Die Lyrikerin Amanda Gorman spricht bei der Amtseinführung Joe Bidens an einem Rednerpult. © picture alliance / ASSOCIATED PRESS Foto: Saul Loeb

Schule in Florida verbietet Amanda Gormans "The Hill We Climb"

Stand: 24.05.2023 15:03 Uhr

Bei der Amtseinführung von Joe Biden hat die junge US-Poetin Amanda Gorman das Gedicht "The Hill We Climb" vorgetragen. Wegen vermeintlicher Hassbotschaften hat eine Schule in Florida das Gedicht nun für Grundschüler verboten.

Das Bob Graham Education Center im Großraum Miami hat das Buch für Grundschüler verboten, nachdem ein Elternteil Beschwerde eingelegt hatte. Gormans Gedicht sei nicht pädagogisch und beinhalte "indirekte Hassbotschaften". Die Funktion des Buches bezeichnete die Mutter als "Indoktrination". Schüler der Mittelstufe können auf das Buch weiterhin zugreifen, wie die Zeitung "Time" berichtete.

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Cover des Buchs "The Hill We Climb" von Amanda Gorman

Amanda Gormans "The Hill We Climb" auf Deutsch

Das Gedicht der 22-jährigen Poetin hat weltweit beeindruckt und ist nun in deutscher Übersetzung erschienen: "Den Hügel hinauf". mehr

Amada Gorman zeigt sich schockiert

Sie sei niedergeschlagen, schreibt Amanda Gorman in einem Statement auf Instagram. Buchverbote seien zwar nicht neu, aber auf dem Vormarsch. Im Vergleich zu 2021 seien 2022 laut dem Amerikanischen Bibliotheksverband 40 Prozent mehr Bücher angefochten worden.

Gemeinsam mit ihrem amerikanischen Verlag Penguin Random House und PEN America wolle sie in einem Gerichtsprozess gegen Buchverbote wie dieses vorgehen. "Gemeinsam werden wir diesen Berg nicht nur erklimmen, sondern auch bezwingen", schließt sie ihr Statement.

Amanda Gorman: US-Dichterin mit starkem Wiedererkennungswert

Das knapp sechs Minuten lange Gedicht macht Amanda Gorman am 20. Januar 2021 weltberühmt. Sie trägt anlässlich der Vereidigung von US-Präsident Joe Biden das Gedicht "Den Hügel hinauf" vor.  Gorman ist die jüngste Dichterin, der eine solche Ehre zu Teil wurde. Die Schwarze Poetin, die aus Kalifornien stammt, ist sich ihrer Wirkung bewusst, auch die ihres Outfits: den knallgelben Mantel, den roten Haarreif hat sie nach eigener Aussage mit viel Bedacht gewählt. Ihre Kleidung hat einen solchen starken Wiedererkennungswert dass ihre Fans, darunter vor allem viele schwarze Mädchen, das Outfit nachahmen, wie ein Superheldenkostüm. Amanda Gorman ist wohl auch deswegen nicht nur ein literarischer Superstar in den USA geworden.  

Auftritt beim Super Bowl und Vertrag mit Kosmetikgigant

Cover des Buchs "Was wir in uns tragen" von Amanda Gorman © Hoffmann und Campe
"Was wir in uns tragen" von Amanda Gorman ist im Juni bei Hoffmann und Campe in zweisprachiger Ausgabe erschienen. Übersetzt haben es Marion Kraft und Daniela Seel.

Das Kosmetikunternehmen Estée Lauder nahm die mittlerweile 25-Jährige unter Vertrag. Selbstbewusstsein inspiriere Wandel, sagt Gorman in einem Werbeclip für Make-Up. Ihre Sprechhaltung, ihre Hände, die sie beim Vortragen rhythmisch bewegt, machen sie ebenso unverkennbar. Gorman steht symbolisch für eine junge, hoffnungsvolle USA - ihre Gedichte sind gefragt - nicht nur bei politischen Großereignissen, sondern auch sportlichen, wie dem Super Bowl im Jahr 2021.  

Mit 16 Jahren gewann Amanda Gorman ihren ersten Lyrik-Preis. 2017 wurde sie von der US-Kongressbibliothek als "National Youth Poet Laureat" ausgezeichnet, eine ganz besondere Ehre. 

"Hymne auf die Leidenden" - Gedicht für Opfer und Überlebende bei Schulmassaker

Eine besondere Kraft entfalten ihre Worte aber immer dann, wenn die USA eine Tragödie oder Schock verarbeiten muss, sei es der Sturm auf das Kapitol der USA am 6. Januar 2021 - oder nun das Schulmassaker an der Grundschule im texanische Uvalde. Für die Opfer und Überlebenden hat Gorman ein Gedicht verfasst, "Hymne für die Leidenden." 

Alles tut weh,
Unsere Herzen überschattet und fremd,
Der Verstand mit Schlamm bedeckt und verstummt
Wir tragen Tragödien in uns, erschreckend und wahr.
Und doch ist nichts davon neu; Amanda Gorman: Auszug aus "Hymne für die Leidenden"

Dass sie sich immer wieder zu aktuellen Ereignissen mit einem Gedicht zu Wort meldet, sieht Gorman als Teil ihres Auftrags als politische Dichterin an, erklärt sie dem Radio Netzwerk NPR: "In solchen Momenten bin ich hoffnungsvoll, aber eigentlich bin ich eher stur, als hoffnungsvoll, was bedeutet, dass ich meine Sturheit, meinen starken Willen, mein schlagendes Herz mitbringe. Ich weiß, dass es Kräfte auf dieser Welt gibt, die meine Ohnmacht feiern und eine Party schmeißen würden, und sie gewinnen, wenn ich nicht weiterhin jeden Tag wieder aufstehe und das tue, von dem ich weiß, dass es richtig ist."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 05.06.2022 | 15:55 Uhr

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