Stand: 07.06.2018 14:36 Uhr

Die Welt ist nicht so schlecht, wie alle glauben

Factfulness
von Hans Rosling, Anna Rosling Rönnlund, Ola Rosling
Vorgestellt von Ralf Dörwang
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Das Buch "Factfulness" von Hans Rosling zeigt: Die Welt ist besser als gedacht.

Katastrophen, Kriege, Klimawandel: Um unsere Welt steht es so schlecht wie nie zuvor. Denken wir zumindest. Doch die Fakten des schwedischen Wissenschaftlers Hans Rosling zeigen: Es gibt mehr Fortschritt als wir glauben. Die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt weltweit liegt heute bei über 70 Jahren. Mehr als 80 Prozent aller Kinder sind geimpft. In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Anteil der in extremer Armut lebenden Weltbevölkerung mehr als halbiert. Ob Schulbildung der Mädchen, Zugang zu sauberem Wasser, Staaten mit Demokratie, Frauenrechte - die Kurven zeigen nach oben.

Im vergangenen Jahr starb Rosling, sein Sohn und seine Schwiegertochter haben sein letztes Buch "Factfulness" beendet und jetzt veröffentlicht. Mit offiziellen Daten von Weltbank, Weltgesundheitsorganisation und eigenen Recherchen wollen sie zeigen: Die Welt ist gar nicht so schlecht, wie wir alle glauben!

Das Gehirn behält vor allem das Negative

"Es liegt vielleicht daran, dass sich die Medien nur die wirklich üblen Dinge herausgreifen", sagt Anna Rosling Rönnlund. "Und unser Gehirn erledigt beim Sehen und Lesen dann den Rest: Es behält vor allem das Negative. Aber so funktioniert unsere Gesellschaft im Ganzen nicht. Sie entwickelt sich immer weiter. Aber so langsam, dass wir das in der Regel gar nicht als etwas Besonderes wahrnehmen."

Die "überdramatisierte Weltsicht" ist riskant

Die "überdramatisierte Weltsicht" nennen die Roslings unseren gepflegten Pessimismus. Dabei sei vieles besser geworden. Na, dann können wir die Hände ja getrost in den Schoß  legen, oder? "Ich glaube, es ist genau andersherum", sagt Anna Rosling Rönnlund. "Die überdramatisierte Weltsicht, die wir gemessen haben, ist doch riskant. Dann setzten wir setzen uns erst gar nicht mehr für etwas ein, weil wir glauben, alles ist so schlecht, hat ja eh keinen Sinn. Aber ein nüchterner Blick auf die Welt zeigt: Es geht voran. Es lohnt sich, etwas zu tun. Ich hoffe, dass die Menschen diese Zuversicht bekommen."

"Die Welt ist eng zusammengerückt"

Die Roslings sind nicht naiv, keine Schönfärber. Immer noch lebt eine Milliarde Menschen in lebensbedrohlichen Verhältnissen. Aber was kaum jemand wahrgenommen hat: Die Mehrheit der Ärmsten hat seit den 80er-Jahren enorm aufgeholt: aus schlimmster Armut Richtung Mitte. Es gibt eine Kluft zwischen Arm und Reich. "Aber zwischen den beiden Extremen leben heute Menschen aller Einkommensklassen. Und die meisten leben in der Mitte, so gesehen gibt es diese Kluft nicht mehr", sagte Hans Rosling im vergangenen Jahr. "In meiner Lebenszeit holten sich die Kolonien ihre Unabhängigkeit und wurden auch immer wohlhabender. Und heute: Die Welt ist eng zusammengerückt. Alle Menschen werden älter und es geht ihnen besser. Ich sehe einen klaren Trend: Jedes Land kann es schaffen, in die friedliche, gesunde und wohlhabende Ecke aufzusteigen."

Factfulness

von
Seitenzahl:
400 Seiten
Genre:
Sachbuch
Verlag:
Ullstein
Bestellnummer:
978-3-550-08182-8
Preis:
24 €

Dieses Thema im Programm:

Bücherjournal | 13.06.2018 | 00:00 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/kultur/buch/Hans-Roslings-Buch-Factfulness,factfulness104.html

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