Stand: 20.12.2018 13:52 Uhr

Buchtipps: Neuerscheinungen zur Architektur

Für den Gabentisch zu Weihnachten könnten drei Neuerscheinungen über die Architektur des 20. Jahrhunderts vom Wiener Jugendstil über das Bauhaus in Tel Aviv bis zu den organischen Formen Friedensreich Hundertwassers spannend sein.

"Wien 1900" von Christian Brandstätter und anderen

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Der Band "Wien 1900" bietet auf 544 Seiten 1.500 Abbildungen.

"Wien 1900" nennt sich die neue Luxusausgabe des dortigen Brandstätter Verlags. Ein mit 100 Euro recht teurer Prachtband mit Leineneinband und Kupferplatte auf der Titelseite, die ganz an ähnliche Werke der damaligen Jahrhundertewerke anknüpfen. Die strenge Wiener Moderne des Jugendstils blühte parallel zur eher verspielten Flora und Fauna der zeitgleichen Pariser Weltausstellung mit ihrer eigenen, klaren Struktur und als realisierter Traum des Gesamtkunstwerks - mit Josef Hoffmann als alles überragenden Protagonisten. Kunst, Design, Architektur, Möbel, Musik und Mode im Schmelztiegel der damals am schnellsten wachsenden Metropole des Kontinents.

Das Buch reflektiert ebenso Ausstellungen, Plakate und Kataloge der damaligen Zeit. Oskar Kokoschka, Max Oppenheimer, Arnold Schönberg, Egon Schiele, Gustav Klimt und viele andere Vertreter der Wiener Secession werden auf 530 Seiten gewürdigt. Trotz einer didaktischen Schwäche bei der Zuordnung zum gleichzeitigen Niedergang der k. u. k. Monarchie, ist dem Brandstätter Verlag ein Standardwerk über den Wiener Jugendstil gelungen.

"Form and Light - from Bauhaus to Tel Aviv" von Yigal Gawze

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Fotograf Yigal Gawze hat mit seinem Buch ein lebendiges Porträt des UNESCO-Weltkulturerbes der Weißen Stadt in Tel Aviv geschaffen.

In die Bauhaus-Moderne im Tel Aviv der 20er-Jahre verführt uns der Fotograf Yigal Gawze in einem Band des Hirmer Verlags. Der englische Titel "Form and Light" - "Form und Licht" - weist auf die einmalige Wirkung dieses genialen Baustils im Licht des Mittelmeerraumes hin. Gawzes lebendiges Porträt des UNESCO-Weltkulturerbes spiegelt mit beeindruckenden Farbfotografien die schlichte Eleganz der Bauhaus-Architektur. Inspirierende Detailaufnahmen von Fassaden, Fenstern, Simsen können durchaus mit bereits bekannten Schwarz-Weiß-Fotobänden der Avantgarde der 1920er-Jahre mithalten.

Rund 4.000 Gebäude prägen die weltberühmte Weiße Stadt Tel Avivs, deren einst frei sichtbare Ästhetik heute leider hässliche Neubauten erdrücken. Umso wichtiger ist also diese erneute fotografische Spurensicherung: Nur hier trafen sich europäisches Bauhaus und Kultur des Mittelmeerraums. Sie bilden einen schweigenden Appell an die gegenwärtige architektonische Moderne, die ästhetischen Formen und klaren, oft poetischen Linien nicht zu vergessen, um unseren Alltag mit einfachen Mitteln schöner zu gestalten. Das faszinierende Porträt der "leuchtenden Stadt" offenbart mit immer wieder überraschenden Detailaufnahmen auch im Fragment das durchaus poetische Wesen der Bauhaus-Architektur und ist mit 45 Euro nicht zu teuer.

"Hundertwasser" von Pierre Restany

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Pierre Restany zeigt in seinem Buch "Hundertwasser" die intensive Leuchtkraft und die organischen Formen, die der österreichische Maler, Architekt und Umweltaktivist schuf.

Um die Tristesse der fantasielosen Gegenwartskultur geht es auf 95 Seiten in der kleinen Reihe 2.0 des Taschen Verlags über Friedensreich Hundertwasser. Der 2000 in Neuseeland bestattete österreichische Maler, Architekt und Umweltaktivist wollte mit seiner Kunst gesellschaftspolitisch eingreifen. Er polarisierte stets und wurde ebenso schnell zum Helden. Die Neuauflage der Hundertwasser-Hommage des verstorbenen Kritikers Pierre Restany zeigt die intensive Leuchtkraft und die organischen Formen, die sich gegen die geraden Linien und den rechten Winkel wenden.

Durch die kulturelle Auseinandersetzung mit der Totalität der Globalisierung ist Hundertwassers Gesamtwerk angesichts des schnellen Klimawandels und der soziokulturellen Verelendung durch Smartphones aktueller denn je. Sein deutsches Meisterwerk, die grüne Zitadelle in Magdeburg, ist heute eine Insel der Ruhe. Das fragmentarisch erhaltene Hundertwasser-Café in Hamburg-Ottensen und die Umgestaltung des Bahnhofs in Uelzen sind denkmalwürdige Spuren seines Schaffens bei uns im Norden. In dieser sehr gelungenen Chronologie für nur 10 Euro zeigt sich das Aufbäumen des Malerkönigs Hundertwasser: gegen die Tyrannei der Hässlichkeit und für die permanente Aufklärung durch öffentliche Reden, neue Gebäude, Plakate, Aktionen oder einfach die Gestaltung von Briefmarken.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 15.12.2018 | 10:55 Uhr

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