Stand: 21.07.2020 15:51 Uhr  - NDR Info

Tierpark Hagenbeck: Attraktion mit Schattenseiten

Ehrengäste posieren bei der Eröffnung des Tierparks von Carl Hagenbeck. © NDR/Karsten Wohlrab
Das einstige Eingangstor mit Elefantenköpfen - hier bei der Eröffnung 1907 - steht heute mitten im Tierpark.

Die perfekte Illusion einer Abenteuerreise durch die Wildnis - diese Idee schwebt Carl Hagenbeck vor, als er mit den Planungen zu einer modernen Form des Zoos beginnt. Der ehemalige Fischhändler, der sein Geld ab den 1860er-Jahren mit Tiervorführungen und Tierhandel gemacht hat, träumt von einem Zoo mit Parklandschaften, in dem die Besucher den Tieren in einer möglichst natürlichen Umgebung ohne störende Gitter begegnen können.

7. Mai 1907: Erster gitterloser Zoo eröffnet

Am 7. Mai 1907 verwirklicht Carl Hagenbecks seinen Traum: In dem damals noch nicht zum Hamburger Stadtgebiet gehörenden Stellingen eröffnet der Tierpark Hagenbeck als erster gitterloser Zoo der Welt. Das Konzept der Tierhaltung in naturnahen Umgebungen lässt sich Hagenbeck patentieren. Schon bald übernehmen es zahlreiche Zoos.

Undatierte Aufnahme des Tierhändlers und Zoodirektors Carl Gottfried Heinrich Hagenbeck (1844-1913) in einem Löwengehege auf dem Gelände in Stellingen. © picture-alliance / dpa
1907 setzt Carl Hagenbeck seine Vision in Stellingen um: ein Tierpark mit neuartigen Gehegen ohne Gitter.

In Hagenbeck leben die Tiere in sogenannten Panorama-Anlagen. Anstatt durch Gitterstäbe sind sie von den Besuchern nur durch Trocken- und Wassergräben getrennt. Aus dem Eröffnungsjahr bis heute erhalten sind unter anderem der Affenfelsen, auf dem heute die Paviane herumtollen, sowie das sogenannte Afrika-Panorama mit Löwenschlucht und einer künstlichen Felslandschaft, in der verschiedene Huftiere leben.

Carl Hagenbecks diskriminierende "Völkerschauen"

Tiere sind allerdings nicht das einzige, was Carl Hagenbeck ausstellt. Ab Mitte der 1870er-Jahre lässt er bei den damals beliebten "Völkerschauen" unter anderem Samen, Inuit, Massai, Singhalesen und Nubier auftreten - zuerst noch auf dem Neuen Pferdemarkt, wo er seine ersten Schauen abhält, später auch im Tierpark in Stellingen. Das neugierige Hamburger Publikum kommt in Scharen, um die ausgestellten Fremden zu "besichtigen".

Hunderte Tiere sterben im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs

Carl Hagenbecks Söhne führen nach dessen Tod 1913 die Arbeit ihres Vaters fort, erweitern den Tierpark stetig. 1937 eröffnet eine großzügige Anlage für die Elefanten. Doch der Zweite Weltkrieg zieht auch am Tierpark nicht spurlos vorüber. Mehrere Hundert Tiere sterben im Bombenhagel und große Teile des Parks, darunter etwa die Eismeer-Anlage, werden beschädigt oder zerstört. Doch Familie Hagenbeck schafft es mit vielen Helfern, die Anlage wieder aufzubauen.

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Exotik und Erlebnis in Tierpark und Tropen-Aquarium

Bis heute ist der Tierpark in privater Hand. Carl Hagenbecks Nachfahren verfolgen weiter die Ziele des Gründers: Hagenbeck soll eine Erlebniswelt sein, Exotik und Abenteuer bieten. 2007, 100 Jahre nach der Eröffnung, erhält er mit dem rund 7.000 Quadratmeter großen Tropen-Aquarium eine weitere Attraktion. In einer fantasievollen Kulissenwelt beherbergt das Gebäude Tausende exotische Tiere, darunter Haie, Muränen, Nilkrokodile, giftige Schlangen, Fledermäuse, Höhlenfische sowie Skorpione.

VIDEO: Hagenbeck und der Geruch der Tierwelt (3 Min)

Eismeer: Seit 2012 Heimat von Walrossen und Eisbären

Im Sommer 2012 eröffnet mit dem Eismeer ein weiterer Neubau. Er ist Nachfolger des Nordland-Panoramas, das bereits 1907 von Carl Hagenbeck eingeweiht wurde. In der 8.000 Quadratmeter großen Anlage sind Eisbären, Pinguine, Kegelrobben und Seebären zuhause. Außerdem sind dort erstmals seit dem Tod des NDR Maskottchens Antje wieder Walrosse zu sehen. Die Anlage ist begehbar: Im Inneren können Besucher die Tiere durch gläserne Panorama-Scheiben auch unter Wasser beim Tauchen beobachten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 21.07.2020 | 14:00 Uhr

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