Fensterausstellung der Kulturschlachterei Rendsburg © NDR

Rendsburg: Schaufensterausstellung zum Weltfrauentag

Stand: 08.03.2021 16:26 Uhr

Die Studentin Fenja Petersen hat anlässlich des Weltfrauentags eine Ausstellung im Rendsburger Kunstraum "Kulturschlachterei" gestaltet - und dafür die Schaufenster bemalt.

Fensterausstellung der Kulturschlachterei Rendsburg © NDR
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von Lina Bande

Porträts, die mal eckig, mal oval gerahmt sind. Mal kunstvoll verziert, mal ganz schlicht. Wie eine große Galerie sieht das Schaufenster in der Rendsburger Fußgängerzone aus. All diese Porträts sind mit weißer Kreidefarbe von innen an die Scheiben gezeichnet. Und sie alle zeigen bildende Künstlerinnen, aus allen Epochen, allen Stilrichtungen. Für Fenja Petersen die persönliche Top 15: "Frida Kahlo ist sicherlich ein Name, der sehr bekannt ist im deutschen Raum, auch Käthe Kollwitz. Viele andere Namen kennen aber viele nicht. Ich wünsche mir, dass die Menschen sich zum ersten Mal mit diesen Frauen auseinandersetzen oder vielleicht zum ersten Mal realisieren, dass sie eigentlich nur männliche Künstler im Kopf haben, wenn sie an einen Künstler denken."

Ungleichheiten im Kunstbetrieb

Picasso, van Gogh, Monet - alles große Künstler, ohne Frage. Dagegen sind Harriet Powers, Margaret MacDonald Mackintosh oder Yayoi Kusama unbekannte Namen - auch wenn ihre Kunst der Kunst ihrer männlichen Kollegen in nichts nachsteht.

Künstlerin Fenja Petersen bei ihrer Arbeit © Kulturschlachterei Rendsburg
Design-Studentin Fenja Petersen bei ihrer Arbeit

Fenja Petersen kommt aus der Nähe von Rendsburg, studiert mittlerweile Design in Halle. Für sie ist die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen auch im Kunstbetrieb ein grundlegendes Problem: "Wenn man sich in jeder beliebigen Bibliothek Bücher zum Thema Kunstgeschichte und zeitgenössischer Kunst anguckt, dann ist es zu einer großen Zahl Kunst von Männern. Und im Kunstunterricht an Schulen sind die Künstler, die den Kindern beigebracht werden, hauptsächlich männlich."

Porträtgalerie als Inspiration

Die 19-Jährige selbst wurde damals von einer Kunstlehrerin geprägt, die viel Wert auf die Arbeit weiblicher Künstlerinnen gelegt hat. Als das Team der Kulturschlachterei angefragt hat, ob Petersen die Schaufenster gestalten möchte, sei ihr schnell klar gewesen, dass es um Frauen gehen soll. Denn auch, wenn es in anderen Ländern und Gesellschaften noch viel schlechter um die Gleichgerechtigkeit steht, gibt es auch in Deutschland noch viel zu tun, sagt die Studentin: "Wenn man sich die Postenverteilung in Vorständen anguckt, Politikerinnen in Spitzenämtern oder das Thema Bezahlung - das sind alles Punkte, wo wir noch nicht da sind. Auch Alltagssexismus, sexuelle Belästigung - das sind Dinge, die überproportional Frauen betreffen."

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Mehrere Frauen unterschiedlicher ethnischer Zugehörigkeit in einer bunten Grafik. © PantherMedia Foto: angelinabambina

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Mit ihrer kleinen Porträtgalerie möchte Petersen inspirieren, "einfach den Wikipedia-Artikel zu überfliegen oder bei der Bildersuche die bekanntesten Werke anzugucken und Kunstwerke zu entdecken, die einen auf einer ganz persönlichen Ebene berühren."

Mit Erfolg: Denn immer wieder bleiben Passanten stehen und scannen den QR-Code, der zu den Kurzporträts der Frauen führt - zur Geschichte von Künstlerinnen wie Judy Chicago, Hilma af Klint oder Amy Sherald.

Die Porträts in den Fenstern der Kulturschlachterei in der Nienstadtstraße bleiben auch noch länger erhalten; Sie können noch mindestens einen Monat lang angeschaut werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 08.03.2021 | 15:40 Uhr