Stand: 08.03.2020 14:12 Uhr

Bildband gibt Einblicke in Frida Kahlos Leben

von Stefanie Groth

Sie ist das künstlerische Gesicht Mexikos: Frida Kahlo. Die Malerin und Avantgardistin, war eine Meisterin der Selbstinszenierung, die sich gerne in traditioneller mexikanischer Tracht zeigte. In ihren Zeichnungen verarbeitete Frida Kahlo persönliche Rückschläge und Liebschaften. Ein neuer Bildband zeigt nun - nicht Gemälde, sondern Schnappschüsse und Fotografien aus Kahlos privatem Fotoarchiv. Es umfasst 6.500 Bilder und wurde erst 2007 - viele Jahre nach ihrem Tod - öffentlich zugänglich. Der Bildband ermöglicht einen seltenen, intimen Einblick in Kahlos Privatleben.

Frida Kahlo im Morgenmantel auf der Terrasse vor dem Blauen Haus, die halblangen Haare schnell mit einem Haarreif zurückgekämmt, die Hände locker vor dem Bauch verschränkt, eine Kippe im Mundwinkel. Sie war eine moderne, starke Frau. Kahlo schreibt auf die Rückseite: "Hier hat sich dein Mädchen im August 1930 porträtiert und widmet dir this photo of amor."

Eine schwere Krankheit macht Kahlo zu schaffen

Kahlo liegt in einem Krankenhausbett. Ein schwerer Busunfall hat ihr eine Metallstange durchs Becken gerammt. Fast stirbt sie an ihren inneren Verletzungen. Aber nun liegt sie da, wach und aktiv. Über ihr ein monströses Gestell, eine Leinwand, die sie hat anfertigen lassen. Die ihr erlaubt, mit hoch gestrecktem Arm zu malen, obwohl sie ans Bett gefesselt ist. Ihr Kopf fixiert in einem Streckverband.

Entgegen allen medizinischen Prognosen lernt Frida Kahlo wieder gehen, litt aber ihr ganzes Leben unter den Folgen des schweren Unfalls, verbrachte ihren Alltag fortan immer wieder liegend oder in einem Stahlkorsett. Das Malen wurde zum Ausdruck ihrer seelischen und körperlichen Qualen.

Einblicke in Frida Kahlos Privatleben

Ihre gesammelten Fotografien dienten ihr als Inspiration, Motivvorlage und Erinnerung. Sorgfältig und liebevoll ging sie damit um. Sie sammelte Aufnahmen ihrer Wegbegleiter, tauschte Bilder mit berühmten Fotografen wie Tina Modotti und Martin Munkácsi oder drückte selbst auf den Auslöser. Private Schnappschüsse, darunter Fotos des Malers Diego Rivera, den sie 1929 heiratete.

Rivera, verwuschelte Haare, offenes Hemd und dunkles Jackett, sitzt am Küchentisch. Auf seinem Schoß ein kleines Mädchen, schüchterner Blick in die Kamera. Es ist seine Tochter Guadalupe, mit der Frida Kahlo ihn hier ablichtet.

Kahlo war oft unglücklich in ihrer Ehe mit Rivera, der zahllose Affären hatte. Sie ließen sich scheiden und heirateten 1940 wieder. Auch sie stürzte sich in ständig wechselnde Liebesabenteuer mit Frauen und Männern. Ihr Geliebter, der bekannte Fotograf Nickolas Muray, blieb ihr stets ein treuer Begleiter. Viele der Fotos in ihrem Archiv stammen von ihm.

Kahlos Interesse an Fotografie stammt vom Vater

Gern "signierte" Kahlo ihre Lieblingsfotos mit einem Lippenstiftkuss oder notierte am Rande ihre Gedanken. Bemalte sie, schnitt Details heraus. Ihre Liebe und Kenntnis der Fotografie erbte Kahlo von ihrem Vater. Guillermo Kahlo wanderte von Deutschland nach Mexiko aus, wurde bald zum bekanntesten Fotografen des Landes.

Er vergötterte seine Tochter. Oft saß sie ihm Modell, durfte ihn oft auf seinen Exkursionen begleiten und beim Entwickeln der Fotos helfen. Die Vorliebe ihres Vaters für Selbstporträts beeinflusste ihr eigenes Werk wesentlich. Schon in ihren Kinderfotos wird deutlich, wie verblüffend gut sie ihre besten Seiten und Posen kannte.

Rivera richtet nach Kahlos Tod ein Museum ein

1954 starb Kahlo an einer Lungenembolie. Da war sie 47 Jahre alt. Nach ihrem Tod stiftete Diego Rivera das Blaue Haus dem mexikanischen Volk, um dort ein Museum einzurichten, doch ihre Fotosammlung wurde weggepackt. Ein verborgener Schatz, über 6.000 Bilder, über fünfzig Jahre in Schränken und Kommoden weggeschlossen, neben Zeichnungen, Briefen, Kleidern, Medikamenten.

Der Bildband zeigt eine Auswahl von 400 Aufnahmen. Die schwarz-weißen Fotografien vermitteln einen intimen Einblick in Kahlos durch Krankheit, Kunst und politischen Kampf geprägtes Leben. Sie zeigen Familie, Liebhaber und Freunde. Vor allem aber zeichnen sie ein sehr intimes Bild der Frau hinter der mexikanischen Ikone. Eine Frau, so gefangen und doch so frei zugleich.

Frida Kahlo - Ihre Fotografien

von Hilda Trujillo (Hg.)
Seitenzahl:
524 Seiten
Genre:
Bildband
Zusatzinfo:
Hardcover mit Schutzumschlag, 16,5 x 23,0 cm, 401 farbige Abbildungen
Verlag:
Prestel
Bestellnummer:
978-3-7913-8615-7
Preis:
38,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 08.03.2020 | 17:40 Uhr

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