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Kiel: Die Stadt am Keil

"Blick auf die Kieler Förde", zeitgenössisches Aquarell von Friedrich E. Wolperding aus dem Jahr 1865. © akg-images
1865 annektiert Preußen die Stadt Kiel und siedelt die Marine an der Förde an.

Graf Adolf IV. von Holstein gründet Kiel 1233 am Rande von sanft ansteigenden Moränenhügeln auf der Halbinsel eines Fördearmes - heute "Kleiner Kiel" genannt. Die Stadt ist von Anfang an eine geplante Metropole und entsteht nicht aus einer kleinen urzeitlichen Siedlung. Ihr Name lautet damals noch "Holstenstadt tom kyle". "Kyle" bedeutet soviel wie Keil und beschreibt die spitz ins Land ragende Kieler Förde.

Später Aufstieg der Stadt Kiel

Bis ins 19. Jahrhundert bleibt Kiel wegen politischer Streitigkeiten eine größere Bedeutung verwehrt. 1865 annektiert Preußen die Stadt und siedelt die Marine an. 1871 wird Kiel zum Reichskriegshafen ernannt. Die Zahl der Marineeinrichtungen, Werften und Arbeiter steigt in der Folgezeit, die Stadt wächst schnell. 1882 richten Segler zum ersten Mal eine Regatta auf der Kieler Förde aus, sie gilt als Geburtsstunde der Kieler Woche.

1918 leben bereits um die 300.000 Menschen in der Stadt. Im selben Jahr markiert der sogenannte Matrosenaufstand das Ende der Kaiserzeit und den Anfang der Weimarer Republik. Doch trotz der neugewonnenen Demokratie geht es in Kiel wirtschaftlich bergab: Wegen des verlorenen Ersten Weltkrieges zieht sich die Marine aus Kiel zurück.

Militärstandort Kiel: 90 Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg

Dann übernehmen die Nationalsozialisten das Ruder und im Zuge des Zweiten Weltkrieges wird Kiel wieder zum Militär- und Rüstungsstandort ausgebaut. Mit der Wirtschaft geht es erneut aufwärts, aber der positive Trend hält nicht lange an. Aufgrund ihres Status' muss Kiel 90 alliierte Bombenangriffe aushalten, zum Ende des Krieges liegen drei Viertel der Stadt in Schutt und Asche. 1946 wird Kiel zur Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins ernannt. Seitdem erlebt die Stadt wieder einen kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung.

Kiel und die Marine - eine enge Verbindung

Heute ist die Marine aus Kiel nicht mehr wegzudenken, was auch durch internationale Flottenbesuche immer wieder deutlich wird. Die im Osten an den Naturpark Holsteinische Schweiz angrenzende Stadt ist durchweg von ihrer Lage an der Ostsee geprägt. Der Seehafen mit Fracht-, Fähr- und Kreuzfahrtterminals sowie die Werften bilden wichtige wirtschaftliche Säulen, lange Küstenpromenaden und Sandstrände sind ein ideales Naherholungsgebiet.

Fördeufer mit Fährhafen in Kiel © Bildagentur Huber/Gräfenhain
Der Hafen mit Fracht-, Fähr- und Kreuzfahrtterminals ist wirtschaftlich bedeutend für die Stadt.

Die Sehenswürdigkeiten der Stadt haben ebenfalls meist mit dem Thema Wasser zu tun. Dazu zählen neben Fördepromenade und Hafen das Marine-Ehrenmal und U-Boot U995 in Laboe, das Aquarium des Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung sowie die Schleusenanlage des Nord-Ostsee-Kanals, der bei Kiel-Holtenau in die Ostsee mündet. Er ist mit rund 32.000 Schiffen pro Jahr die am häufigsten befahrene künstliche Wasserstraße der Welt.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 07.07.2016 | 19:30 Uhr

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