Lucky Luke springt auf sein Pferd Jolly Jumper. © Lucky Comics 2021 © Lucky Comics 2021

75 Jahre Lucky Luke

Stand: 14.11.2021 07:00 Uhr

Vor 75 Jahren erfand der belgische Zeichner Morris Lucky Luke, mittlerweile eine der populärsten Comicserien Europas. In Deutschland wurde der "Mann, der schneller zieht, als sein Schatten" vor allem dank zweier Hamburger Verlage bekannt.

von Johannes Freytag

Das Licht der Comic-Welt erblickte Lucky Luke am 14. November 1946, als Maurice de Bevere (Künstlername Morris) in einem Jahrbuch der Zeitschrift "Almanach Spirou" die erste 20-seitige Episode "Arizona 1880" veröffentlichte. Ein halbes Jahr später gab es die erste Fortsetzungsgeschichte, "La Mine d’or de Dick Digger" (dt. "Die Goldmine von Dick Digger") die unter dem gleichen Namen 1949 auch als Album erschien.

1959: Lucky Luke erstmals auf Deutsch

Es dauerte noch einmal neun Jahre, ehe die Abenteuer von Lucky Luke und seinem Pferd Jolly Jumper auch in Deutschland publiziert wurden: Im Magazin "Der heitere Fridolin" des Hamburger Alfons Semrau Verlags. Zu dem Zeitpunkt hatte sich aus der einfachen Figur, die anfangs - so war es nun mal üblich in der Zeichentrick-Welt - nur vier Finger besaß, längst ein untadeliger Charakter mit hohem Wiedererkennungswert, viel Komik und zahlreichen historischen Anspielungen entwickelt.

"In Lucky Luke gibt es einiges von Tom Mix aus der Stummfilmzeit, von John Wayne, etwas von James Stewart und von all diesen eher wortkargen Cowboys. Aber der Schauspieler, der mich am meisten beeinflusste, war sicherlich Gary Cooper, vor allem dadurch, dass er sehr wenig sprach und im Wesentlichen mit 'Yep' antwortete." Morris über Vorbilder für Lucky Luke

Das lag auch an den Szenarios, die der legendäre René Goscinny (Asterix, Isnogud, Der kleine Nick) als Texter beisteuerte. Goscinny und Morris verarbeiteten in ihren Geschichten das Wissen, das sie sich durch einen mehrjährigen USA-Aufenthalt Ende der 1940er-Jahre erworben hatten - und bei dem sie sich überhaupt auch erst kennenlernten.

30 Millionen verkaufte Alben in Deutschland

In den frühen 1970er-Jahren zählte Lucky Luke in Deutschland zu einer der beliebtesten Serien in der vom Hamburger Koralle-Verlag herausgegebenen Comic-Zeitschrift "Zack". Koralle initiierte auch die Albenreihe, die inzwischen bei der Mediengruppe Egmont Ehapa beheimatet und bei Nummer 100 angekommen ist. Mittlerweile erscheinen die Abenteuer in 33 Sprachen, zuletzt auch in Russisch und Rumänisch. Pro Jahr werden von dem Dauerseller gut 110.000 Exemplare abgesetzt, wobei die Zahl der bis heute in Deutschland verkauften Alben bei 30 Millionen, weltweit bei 300 Millionen liegt.

Außerdem gibt es Zeichentrickfilme und -serien sowie auch mehrere Real-Verfilmungen: Terence Hill, Til Schweiger und Jean Dujardin gaben dem Comic-Cowboy ein reales Gesicht.

Wilder Westen und Western-Geschichte

Western-Geschichte wie Landnahme, Indianerkriege oder Zivilisationsfortschritt erfährt eine humoristische und parodistische Aufarbeitung. Historisch belegte Revolverhelden wie Billy The Kid, Calamity Jane, Joss Jamon oder Jesse James werden ins Komische gezogen. Skurrile Typen wie Kopfgeldjäger (mit dem Konterfei von Hollywood-Star Lee van Cleef), russische Großfürsten oder Möchtegern-Napoleons füllen die Alben ebenso wie die Dauer-Fehde mit den Gebrüdern Dalton, die Lucky Luke immer wieder zurück ins Gefängnis bringen muss. Ganz zu schweigen von Rantanplan, dem Hund, der "dümmer ist, als sein eigener Schatten"...

Mehr als nur eine unterhaltsame Parodie

Dass die Abenteuer des "Lonesome Cowboy" auch 20 Jahre nach dem Tod von Erfinder Morris nichts von ihrer Anziehungskraft eingebüßt haben, liegt nicht nur an der kongenialen Weiterführung durch den Zeichner Achdé (seit 2003). Die Comic-Serie geht weit über eine reine Western-Parodie hinaus: "Morris hat einen eigenständigen Kosmos erschaffen, gewissermaßen ein ganzes Wild-West-Universum", sagte Verleger Volker Hamann im Gespräch mit dem NDR.

Bemerkenswert sei zudem, das Lucky Luke "einer der seltenen Fälle ist, in denen ein Serienheld von einem einzigen Menschen erschaffen wurde, und dieser sein ganzes Leben ausschließlich dieser Figur gewidmet hat", ergänzte der 53-Jährige, der im schleswig-holsteinischen Barmstedt die Comic-Zeitschriften "Reddition" und "Alfonz - Der Comicreporter" herausgibt.

Lucky-Luke-Lexikon mit 1.650 Begriffen

Gemeinsam mit dem Comic-Experten Horst Berner zeichnet Hamann auch verantwortlich für das "Lucky-Luke-Lexikon", das vor wenigen Tagen in den Handel gekommen ist. "Erste Ideen dazu gab es schon vor fünf Jahren zum 70. Geburtstag, damals kam die Anfrage aber zu kurzfristig. Vor einem Jahr haben wir einen neuen Anlauf unternommen und nun 1.650 Begriffe zusammengetragen, die wir in dem Lexikon erläutern", sagte Hamann. Das Besondere: Weder in Belgien noch in Frankreich gibt es bislang ein solches Nachschlagewerk.

Jubiläums-Jahr mit vielen Highlights

Das Lexikon ist nur eines von vielen Veröffentlichungen, die das 75-jährige Jubiläum des Comichelden begleiten. So erschien im März dieses Jahres Album Nr. 100 ("Die Ursprünge - Western von Gestern") mit den beiden allerersten von Morris gezeichneten Lucky-Luke-Abenteuern.

Außerdem gibt es zwei Hommagen: Ralf König, hierzulande bestens bekannt durch seine schwulen, knollennasigen Helden aus "Der bewegte Mann", legte in "Zarter Schmelz" eine höchst unterhaltsame Adaption vor. Von König stammt auch das Vorwort zum Lucky-Luke-Lexikon. Und Mathieu Bonhomme beweist mit "Wanted", seinem zweiten Album nach "Der Mann, der Lucky Luke erschoss" (2016), dass er dem Westernhelden mehr als nur ein Faceliftung - weg von der reinen Komik - verpasst hat.

Und die Zeit bis zum nächsten runden Geburtstag können sich die Lucky-Luke-Fans mit der frisch gestarteten neuen Gesamtausgabe (zwei Bände liegen bislang vor), dem Sekundärwerk "Lucky Luke - Die Eroberung des Westens" oder auch dem "Lucky Luke Kochbuch" verkürzen...

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Kultur | 14.11.2021 | 15:00 Uhr

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