturnobelpreise vergeben: einer für 2019, der andere rückwirkend für das vergangene Jahr. Die Skandale von 2018 haben Spuren hinterlassen. mehr

Letztes Epos von Peter Handke

Man muss für Peter Handkes Text "Die Obstdiebin" ein wenig Geduld mitbringen und es mögen, dass man zwischendurch immer wieder tief und fest einschläft - und dabei intensive Träume hat. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 10.10.2019 | 13:00 Uhr