Cover des Buches "Motörhead oder Warum ich James Last dankbar sein sollte" von Charly Hübner © KiWi Verlag

Charly Hübner und sein "Motörhead"-Urschrei

Stand: 29.09.2021 17:44 Uhr

Der bekannte Schauspieler Charly Hübner ("Polizeiruf: Rostock") hat jetzt seine Liebesgeschichte mit der Heavy-Metal-Band Motörhead aufgeschrieben. Im NDR Podcast "Feel Hamburg" hat er davon erzählt.

von Daniel Kaiser

Kaum erklingt ein Song von Motörhead, greift Charly Hübner zur Luftgitarre. "Playing for the high one, dancing with the devil, Going with the flow, it's all a game to me." Hübner hat bis heute sichtlich Spaß an dem Tempo, der Lautstärke und der Kraft dieser Musik, die damals, Mitte der 80er Jahre, wie eine Naturgewalt in seine frühe Jugend in Mecklenburg einbrach.

"Meine Eltern hörten Schlager, Schlager, Schlager", erinnert er sich. "Mich hat das als Kind fertig gemacht. Dann landete über vier Ecken erst eine AC/DC Platte und dann eine Kassette mit Motörhead bei mir", erzählt Hübner im NDR Podcast "Feel Hamburg".

Umwerfende Motörhead-Begegnung: "Ich dreh durch!"

Diesen Erweckungsmoment hat Charly Hübner jetzt in seinem ersten Buch, im Rahmen der KiWi-Musikbibliothek, in der Prominente ihre persönlichen Geschichten mit Musikern oder Bands erzählen, festgehalten.

"Es folgt die originalgetreue Wiedergabe der Gedanken, die mir am 5. Juni 1987 zwischen 10.21 Uhr und 10.25 Uhr durch den Kopf schossen. +++ Es wird nicht gesungen, sondern gerufen.+++ Die wollen mich nur anschreien. +++ Meine Beine wollen zappeln. +++ Die verschnaufen wohl nie! +++ Es klingt wie Chaos. +++ Wie eine Hymne! +++ Es ist irre schnell! +++ Es ist wie eine Verarsche von all der Musik, die ich kenne. +++ Das klingt härter, gemeiner, wütender und lauter als alle, alle Songs, die ich auf den Volks-, Schützen-, Neptun-, See- und Erntefesten, Karnevalstänzen und Discoabenden in meinem ganzen Leben gehört habe. +++ Es fühlt sich an, als würde mich die ganze Zeit jemand schubsen. +++ Ich verstehe kein Wort! – Schulenglisch ist scheiße – "Hello. My name is Harry Old. I am a reporter!" - Das ist alles, was ich kann. +++ Scheiße ey! Wirklich! +++ Das ist so hart! +++ Ich dreh durch! +++" Leseprobe

Mit der Musik von Motörhead alle Konventionen abwerfen

Das Buch ist kein musikjournalistisches Bandportrait geworden, sondern Hübner erzählt literarisch gewitzt von seinem Erwachsenwerden und von der Befreiung, die diese Musik für ihn bedeutete. "Ich bin ein Zappelphilipp gewesen und bin es immer noch - heute nur etwas schwerer drumherum", grinst der beliebte Schauspieler, der zum festen Ensemble des Hamburger Schauspielhauses gehört.

"Es war damals dieser Urschrei, mit dem man alle Konventionen abwirft." In den Motörhead-Songs ist immer wieder vom Teufel die Rede, und so reist Hübner konsequenterweise mit dem alles spitz kommentierenden Teufel in seine mecklenburgische Vergangenheit und streift dabei auch die mit Teufelssagen umrankten Orte der Region.

Selbstgemalte Band-T-Shirts

In der DDR gab es natürlich keine Band-T-Shirts, deshalb musste er sich eines selber basteln und die effektvollen Motive abpausen. "Das Snaggletoth-Monster von Motörhead war natürlich für präpotente Jungs wie uns ein deutlich männlichkeitssteigerndes Symbol. Leider gab es in jenem Sommer in der DDR nur hellblaue T-Shirts und nur rote Textilfarbe. Es sah ziemlich schief und blöd aus, war aber zu erkennen", lacht Hübner.

Witzig auch, wie Hübner den Besuch der Oma eines Freundes in einem Berliner Plattenladen rekonstruiert, die für den Enkel und seine Freunde Heavy Metal Platten besorgen soll. Eigentlich wollte Hübner grundsätzlich kein Buch schreiben. Im Lockdown häuften sich dann aber die Anfragen der Verlage, und er hat noch mal neu überlegt. Herausgekommen ist ein unterhaltsames literarisches Debüt eines spannenden, reflektierenden Schauspielers.

Geschichte seines Spitznamens "Charly"

Im Podcast "Feel Hamburg" erzählt Hübner von der Entstehung des Buches und auch, wie er zu seinem Spitznamen Charly kam, warum er beim Polizeiruf aufgehört hat und wie er die Zusammenarbeit mit seiner Frau Lina Beckmann auf der Bühne oder vor der Kamera erlebt.

 

 

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Motörhead - oder Warum ich James Last dankbar sein sollte

von Charly Hübner
Seitenzahl:
176 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
KiWi
Veröffentlichungsdatum:
07.10.2021
Bestellnummer:
978-3-462-00135-8
Preis:
12,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 29.09.2021 | 19:00 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/kultur/buch/Charly-Huebner-Motoerhead,motoerhead106.html

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