Joachim Meyerhoff liest beim Harbour Front Literaturfestival

Stand: 19.10.2020 18:16 Uhr

Zum Abschluss des Hamburger Harbour Front Literaturfestivals hat der Schauspieler und Autor Joachim Meyerhoff seinen neuen Roman vorgestellt: "Hamster hinterm Stromgebiet".

von Danny Marques Marcalo

Die Lesung ist nochmal etwas Besonderes zum Abschluss des Harbour Front Literaturfestivals: Joachim Meyerhoff hat schon vier fantastische Bücher über sein Leben verfasst und war eigentlich fertig mit dem Schreiben. Doch dann hatte er einen Schlaganfall, wurde wieder gesund und schrieb ein neues Buch, aus dem er nun in der Elbphilharmonie liest. Meyerhoff kommt auf die Bühne, als sei nichts gewesen. Schwungvoller Schritt, schlichter brauner Pullover, dicke schwarze Brille. Bevor er beginnt, räumt er erstmal mit einem Missverständnis auf. Denn bei der Begrüßung sagte Buchhändler Christian Heymann, Meyerhoff würde ja sechs Bücher über sein Leben machen. Der Autor wundert sich. "Besonders erstaunt war ich mit dem auf sechs Teile angelegten Zyklus. Davon weiß ich nämlich gar nichts", erklärt er den amüsierten Zuschauern. "Aber es ist eine gute Aufforderung, weiter am Ball zu bleiben."

Ein Schlaganfall mit 51 Jahren

Fünf Bücher hat Joachim Meyerhoff also über sein Leben geschrieben. Das neue, "Hamster im hinteren Stromgebiet", war nicht geplant. Doch dann erleidet er mit gerade einmal 51 Jahren einen Schlaganfall. "Ich würde die Diagnose gerne geheim halten. Gar nicht so sehr vor den anderen, sondern eher vor mir selbst", sagt er. "Sie hat etwas Brutales und ich scheue davor zurück, den Vorfall beim Namen zu nennen. Denn die genaue Bezeichnung klingt wie ein gezogenes Schwert, das nicht lange fackelt. Und die Bilder, die sie heraufbeschwört, sind furchtbar."

90 Minuten lang Ernstes und Witziges

90 Minuten lang redet Joachim Meyerhoff nur sehr wenig, er liest. Das ist angesichts des intimen Themas oft ruhig und ernst. Aber natürlich auch immer wieder sehr witzig. In der Therapie soll er Worte nennen, die mit "P" beginnen. "Ich legte los. Doch schon nach Sekunden blieb ich stecken, da mir fast ausschließlich Unanständigkeiten in den Sinn kamen", erzählt er dem lachenden Publikum. "Aber mich, nach meinen mageren Ergebnissen im ersten Teil, nun auch noch als 'P' wie 'Perverser' zu outen fehlte mir gerade noch. Nix gekonnt, unter dem Durchschnitt gelandet, aber bei 'P' nur Sauereien heraus schleudern, das galt es unbedingt zu vermeiden."

Komik, die ans Tragische gebunden ist

Einen Moderator, der Fragen stellt, gibt es nicht. Joachim Meyerhoff unterbricht sich selbst nur ein einziges Mal, um einen Gedankengang zu äußern. Es geht darum, dass immer gesagt wird, dass seine Bücher so lustig seien. "Wenn ich Interviews habe, dann gibt es immer eine komische Tendenz, die ich zu entkräften versuche. Ich denke immer, das ist eigentlich überhaupt nicht das, worum ich ringe. Ich finde toll, dass es lustig ist", sagt er. "Aber es ist keine Zutat. Die Komik, nach der ich suche, ist ganz essenziell an das Tragische gebunden." Das sei auch in seinen anderen Büchern so.

Auch wenn er nicht viel mehr erzählt: Die Lesung von Joachim Meyerhoff ist ein Fest. Und somit das I-Tüpfelchen auf ein insgesamt - trotz Corona - wunderbares Harbour Front Literaturfestival.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 19.10.2020 | 19:00 Uhr