Das Notizbuch der Wagnersängerin Therese Vogl, in dem sie unter anderem ihre Gagen vermerkte. © NDR Foto: Miriam Stolzenwald

Der Weg alter Handschriften in Bibliotheken und Archive

Stand: 03.02.2021 09:03 Uhr

Viele Handschriften werden in Bibliotheken und Archiven fachgerecht verwahrt. Wie gelangen sie in den Besitz einer Bibliothek? Mehrere niedersächsische Häuser haben einen Einblick gewährt.

Das Notizbuch der Wagnersängerin Therese Vogl, in dem sie unter anderem ihre Gagen vermerkte. © NDR Foto: Miriam Stolzenwald
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von Miriam Stolzenwald

Die Musikwissenschaftlerin Maren Bagge zeigt die gerade neu eingetroffenen englischen Notendrucke von einem Händler aus England. © NDR Foto: Miriam Stolzenwald
Die Musikwissenschaftlerin Maren Bagge zeigt die gerade neu eingetroffenen englischen Notendrucke von einem Händler aus England.

Maren Bagges Augen leuchten, wenn sie auf die alten Handschriften schaut, die auf dem Tisch ausgebreitet sind: "Wir können sie anfassen, wir können sie riechen. Wir können sehen, ob es Überschreibungen gab, ob was rausgestrichen wurde." Im Bestand des Forschungszentrums Musik und Gender (FMG) in Hannover hat die Musikwissenschaftlerin Einblicke in Musikhandschriften, Drucke, Zeitungsausschnitte, Briefe, Bilder, Fotos und Karten, die Komponistinnen und Musikerinnen hinterlassen haben.

Wenig Nachlässe von Frauen in der Musikgeschichte

Anne Fiebig ist Bibliothekarin im FMG. Sie klappt die hellgrauen Mappen auf dem Tisch auf. Darin liegen vergilbte kleine Zettel, kaum leserlich, filigran in dunkler Tinte beschrieben. Die Mappen sind speziell für die Aufbewahrung, damit die Originale nicht kaputtgehen. Vieles erwirbt Anne Fiebig über Antiquariate oder Auktionen, einiges von Privatpersonen. Von Frauen in der Musikgeschichte gibt es allerdings wenig. Ihre Bedeutung wurde lange nicht anerkannt und somit kaum etwas von ihnen aufbewahrt. Stücke von Clara Schumann und Fanny Hensel gehören vergleichsweise zu den teureren unter den Musikerinnen - da können es mehrere hundert Euro für eine Handschrift sein.

Teure Anschaffungen werden von Stiftungen unterstützt

Richtig teuer aber wird es bei Handschriften bedeutender Männer. So war es bei einem spektakulären Kauf der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel letztes Jahr, berichtet Christian Heitzmann, der dortige Leiter der Abteilung Handschriften und Sondersammlungen: "Das war das große Stammbuch Philipp Hainhofers, bei dem wir uns dann in einer Kaufpreishöhe von so etwa drei Millionen Euro bewegt haben." Solche Käufe werden meist von Stiftungen unterstützt.

Leibniz-Briefwechsel virtuell zugänglich

Matthias Wehry hält eine Handschriften in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek Hannover in die Kamera. © NDR Foto: Miriam Stolzenwald
Matthias Wehry kümmert sich um den Kauf von Handschriften in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek Hannover.

So ist das auch in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek Hannover, die unter anderem Originale aus der Leibniz-Zeit erwirbt. Seit der Leibniz-Briefwechsel 2007 in das UNESCO-Weltdokumentenerbe eingegangen ist, sind die Preise gestiegen - momentan hat ein Leibniz-Brief auf dem Markt einen Mindestwert von zirka 30.000 Euro. Matthias Wehry kümmert sich um den Kauf solcher Dokumente. Man arbeite daran, diese Bestände zu digitalisieren, sagt er: "Da war das Corona-Jahr tatsächlich ein sehr erfolgreiches Jahr, weil wir uns zwangsläufig viel stärker mit dem Digitalen auseinandersetzen konnten." So sei es möglich gewesen, den kompletten Briefwechsel, die kompletten Handschriften von Leibniz virtuell zugänglich machen.

Davon profitieren viele und es erspart so manchem Wissenschaftler eine Reise um die Welt. Maren Bagge und Anne Fiebig aus dem FMG weisen aber auch darauf hin, dass auf digitalisierten Dokumenten auch Informationen verloren gehen können - Wasserzeichen zum Beispiel. Und manches ist eben auch einfach nur im Original schön: "Einer unserer Klassiker ist das Album 'Amicorum' von Jenny Lind. Das ist wie ein kleines Poesiealbum und vorne auf der ersten Seite ist in einem Lorbeerkranz eine Locke von ihr eingenäht."

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Auf einem Tisch liegen mehrere Bücher über die Sängerin Jenny Lind: Eines ist aufgeschlagen und zeigt ein Portät von ihr, ein anderes hat den Titel "The Lost Letters of Jenny Lind". © NDR Foto: Agnes Bührig

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 03.02.2021 | 11:20 Uhr