Stand: 20.10.2019 08:06 Uhr

"Joker": Endlich ein Oscar für Joaquin Phoenix?

von Bettina Aust

Wohl kaum ein anderer Film hat dieses Jahr so viel Gesprächsstoff geliefert wie die Comic-Verfilmung "Joker", die Anfang Oktober in den Kinos angelaufen ist. Das liegt vor allem an der Ausnahmeleistung von Joaquin Phoenix, der den Joker spielt. Der US-amerikanische Schauspieler gilt bereits als Kandidat für den Oscar als bester Hauptdarsteller. Was macht diesen Schauspieler so besonders?

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Joaquin Phoenix trainierte wochenlang das irritierende Lachen des Joker.

Joaquin Phoenix rutscht auf seinem Stuhl hin und her, wirkt etwas nervös und schüchtern. Applaus und Gratulationen nach der Weltpremiere auf dem Filmfest in Venedig scheint er nicht wirklich genießen zu können. Er taucht sehr tief in seine Rollen ein - das sei auch beim "Joker" so gewesen, erzählt er auf der anschließenden Pressekonferenz.

Joaquin Phoenix nimmt 20 Kilo für den "Joker" ab

"Ganz am Anfang stand für mich der Gewichtsverlust. Damit fing alles an. Und wie sich herausstellte, hatte das einen psychologischen Effekt. Man wird tatsächlich verrückt, wenn man in so kurzer Zeit so viel abnimmt."

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Mehr als 20 Kilo nimmt der 44-jährige Schauspieler vor den Dreharbeiten ab. Phoenix spielt seine Rollen nicht nur, er lebt sie. Wochenlang trainiert er zum Beispiel das beängstigend irritierende Lachen des Joker. "Ganz ehrlich, ich dachte nicht, dass ich das hinkriege. Ich habe das Lachen dann allein geübt, aber irgendwann meinen Regisseur Todd Phillips gebeten, zu mir nach Hause zu kommen, um es zu beurteilen. Denn ich dachte, ich muss es auf Kommando vor anderen Leuten können. Ich musste ein echtes Lachen finden, es durfte nicht falsch klingen", erzählt Phoenix.

Joaquin Phoenix' Joker ist noch düsterer als in früheren Batman-Filmen. "Es ist seine verzweifelte Suche nach Glück, Gemeinschaft, Wärme und Liebe, die mich an seinem Charakter am meisten interessiert hat. Ich sehe meine Figuren nie als gemarterte Seelen. Die werden in der Regel von Journalisten so interpretiert, wenn ich Interviews gebe", so Phoenix.

Für den Joker Phoenix vierte Oscar-Nominierung?

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Für seine Rolle als Joker gilt Schauspieler Joaquin Phoenix als Anwärter für den Oscar.

Wer ihn im Laufe der Jahre immer wieder getroffen hat, weiß, dass er mit Interviews, vorsichtig formuliert, ein Problem hat. "Ich hasse Interviews, weil ich da gezwungen bin, mich mit Dingen zu beschäftigen, über die ich gar nicht nachdenken will. Das tut meiner Arbeit nicht gut", erzählt der Schauspieler. Dreimal war Phoenix bereits für einen Oscar nominiert: Als irrer Kaiser in "Gladiator", als Countrysänger Johnny Cash in "Walk The Line" und als Anhänger einer Sekte in "The Master". Trotzdem geben ihm diese Erfolge keine Selbstsicherheit. "Weil mir meine Arbeit so enorm wichtig ist, will ich alles richtig machen und meinen Regisseur zufriedenstellen. Deswegen baue ich mir selber Druck auf, gute Arbeit abzuliefern. Und deswegen bin ich nervös." Doch sehr wahrscheinlich sind es gerade diese Selbstzweifel, die den Ausnahme-Schauspieler zu Höchstleistungen antreiben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 10.10.2019 | 06:20 Uhr

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