Stand: 04.09.2018 08:38 Uhr

Zu Besuch bei Jonas Jonasson

von Christian Schewe

Jonas Jonasson ist so etwas wie ein Literaturstar, nicht nur in Schweden. Der Mann, der Allan Karlsson schuf, den "100-Jährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand". Am 6. September erscheint sein neues Buch, geschrieben in seiner Wahlheimat auf Gotland. Dorthin lässt Jonas Jonasson nur selten Besucher - Christian Schewe war dort.

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Jonas Jonasson (li.) mit Christian Schewe.

Möchte man sich irgendwo in Schweden verstecken oder ganz einfach seine Ruhe haben, tut man dies am besten irgendwo ganz oben im Norden, in Lappland. Oder auf Gotland, mitten in der Ostsee. Für Letzteres hat sich Jonas Jonasson entschieden. Der Mann, dessen Bücher weltweit über 15 Millionen Mal verkauft worden sind, arbeitet in einer Scheune. "Made in Gotland", steht draußen dran. So heißt die Firma von Jonas Jonsson, der eigentlich gar kein Gotländer, sondern waschechter Småländer ist. Bevor ich anklopfen kann, öffnet er die Tür. Graue Hose, blaues Hemd. Er bittet mich hinein.

Jonas Jonassons Schaffen im Überblick

Gotland: Der perfekte Ort für Jonasson

"In vielerlei Hinsicht ist das hier ein perfekter Ort für mich", erzählt Jonasson. "Es gibt so etwas wie gotländische Mentalität. Sie gibt dir Ruhe. Ein richtiger Gotländer regt sich niemals auf. Wenn die Fähre ausfällt zum Beispiel, oder der Flug verspätet ist. Wir sagen hier: Ok, es gibt auch noch morgen eine andere Fähre." Und diese Ruhe hat er gebraucht nach dem Rosenkrieg mit seiner Frau, seinen Depressionen, von denen ich rein gar nichts mehr spüren kann.

Auf dem Tisch hat Jonasson einen Zimt-Hefe-Zopf aufgeschnitten. Es ist mehr als gemütlich in dem alten Gebäude. Ich möchte natürlich wissen, wie er auf die schräge Idee mit Allan Karlsson kam, dem 100-Jährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand: "Vor vielen, vielen Jahren habe ich in einem kleinen Bahnhof gesessen, und da kam tatsächlich dieser alte Mann mit einem riesigen Koffer. Er musste offensichtlich auf die Toilette. Es war eine wirklich sehr, sehr kleine Toilette. Das Lustige daran war den Moment zu bemerken, als der Mann darüber nachdachte, wie er das anstellen sollte - gemeinsam mit diesem riesigen Gepäckstück."

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Wenn das Schreiben zur Arbeit wird

Jetzt also Buch Nummer vier. Lange war der Inhalt ähnlich gut behütet wie die Kronjuwelen des schwedischen Königs. Auf die Frage aber, wie er es denn so angeht mit dem Schreiben, holt Jonas Jonsson weit aus: "Ich beginne immer hier zu Hause mit dem Schreiben, aber draußen in meinem Büro in der Scheune. Und wenn ich dann gelegentlich nicht weiterkomme, dann nehme ich das Auto und fahre nach Visby, in die Insel-Hauptstadt zur Bücherei. Da gibt es einen speziellen roten Sessel für mich, an dem ich immer arbeite. Klappt es da auch nicht mit dem Schreiben, dann gehe ich in eines der vielen Cafés außerhalb des Stadtzentrums. Und wenn es dort wieder nicht hinhaut, dann nehme ich es wie ein echter Gotländer und sage: Hey, morgen ist auch noch ein Tag."

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Menschenscheu? Nicht für die Leser

Gerade jetzt, wenn ein neues Buch erscheint, häufen sich die Einladungen zu TV-Shows und Promi-Partys. Fast immer sagt Jonasson ab. "Das Beste ist es, draußen bei den Lesungen zu sein und die Leser zu treffen. Ich werde nie müde, glückliche Leser zu sehen, die mir sagen, dass sie mögen, was ich schreibe. Oft sagen die Menschen: Oh, ich liebe Ihre Bücher, aber das haben Sie bestimmt schon hundertmal gehört. Und dann antworte ich: Ja, ich hab das tatsächlich schon hundert Mal gehört, aber nicht von Ihnen. Also vielen Dank!"

Dann greift Jonas Jonasson zu Kaffee und Kuchen. Wir sitzen noch eine ganze Weile beisammen, reden über Gott und die Welt und darüber, dass er gerade eine neue Idee geboren hat - nachzulesen dann irgendwann im nächsten Buch von Jonas Jonasson.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 05.09.2018 | 07:20 Uhr

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