Literaturfestival "Hamburg liest Borchert" online gestartet

Stand: 18.05.2021 08:22 Uhr

Am 20. Mai wäre Wolfgang Borchert 100 Jahre alt geworden. Seine Geburtsstadt widmet dem Autor von "Draußen vor der Tür" ein liebevoll gestaltetes Literaturfestival: "Hamburg liest Borchert".

von Lennart Richter

Borchert, wo man geht und steht. In diesen Tagen ist der Hamburger Schriftsteller allgegenwärtig. Literaturreferentin Antje Flemming hat das Festival mitorganisiert und freut sich wie viele andere, dass er "nochmal aus der Versenkung geholt wird". Er sei nämlich auch ein Autor für junge Leute, sagt Flemming. "Es gibt schon so eine gewisse Leseart von Borchert und wir merken jetzt, dass man ihn auch ganz anders lesen kann."

Borchert an vielen Orten in der Stadt präsent

Seit gut neun Monaten laufen die Vorbereitungen für "Hamburg liest Borchert". Gefördert wird das Festival von der Kulturbehörde. Seit ein paar Wochen gibt es bereits ein kleinen Vorgeschmack: Vor besonderen Borchert-Orten stehen mobile Blumenkästchen. Sie zeigen, wo der Schriftsteller seine Spuren hinterlassen hat. Ausstellungen, Lesungen - auch das gab es auch schon per Livestream.

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Porträt von Wolfgang Borchert. © Montage picture alliance,  akg-images und imageBROKER Foto: Kevin Prönnecke

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"Man muss gar nicht unbedingt das Gesamtwerk durcharbeiten, mit Unterstreichungen oder so. Man kann sich auch einfach einen Liederabend anhören und hat dann nochmal einen ganz anderen Zugang", ist Antje Flemming überzeugt.

"Hamburg liest Borchert": viele Akteure aus Hamburg dabei

Erst in der vergangenen Woche wurde die "Borchert-Box", eine multimediale Ausstellung mit dem Nachlass des Schriftstellers, in der Staatsbibliothek eröffnet. Die Teilnahme am Borchert-Festival musste Antje Flemming auch anderen Hamburger Kulturinstitutionen gar nicht erst schmackhaft machen: "Es hat sich so fortgepflanzt. Die Leute haben sich gegenseitig davon erzählt und dann kamen immer mehr Leute, die ein Borchert-Programm hatten oder die sich schon immer mit Borchert beschäftigt hatten oder die mit Esther Bejarano eine Lesung am Grab von Wolfgang Borchert machen wollen. Also das war überhaupt nicht schwer."

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Bildmontage: Das letzte Foto von Wolfgang Borchert, bevor er 1941 als Soldat eingezogen wurde. Im Hintergrund sein Geburtshaus in Eppendorf und die Gedenktafel. © Wolfgang-Borchert-Archiv, Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, NDR.de Foto: Marc-Oliver Rehrmann, NDR.de

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Livestreams, Führungen und Lesungen zu Borchert

Ob an der frischen Luft oder im Internet, mit über 30 ganz unterschiedlichen Veranstaltungen beteiligen sich zahlreiche Buchhandlungen, Kulturvereine und Theater, wie die Kammerspiele oder das St.Pauli Theater, am Festival-Programm. Ein roter Faden in all den Podcasts, Führungen, Lesungen oder Livestream-Bühnenstücken: das Werk Borcherts.

Antje Flemming wirbt dafür, Borchert zu entdecken: "Man merkt, dass da ein ganz junger Autor schreibt, der sich noch ausprobiert, der wahnsinnig viele Alliterationsketten hat. Aber da ist eben auch eine Botschaft dahinter. Wir versuchen zu schauen, was bedeutet das eigentlich heute, wenn man geflüchtet ist, wenn man versucht, seinen Platz zu finden."

Die Ur-Aufführung seines weltberühmten Bühnenstücks "Draußen vor der Tür" erlebte Borchert gar nicht mehr. 1947 starb er mit nur 26 Jahren. Durch das vielfältige Jubiläums-Festivalprogramm lebt er bis in den Juni hinein auf.

Zur Online-Eröffnung der Jubiläumswoche am 17. Mai haben in den Hamburger Kammerspielen unter anderem Bürgermeister Peter Tschentscher, Isabel Bogdan, Charly Hübner, Simone Buchholz und Bela B Felsenheimer aus dem Werk Borcherts gelesen. Tickets für die Livestreams und Verantstaltungen gibt es auf der Internetseite von "Hamburg liest Borchert".

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Hörspielproduktion von "Draußen vor der Tür" 1947 © NDR/NWDR

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 17.05.2021 | 19:00 Uhr

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