Ein Foto des städtischen Museums in Anklam zeigt um 1946 die zerstörte Steinstraße von Anklam. © Museum Anklam Foto: Museum Anklam

Vor 70 Jahren: Als der Krieg nach Anklam kam

Stand: 09.10.2013 13:16 Uhr

Vor 70 Jahren warfen US-amerikanische Bomber ihre tödliche Fracht über Anklam ab. Der Angriff galt hauptsächlich den Flugzeugwerken und brachte 317 Menschen den Tod.

Mit einer Gedenkfeier und einer Ausstellung hat die vorpommersche Stadt Anklam an ihre Bombardierung durch die US-Air Force vor 70 Jahren erinnert. Am 9. Oktober 1943 um 11.42 Uhr fielen erstmals alliierte Bomben auf eine deutsche Kleinstadt. Der Angriff dauerte nur vier Minuten und brachte 317 Menschen den Tod, Unzählige wurden verletzt. In Erinnerung an die Opfer wurden am Mittag ebenso viele leere Stühle mit Namensschildern der Opfer auf dem Markt aufgestellt. "Mit diesem Angriff kam der Krieg nach Anklam", sagte der Vorsitzende des Förderkreises St. Nikolai, Peer Wittig.

Hauptziel Flugzeugwerke

Hauptziel des Angriffs war das Arado-Flugzeugwerk. Dort wurden laut Wittig die Tragflächen für die Focke-Wulf Fw 190, einem "Standardjäger" der deutschen Luftwaffe, produziert. Bischof Hans-Jürgen Abromeit erklärte, dass es wichtig sei, sich die ambivalente Geschichte ins Gedächtnis zu rufen. In Anklam seien Kriegswaffen produziert worden, das habe die Stadt zum Ziel der Luftangriffe werden lassen.

"Wer konnte diese Zerstörungen überlebt haben?"

Die Verwüstungen müssen verheerend gewesen sein. Das geht aus einem Tagebucheintrag eines US-amerikanischen Kriegsgefangenen drei Monate später hervor: "Auf dem Weg von Frankfurt zu dem Stammlager I in Barth kamen wir durch eine Stadt, oder was von ihr übrig war, mit Namen Anklam. Ihr Anblick ließ einige von uns aufmerksam werden. Sie waren beim Angriff auf diese Stadt dabei. Die Zerstörungen waren unglaublich. Hier und da stolperten Zivilisten oder Männer in Uniform mitten durch die Trümmer. Wer konnte diese Zerstörungen überlebt haben?"

Ausstellung zeigt Zerstörung der Stadt

Banner mit Fotos und Schriftzeugnissen wie das des Kriegsgefangenen werden von Mittwoch an in einer Ausstellung in der Kirche St. Nikolai gezeigt. Dazu befragten Mitglieder des Förderkreises Zeitzeugen und recherchierten in Archiven im In- und Ausland. Die Schau dokumentiert erstmals die Geschichte der Zerstörung Anklams und soll den Umfang und die Hintergründe der Luftangriffe auf die Stadt beleuchten. "Das Anklam von heute ist nicht mehr das hanseatisch geprägte Anklam von früher", sagte der Förderkreis-Vorsitzende Wittig.

Auch die Luftwaffe bombardierte die Stadt

Im August 1944 folgten zwei weitere US-Angriffe auf die seinerzeit rund 20.000 Einwohner zählende Stadt. Die größten Lücken in das damals noch hanseatisch geprägte Stadtbild riss allerdings die deutsche Luftwaffe, die am 29. April 1945 das gerade von russischen Truppen besetzte Anklam bombardierte. Dabei wurde auch die Kirche St. Nikolai zerstört. Insgesamt kamen bei sämtlichen Bombardierungen Schätzungen zufolge etwa 800 Menschen ums Leben.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 09.10.2013 | 07:00 Uhr

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