Stand: 30.11.2014 14:36 Uhr

Auszeichnung für Birte Schnöink

von Katja Weise
Bild vergrößern
Birte Schnöink ist Boy-Gobert-Preisträgerin 2014.

Im Hamburger Thalia Theater hat die Schauspielerin Birte Schöink am Sonntagvormittag den Boy-Gobert-Preis erhalten. Der Nachwuchspreis ist mit 10.000 Euro dotiert. Die junge Schauspielerin reiht sich damit in eine Liste illustrer Preisträger ein: Ulrich Tukur hat ihn bereits bekommen, Susanne Lothar, Martin Wuttke und Wiebke Puls. Die Körber Stiftung vergibt den Preis seit 1981 jährlich an die beste Nachwuchsschauspielerin bzw. den besten Nachwuchsschauspieler auf den Bühnen der Hansestadt.

Es hat ein bisschen gedauert, bis man sie wahrgenommen hat, diese kleine blonde Schauspielerin, die trotz ihrer Zartheit mit beiden Beinen immer ganz fest auf der Erde zu stehen scheint. Und so verschieden die Frauenrollen auch sein mögen, in denen Birte Schnöink zur Zeit am Thalia Theater zu sehen ist - ob als Hermia, Nina oder Julia: Alle drei haben eine ganz bestimmte, konzentrierte Unbeirrbarkeit.

Oh Gott, Julia!

"Ich dachte erst, oh Gott, okay, Julia, das wird ´ne Aufgabe, weil mir jetzt erst mal von Vorneherein nicht unbedingt was in den Kopf gekommen ist und weil das jetzt auch keine Rolle war, wo ich dachte, die muss ich unbedingt spielen", erinnert sich Schnöink. Doch dann hat sie sich auf die Suche gemacht: "Und es war total spannend, das zu spielen und herauszufinden, was man für eine Julia sein kann."

Grenzen überschreiten und "von sich selbst einmal wegkommen", wie Birte Schnöink sagt, einfach etwas anderes sein können, das sei von Anfang an ein wichtiger Impuls gewesen. Schon mit 15, 16 Jahren wusste die gebürtige Delmenhorsterin, welchen Weg sie einschlagen wollte. Eine wirkliche Alternative zum Schauspielberuf gab es nie.

"Ich habe ein Jahr lang eigentlich erfolglos vorgesprochen, und dann habe ich Germanistik studiert, aus Verzweiflung, und habe dann aber nochmal beim Studieren gemerkt: Hier will ich auf jeden Fall nicht landen, das ist nichts für mich. Denn da gab es auch eine Theaterhobbygruppe, und ich habe mich nicht mal getraut, dahin zu gehen und mit denen Theater zu machen, da gab´s für mich nur das Ganz oder Gar nicht." Also Ganz: An der Berliner Ernst Busch Schule klappte es beim sechsten Vorsprechen.

"Anrührend, aber nie melodramatisch"

Eine Lieblingsrolle hat sie nicht, aber als Tschechows "Nina" in Leander Haußmanns Inszenierung der "Möwe" ist besonders viel zu spüren von ihrem hochkonzentrierten Spiel, das auch die Jury des Boy Gobert Preises lobt. Ihre Nina ist "zart, aber voll innerer Kraft, anrührend, aber nie melodramatisch".

Bild vergrößern
In Shakespeares Sommernachtstraum ist Birte Schnöink als Hermia zu sehen (links)

Für Birte Schnöink ist ein Theaterabend dann ein besonderer, "wenn ich das Gefühl habe, dass alle aufmerksam sind, auf der Bühne und die Zuschauer auch, und dass Dinge geschehen, die man sich eben nicht vorgenommen hat. Das ist für mich immer etwas sehr Kostbares, und das ist für mich auch irgendwie Theater, also das etwas passiert."

Die Bühne ist für sie ein fast magischer Ort. Schon früh hat die, die im Gespräch zurückgenommen wirkt, auf angenehme Weise scheu, eine Technik entwickelt, diese ohne Angst zu betreten: "Ich habe mir am Anfang immer vorgestellt, dass ich, wenn ich auf die Bühne gegangen bin, wie durch so eine unsichtbar Türe gehe. Und dann war im Prinzip alles weg und ich konnte im Prinzip relativ frei sein. Und da ist irgendwie so ein magischer Ort, so ein energetischer Ort."

Ab Januar auch im Kino

Am Thalia Theater, wo sie seit fünf Jahren fest zum Ensemble gehört, fühlt sie sich wohl. Traumrollen gibt es keine, sie lasse die Dinge lieber auf sich zukommen, meint Birte Schnöink. Gerade hat sie ihren ersten Film gedreht, im Januar kommt "Amour fou" über den gemeinsamen Liebestod von Heinrich von Kleist und Henriette Vogel in die Kinos. Auch das sei eine spannende Erfahrung gewesen, sagt sie.

Ab Februar steht sie dann als Kleists "Käthchen von Heilbronn" auf der Bühne. Darauf freut sie sich schon, aber es gilt für sie sowieso: "Selbst wenn man missgestimmt ins Theater geht, weil man eigentlich keine Lust hat an dem Tag, geht man meistens fröhlich wieder raus, weil man irgendwie was durchlebt hat und mit Leuten zusammen war."

Die Schauspielerin Birte Schnöink im Portrait. © Bernd Uhlig Fotograf: Bernd Uhlig

Birte Schnöink erhält den Boy-Gobert-Preis

NDR Kultur - Matinee -

Es hat ein bisschen gedauert, bis man sie wahrgenommen hat, diese kleine blonde Schauspielerin, die trotz ihrer Zartheit mit beiden Beinen immer ganz fest auf der Erde zu stehen scheint.

5 bei 2 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 27.11.2014 | 11:20 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/kultur/Zart-aber-voll-innerer-Kraft,schnoeink100.html

Mehr Kultur

49:29

Folge 2828: Stich ins Herz

13.12.2017 08:10 Uhr
NDR Fernsehen
47:55

2563: Der Weg ins Glück

13.12.2017 07:20 Uhr
NDR Fernsehen