Stand: 14.02.2019 11:04 Uhr

Leipziger-Buchmesse-Preis: Nominierte stehen fest

Am Donnerstag sind in den Sparten Belletristik, Sachbuch und Übersetzung die jeweils fünf Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse bekannt gegeben worden. Die endgültige Entscheidung fällt wie immer am Messedonnerstag, den 21. März, nach 16 Uhr in der großen Glashalle auf dem Leipziger Messegelände. Bis dahin stehen die von der siebenköpfigen Jury aus rund 360 eingereichten Büchern ausgewählten Kandidaten im Rampenlicht.

Ulrike Sárkány aus der NDR Kultur Literaturredaktion, sind Sie zufrieden mit den fünf Belletristik-Nominierungen?

Bild vergrößern
Ulrike Sárkány stellt gemeinsam mit Rainer Moritz am 5. März im Literaturhaus Hamburg die fünf Nominierten vor.

Ulrike Sárkány: Das kann ich rundheraus mit Ja beantworten. Man hatte ja schon gar keine Lust mehr auf diese seltsam kompromisslerischen Jury-Entscheidungen, aber diesmal hat es fünf absolut überraschende und jedes für sich lesenswerte Bücher getroffen.

Wer sind die fünf Kandidaten?

Sárkány: Ich beginne mit der Autorin, deren Buch aus dem Herbst 2018 ist: Anke Stelling mit ihrem Roman "Schäfchen im Trockenen", erschienen beim Verbrecher Verlag. Kenah Cusanit mit "Babel" vom Hanser Verlag, Matthias Nawrat mit "Der traurige Gast", bei Rowohlt erschienen, Jaroslav Rudiš mit "Winterbergs letzte Reise" aus dem Luchterhand Verlag und der in Kiel lebende Feridun Zaimoglu mit "Die Geschichte der Frau" von Kiepenheuer und Witsch.

Oh, das bedeutet ja, dass Feridun Zaimoglu diesmal der Altmeister, der Nestor ist!

Bild vergrößern
Feridun Zaimoglu gehört mit seinem Roman "Die Geschichte der Frau", der noch nicht erschienen ist, zu den Nominierten des Preises der Leipziger Buchmesse.

Sárkány: Ja, er ist mit seinen 54 Jahren der älteste von den fünf. Und: Nicht dass er noch keine Preise erhalten hätte in der Vergangenheit, aber er war in den letzten fünf bis zehn Jahren immerzu auf einer Liste, um dann doch leer auszugehen. Mit "Die Geschichte der Frau" hat er sich jetzt wieder noch etwas Größeres vorgenommen, größer als die Emigrantengeschichte in "Siebentürmeviertel" und die Luther-Geschichte in "Evangelio". Diesmal schreibt er so etwas wie ein feministisches Manifest, bei dem er mit einer Frau des Moses anfängt, 1500 Jahre vor Christus, und sich dann über zum Beispiel Antigone, Brunhild und Lore Lay so langsam in die Neuzeit vorarbeitet. Und dort hat er dann Leyla, die Gastarbeiterin, die ja auch die Titelfigur seines Romans von 2006 ist, und am Ende Valerie Solanas, die Radikalfeministin, die auf Andy Warhol geschossen hat.

Ist das dann auch schon Ihr Wunsch-Gewinner?

Sárkány: Ich würde Feridun Zaimoglu den Preis von Herzen gönnen, noch dazu mit der "Geschichte der Frau". Aber Anke Stelling ist auch eine Favoritin in meinen Augen. Sie hat schon vor vier Jahren mit ihrem Roman "Bodentiefe Fenster" das besondere Kunststück fertiggebracht, über so eine bundesdeutsche Durchschnittsexistenz eine spannende und irgendwie tragikomische Geschichte zu erzählen, und das ist ihr mit "Schäfchen im Trockenen" auch wieder gelungen. Sie erzählt von einer Frau, die zu lange am Traum vom alternativen Leben hängt. Also etwas ganz Jetztzeitiges und auch in keiner Weise Exotisches. Das muss man erstmal können.

Die Namen Kenah Cusanit, Matthias Nawrat und Jaroslav Rudiš klingen ein ganz klein bisschen exotisch...

Sárkány: Matthias Nawrat kommt aus Polen ursprünglich und Jaroslav Rudiš aus Tschechien. Aber sie sind inzwischen beide relativ bekannte deutschsprachige Schriftsteller. Und Kenah Cusanit ist 1979 in Blankenburg geboren. Sie ist Ethnologin und Orientalistin und hat bisher Essays, Gedichte und Erzählungen in kleinen Verlagen veröffentlicht. "Babel" ist jetzt ihr erster Roman, Ende Januar beim Hanser Verlag erschienen, und handelt von einer historischen Ausgrabung 1913 in Bagdad. Da geht es um die Wiege der Menschheit, um Sprachengewirr, um die Geschichte der Region von Syrien bis zum Irak - und das alles ist nicht einmal humorfrei.

Programm-Tipp

Die Aufzeichnung des Abends im Literaturhaus in Hamburg mit Ulrike Sárkány und Rainer Moritz sendet NDR Kultur am 17. März im Sonntagsstudio.

Matthias Nawrats Roman "Der traurige Gast" haben wir schon vorgestellt, das ist ein ziemlich autobiographischer Text aus dem Berliner Winter 2016, und "Winterbergs letzte Reise" von Jaroslav Rudiš erscheint übernächsten Montag, dann stellen wir den auch noch ausführlich vor. Zaimoglus "Geschichte der Frau" kommt überhaupt erst am 7. März heraus, falls der Verlag jetzt nicht den Erscheinungstermin vorzieht, denn am 5. März stellen Rainer Moritz und ich schon alle fünf Kandidaten im Literaturhaus in Hamburg vor.

Weitere Informationen

Roman von Matthias Nawrat: "Der traurige Gast"

Die Erlebnisse eines namenlosen Ich-Erzählers in Matthias Nawrats Roman "Der traurige Gast" bleiben Geschichten aus zweiter Hand. Sie ziehen sich in die Länge und lassen den Leser kalt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 14.02.2019 | 10:20 Uhr

Mehr Kultur

05:41
NDR Fernsehen
04:47
Kulturjournal
54:22
NDR Info