Stand: 17.10.2019 11:49 Uhr

Irischer Krimi über einen missglückten Drogendeal

Blutwunder
von Lisa McInerney, aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence
Vorgestellt von Stefan Maelck
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Lisa McInerneys Krimi zeichnet sich durch einen poetischen Stil aus.

Lisa McInerneys Debütroman "Glorreiche Ketzereien" war für den Irish Book Award und den Dylan Thomas Award nominiert - das passiert eher selten mit einem Buch, das eigentlich ein Kriminalroman ist. Aber "Glorreiche Ketzereien" war viel mehr: ein Buch über irische Geschichte und Gegenwart, groteske und pure Poesie. Gerade ist nun die deutsche Übersetzung des Nachfolgers erschienen: "Blutwunder". Ryan Cusack ist zurück, älter aber kein bisschen weiser oder gar nüchterner.

Gras rauchen in Amsterdam und Ecstasy-Pillen einwerfen in Neapel - so geht es für die Drogendealer aus dem erzkatholischen Cork weiter.

Die Sache nimmt Fahrt auf, als Ryan nach einer Woche Sommerurlaub in Neapel mit der profunden Beobachtung nach Hause kommt, dass die Pillen da echt besser sind, was er aus zwei durchgemachten Nächten mit null Kopfschmerzen schließt. Das setzt sich in Dans Hirn fest und entwickelt sich da zu so etwas wie einer Strategie. Als es Herbst wird, zieht er erste vertrauliche Erkundigungen ein. Als es Winter wird, organisiert er einen Besuch. Leseprobe

Was für ein Einstieg. Man hat sofort den Sound von "Glorreiche Ketzereien" wieder im Ohr, ein Roman, der im Kopf geblieben ist, ein Roman, auf den man sich auch mit Nicht-Krimi-Lesern einigen konnte.

"Blutwunder": Lisa McInerney schreibt poetisch

Übersetzer Werner Löcher-Lawrence ist es gelungen, den Ton von Lisa McInerney genau zu treffen: den Sog, den Schwung, die Dichte, das Geheimnisvolle. Denn mehr als bei vielen anderen Kriminalromanen muss man hier über den einzigartigen und poetischen Stil der Autorin sprechen.

Doch dabei darf man natürlich den Fall nicht aus den Augen verlieren. Ryan Cusack ist 20, Sohn eines Iren und einer Neapolitanerin, hat schon eine Karriere als Dealer hingelegt, obwohl er eigentlich Musiker werden wollte. Hat eine Haftstrafe abgesessen, gerade eine Depression überwunden und widmet sich wieder dem, was er neben Klavierspielen am besten kann.

Ryan sitzt mit einem einsamen Neapolitaner in einem Eckzimmer, und sie reden, während es in der Stadt unten dunkel wird. Das MDMA wird in Estland hergestellt, in Neapel in Pillenform gebracht und nach Cork geliefert werden, während sich Dans Geld in die Gegenrichtung bewegt. Der Neapolitaner ist unbeeindruckt. Ecstasy, eine Probesendung von fünfzigtausend für fünfzigtausend, nur um die Route zu testen, alles im Voraus bezahlt, ein Fünfzigtausend-Euro-Risiko für einen brandneuen Lieferweg, und Ryans Bedenken kommen Monate zu spät. Leseprobe

Gescheiterter Drogendeal und Frauengeschichten

Der Deal geht schief, die Pillen gehen verloren. Dan macht Druck, seine Idee, den Pillenmarkt in Cork zu übernehmen, wird von allen Seiten torpediert, schließlich gibt es ja noch Jimmy Phelan, den Anführer des organisierten Verbrechens der Stadt.

Und dann bekommt Ryan auch noch den Laufpass von Karine und fängt was mit Natalie an - die eigentlich Dans Freundin und Buchhalterin ist. Aber davon erfährt Ryan erst viel zu spät, genau wie von Karines Schwangerschaft.

Überraschender Showdown

Ryan stürzt sich in die Musik, aber stärker noch in die Drogen. Die Sache läuft aus dem Ruder. Dan will Köpfe rollen sehen, JP auch. Ryans Kopf steht bei beiden ganz oben auf der Liste.

Dan drückt den Lauf oben auf Ryans Nasenwurzel. "Gott ...", fängt Ryan an, doch dann versagt seine Stimme. Er legt die Hände auf die Tür hinter sich, aber sie rutschen weg. Seine Knie geben nach. ... "Weißt du, was tragisch ist?", keucht Dan. "Kein Sünder dieser Welt wird dich vermissen, Cusack. Ich bin der einzige Verbündete, den du hattest, und gerade mich musstest du verraten." Leseprobe

Der Showdown ist voller Überraschungen. Als Ryan so langsam dämmert, dass er der Schlüssel ist, erkennt er auch, durch welche Türen er gehen muss, um irgendwie mit dem nackten Leben davon zu kommen. Ecstasy ist nichts gegen diesen Roman.

Blutwunder

von
Seitenzahl:
336 Seiten
Genre:
Krimi
Verlag:
Liebeskind
Bestellnummer:
978-3-95438-110-4
Preis:
22,00 €

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