Tobias Kaiser (links) und Jens Buddrich (rechts) verteilen Geschenke. © NDR Foto: Lisa Pandelaki

Süßer Dank für Frachter-Crews

Stand: 19.11.2020 17:48 Uhr

Wegen Corona fällt der Landgang für die Schiffsbesatzung an den meisten Häfen aus. Als Dank für ihre harte Arbeit hat Jens Buddrich an der NOK-Schleuse in Kiel eine Verteilaktion für sie organisiert.

von Lisa Pandelaki

Dicke, graue Wolken hängen am Himmel über der Schleuse zum Nord-Ostsee-Kanal in Kiel. Der Wind bläst Jens Buddrich und Tobias Kaiser von der Seemannsmission immer wieder Regentropfen entgegen. Doch die beiden lassen sich davon nicht beeindrucken. Mit braunen, süßigkeitenbestückten Papiertüten in der Hand gehen sie über das Schleusentor zur Mittelinsel. Dort übergeben sie die Tüten an den Gangways den Besatzungen der Frachtschiffe, die hier gerade auf ihre Weiterfahrt warten. "Um den Seeleuten zu zeigen, dass auch noch an sie gedacht wird in Zeiten der Pandemie", erklärt Buddrich. Es ist ein Dankeschön für die harte Arbeit unter jetzt erschwerten Bedingungen.

Kein Landgang wegen Corona

Jens Buddrich kennt viele der Seeleute persönlich. Seit 2015 macht er immer wieder Urlaub auf Frachtschiffen und hat so Kontakte in die ganze Welt geknüpft. "Schifffahrt interessiert mich einfach", erzählt der Schleswiger. Er engagiert sich deshalb auch ehrenamtlich in der Seemannsmission in Kiel. So bekommt er hautnah mit, wie die Pandemie sich auf die Besatzungsmitglieder auswirkt: In fast allen Ländern haben die Reedereien den Landgang für ihre Crews gestrichen. So soll verhindert werden, dass das Coronavirus an Bord kommt und die gesamte Schiffscrew in Quarantäne muss. Eigentlich gibt es gesetzliche Regelungen, wie lange eine Crew maximal an Bord bleiben darf. Wegen Corona ist sie aber nicht mehr umsetzbar. "Ich habe letztens mit einem Seemann hier gesprochen, der mir erzählt hat, dass er zweimal seinen Geburtstag auf dem Schiff gefeiert hat. 14 Monate war er ununterbrochen unterwegs", erzählt Tobias Kaiser, Diakon der Seemannsmission in Kiel. Als Buddrich mit der Dankeschön-Idee auf ihn zukam, war er deshalb sofort mit dabei.

350 Kilogramm Süßes

Immer wieder öffnen und schließen sich die Schleusentore in Kiel-Holtenau. Für jedes ankommende Schiff holen Buddrich und Kaiser Tüten aus der Seemannsmissionund laufen damit über das Schleusengelände. Die Idee für die Aktion hatte Buddrich relativ spontan. In seinem Freundes- und Bekanntenkreis sammelte er Geldspenden und kaufte davon rund 350 Kilogramm Süßigkeiten. Zusammen mit einem kleinen Dankesschreiben packte er daraus 86 Tüten. In dem Schreiben steht auch eine Internetadresse, über die Seeleute anonym ihr Herz ausschütten können. "Alle fahren schon auf Reserve", weiß Diakon Kaiser deshalb. Teil des Problems sei auch die Ungewissheit, dass die Seeleute nicht wüssten, wie lange sie an Bord festsitzen. Auf Frachtschiffen fehle außerdem die Möglichkeit zur Zerstreuung. Bei seinen Reisen um die Welt hat Buddrich etwa 50 Häfen angefahren. "Die Gastfreundschaft dort ist nicht zu beschreiben. Die unglaubliche Freude, wenn man sich für sie und ihren Beruf interessiert", erinnert sich der 70-Jährige. Mit seine Verteil-Aktion kann er jetzt etwas zurückgeben. Die Süßigkeiten ersetzen zwar nicht den Landgang, doch sie können der Crew Hoffnung geben und sie wissen lassen, dass jemand an sie denkt.

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Dieses Thema im Programm:

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